Lesung anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung 

15. Mai 2026

„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder brennende Bücher!

Lesung anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung 
„Auch heute noch bin ich davon überzeugt, dass ein einstimmiger Protest der gesamten deutschen Professorenschaft, der Lehrer, Künstler, Verleger und Autoren, verbunden mit der sofortigen Schließung der Schulen, Universitäten und Kunstzentren, die Machtergreifung der Hitler-Regierung verhindert hätte. Doch die Professoren und intellektuellen Kreise schwiegen. Sie erwiesen sich als der Situation nicht gewachsen, die eine einstimmige und umfassende Zivilcourage erforderte.“  

Der ehemalige Kölner Ethnologe, Soziologe und Hochschullehrer Julius Lips, Vorwort aus dem Buch „The Savage Hits Back“,  1937 in den USA erschienen, aus dem Englischen übersetzt.

„Das Lernen des Schauspielers muß zusammen mit dem Lernen der anderen Schauspieler, sein Aufbau der Figur mit dem Aufbau der anderen Figuren vorgenommen werden. Denn die kleinste gesellschaftliche Einheit ist nicht der Mensch, sondern zwei Menschen. Auch im Leben bauen wir uns gegenseitig auf.“

Bertolt Brecht, Kleines Organon für das Theater, 1949.


Nie wieder! Am 10. Mai 1933 wurden, organisiert von der „deutschen Studierendenschaft“, an den deutschen Universitäten die Bücher von  jüdischen, bürgerlich-humanistischen und marxistischen Autor*innen unter dem Motto „wider den undeutschen Geist“ verbrannt, um Antisemitismus, rassistische Hetze, Nationalismus und Heroisierung des Soldatentums wider jede Vernunft und Humanität durchzusetzen – eine Woche später, am 17. Mai, auch an der Universität Köln. Mit der Bücherverbrennung wurde die Gleichschaltung der Hochschulen mit den menschenverachtenden Zielen der Nazis vorangebracht, wurde Militarismus, Krieg und Vernichtung der Boden bereitet.

Verbrannt, verfolgt und ins Exil getrieben wurden all diejenigen, die für Humanität, Völkerverständigung und Frieden standen, dazu gehörten Wissen- und Kulturschaffende wie Irmgard Keun, Bertolt Brecht, Franz Kafka, Mascha Kaléko, Sigmund Freud, Erich Kästner, Anna Seghers, Ernest Hemingway, Bertha von Suttner, Heinrich und Klaus Mann, Karl Marx, Heinrich Heine, Albert Einstein, Maxim Gorki, Rosa Luxemburg, Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky, Else Lasker-Schüler und viele andere. Aus dem Exil in den USA kritisierte der oben zitierte ehemalige Hochschullehrer und ehemalige Leiter des damaligen Rautenstrauch-Joest-Museums die „aktive Mitwirkung der deutschen Intellektuellen an dem Krieg, den eine politische Partei gegen die Menschlichkeit, die Gerechtigkeit und die Wahrheit, mit anderen Worten gegen die Zivilisation, führte“. Er gehörte zu denen, die schon in der Weimarer Republik gegen die kolonialistische Exotisierung und Entmenschlichung des „Fremden“, gegen die Behauptung der Höherwertigkeit westlicher Kultur und „Rasse“ eintraten, die wissenschaftlich begründeten, warum der Krieg „aller gegen alle“ nicht in der Natur des Menschen liegt und für Dialog zwischen Menschen und Kulturen eintrat.

Der Faschismus musste, um sich an der Macht zu konsolidieren, Nationalismus und Feindbilder schüren und jede Möglichkeit bekämpfen, in den zum „Feind“ Erklärten  Menschen und Gleiche zu erkennen. Er musste gegen jede Vernunft die Allewigkeit und Natürlichkeit von Konkurrenz und Krieg behaupten, jede Zivilcourage, jede Zusammenarbeit für eine humane Welt unterdrücken. Und dennoch: Das antifaschistische Bündnis, die Kooperation für eine universell menschenwürdige Welt, ist zustande gekommen, weil Menschen widersprochen und widerstanden haben, weil gerade in Zeiten der Unterdrückung und der Gewalt gelernt und kooperiert worden ist für eine Welt des Friedens, in der Krieg und Faschismus nie wieder sein mögen, für eine Welt, in der „der Mensch dem Menschen ein Helfer“ (Brecht) sei. Ihre Verwirklichung steht heute aus.  

Wir laden alle ein, zum Zuhören und Lesen, zum Nachdenken, Neu-sehen und Neu-lernen, zum In-die-Geschichte-greifen und Diskutieren.“

Wir freuen uns über alle Mitlesenden und Zuhörenden am 18.05.!

Viele Grüße

der Arbeitskreis Zivilklausel

8. Mai: Tag der Befreiung des Nationalsozialismus // Rede Luis, aktiv in der Schulstreikbewegung gegen Wehrpflicht

15. Mai 2026

Liebe Damen, Liebe Herren und allem drumherum oder dazwischen,

Heute ist der Tag, an dem wir allen Opfern des Nationalsozialismus gedenken. Wir gedenken denen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden und ihm zum Opfer fielen. Allen Jüdinnen und Juden, allen Sinti und Roma, allen Menschen mit einer Behinderung, allen Kriegsgefangenen, allen Kommunisten und Kommunistinnen, allen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen, allen anderen politischen Gegnern, allen Homosexuellen und all den anderen Menschen, die nicht in das Ideal der Nationalsozialisten passten.

8. Mai 1942, 23:01 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit:

Noch heute Morgen wachten rund um die 7000 Menschen in Auschwitz auf, Kinder, Väter, Mütter, Nachbarn wachten voller Angst und Hoffnungslosigkeit auf. Voller Angst vor dem Tod, dem Erfrieren, Verhungern, Verdursten, Folter, ja das war Folter. Unmenschliche, grausame Experimente werden an Menschen durchgeführt. Tag ein und Tag aus verlieren unzählige Menschen aufgrund der faschistischen Ideologie der Nationalsozialisten ihr Leben und werden auf brutalsten Weisen ermordet.

8. Mai 1945, 23:01 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit:

Die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und die Befreiung Deutschlands vom Faschismus tritt in Kraft. Der Krieg zog etliches an Zerstörung, Massenvernichtung, Kriegsverbrechen, Verfolgung und Zwangsumsiedlung mit sich, doch dem ist nun ein Ende gesetzt. Es gibt nun endlich wieder Hoffnung auf ein Leben in Frieden, ohne der ständigen Angst vor der grausamen Verfolgung, Tyrannei und Kriegsgefahr der Nationalsozialisten. Dennoch fehlen Kinder, Väter, Mütter, Nachbarn, sie fehlen in ihren Wohnungen, in ihren Familien und in ihren Freundeskreisen. Ihre Tode werden für immer in Erinnerung bleiben, sie bleiben wie ein Denkmal, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Wir, die Generationen der heutigen Zeit sind in der Verantwortung, dass dies nie wieder passiert. Wenn wir sagen „Nie wieder ist jetzt“, dann bedeutet dies, dass wir alles dafür tun müssen, um imperialistische Kriege zu vermeiden. Wenn wir Frieden wollen, dann kann Aufrüstung keine Option sein. Wenn wir Frieden wollen, dann sollten junge Menschen nicht zum Morden ausgebildet werden. Wenn wir Frieden wollen, dann muss Deutschland nicht kriegstüchtig werden. Wir werden nicht die Werkzeuge eures Leids sein, wir werden nicht für eure Ideologien morden und wir machen uns die Hände nicht schmutzig, damit ihr den Profit in sauberen Händen haltet. Unsere Repression gegen ihre Kriegsvorbereitungen ist Teil unseres Versprechens. Während Unmengen an Geld in die Aufrüstung der Bundeswehr gesteckt werden, wird an der Jugend gespart. Unsere Bildung erhalten wir in kaputten Schulgebäuden, Freizeitmöglichkeiten fallen weg und öffentliche Verkehrsmittel werden immer teurer, nur damit Deutschland wieder eine Führungsmacht wird. Unternehmen verdienen sich dumm und dämlich an den Kriegen und deren Vorbereitungen, während wir für diese im Ernstfall sterben sollen. Die Kinder von Reichen werden nicht an die Front müssen, während Jugendliche aus niedrigen Klassenschichten mit verlockenden Angeboten ihr Leben an den Staat verkaufen. So werden wir keinen Frieden erreichen, Deutschland ist auf dem besten Weg genau diesen zu Nichte zu machen, wenn dies so weitergeht. Deshalb waren wir am 5.1. und am 5.03. bereits mit jeweils über 50.000 Schülerinnen und Schülern auf der Straße und haben gestreikt. Wir haben gezeigt, dass wir diese Kriegsvorbereitungen nicht mitmachen. Wir haben gezeigt: Die Reichen wollen Krieg – Die Jugend eine Zukunft!

Aufruf 70+ Gegen Militarisierung und Kriegsdienst // Rede am 08.Mai 2026

15. Mai 2026

Im Dezember 2025 wurde in Köln der Aufruf 70+ gegen Militarisierung und Kriegsdienst veröffentlicht. 200 Kölner*innen, die älter als 70 Jahre sind, haben ihn mittlerweile unterschrieben, auf verschiedenen Treffen haben sich seitdem mehrere Stadtteil- und Aktionsgruppen gebildet.

Der Aufruf ist auf große Resonanz gestoßen, er ist auf zahlreichen Websites veröffentlicht worden, der Kölner Stadtanzeiger hat kurz berichtet. Vielleicht liegt das daran, dass er von älteren Menschen getragen wird, ein Alleinstellungsmerkmal mit eigener Wucht. Denn gegen die Leichtfertigkeit, mit der heute von künftigen und sogar gewinnbaren Kriegen gegen Russland oder sonst wen in der Welt geredet wird, setzt er nicht nur politische Kritik, sondern persönliche Erfahrung.

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Rede Trinogga 08.Mai 2026

15. Mai 2026

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,

wieder einmal stehen wir hier in der Grünanlage am Hansaring und gedenken der Befreiung Europas von Faschismus und Krieg, die heute vor 81 Jahren formell militärisch abgeschlossen wurde. Wie seit vielen Jahren stehen wir hier, hören den Reden, der Musik, den Gedichten zu. Ja, wir sind in den letzten Jahren mehr geworden, Jüngere sind zu uns gestoßen und doch kennen die meisten, die heute hier stehen, sich schon vom letzten Jahr oder aus den Jahren zuvor. Ist unser Gedenken zum leeren Ritual erstarrt, möglicherweise sogar überflüssig geworden? Warum erinnern wir Jahr für Jahr immer wieder an weit zurückliegende Ereignisse, die nur eine kleine Minderheit von uns noch selbst erlebt hat?

Ich glaube, diese Fragen sind berechtigt und wir sollten sie uns immer wieder stellen, um nicht in eine politische Erstarrung zu geraten. Wir sollten sie aber nicht nur stellen, wir müssen sie auch beantworten, uns bewusst machen, warum wir Jahr für Jahr versuchen, den Feierabendverkehr auf dem Ring zu übertönen.

Wir stehen hier, weil wir der Meinung sind, dass der Jahrestag der Befreiung nicht nur und nicht einmal in erster Linie ein Gedenk- sondern ein Aktionstag ist. Wenn es stimmt, was der große französische Friedenskämpfer und Sozialist Jean Jaurés gesagt hat, dass Tradition nicht bedeutet, die Asche aufzubewahren, sondern die Glut zu erhalten,  dann stehen wir hier, um Lehren für unser Handeln aus dem Faschismus und seiner Zerschlagung zu ziehen, damit es nie wieder einen Weg zu ihm zurück gibt. Wir stehen hier, weil die Forderung der alten Antifaschistinnen und Antifaschisten, „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“, nach wie vor aktuell und leider vor allem leider nach wie vor nicht verwirklicht ist. Genauso wenig verwirklicht, wie die Forderungen des Potsdamer Abkommens der alliierten Befreier nach Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Demokratisierung und Dezentralisierung.

Nein, der Faschismus steht aktuell nicht vor der Tür, auch von einer zunehmenden Faschisierung möchte ich nicht reden, weil ich das für eine ungewollte Verharmlosung des Faschismus, der System gewordenen Entmenschlichung und Barbarei halte. Und doch haben wir viele überaus beunruhigende Erscheinungen zur Kenntnis zu nehmen:

  • den Aufstieg der AfD bei allen Wahlen der vergangenen Jahren, gegen den noch kein Mittel gefunden wurde,
  • die zunehmende Einteilung von Menschen in nützliche und nutzlose Existenzen,
  • Versuche, auch aus der Bundesregierung, das geistige Leben deutlich nach Rechts rechts zu verschieben, um eine rechte intellektuelle Hegemonie zu erreichen,
  • die Bündelung kaum noch vorstellbarer Vermögen in den Händen demokratieverachtender Unternehmer,
  • den immer schneller werdenden fortschreitenden Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten und ihre Ersetzung durch eine angestrebte Überwachung unserer elektronischen Kommunikation und
  • einen Russenhass, der geradezu hysterische Züge annimmt.

Das sind nur wenige Beispiele, aber sie sollten zu denken geben.

Bevor ich aber weiter über Antifaschismus heute rede, möchte ich einiges zur Geschichte des Ortes sagen, an dem wir hier stehen. Wir befinden uns nicht nur an einem Gedenkort, verkörpert durch den ältesten Gedenkstein für die Opfer des Faschismus in Köln, wir befinden uns unmittelbar an der Grabstätte von 7 Opfern des Faschismus. Um wen es sich genau handelt, ist unbekannt; wir wissen nur, dass es sechs Männer und eine Frau waren, die am 25. Mai 1945 hier ihre letzte Ruhestätte fanden.

Hinter mir, ihren Ihren Blicken entzogen durch die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, befand sich bis in die sechziger Jahre ein riesiges Gefängnis, in Köln allgemein Klingelpütz genannt. Ab 1933 saßen darin auch eine große Zahl von Menschen, die sich dem Faschismus nicht unterwerfen wollten, vor allem Menschen aus der kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Der Klingelpütz wurde damit zu einem zentralen Ort faschistischer Unterdrückung. Seit dem Überfall auf die westlichen Nachbarstaaten Deutschlands waren dort auch Häftlinge aus Frankreich, Belgien. Luxemburg und den Niederlanden eingekerkert. Die GeStaPo, der die Zellen im Keller des EL-DE-Hauses nicht ausreichten, bezog einen eigenen Flügel, in dem sie „Polizeihäftlinge“, also Menschen, die nicht verurteilt worden waren, gefangen hielten und quälten. Es handelte sich außerdem um die zentrale Hinrichtungsstätte der Oberlandesgerichte Köln, Düsseldorf und Hamm, eine Todesfabrik also. Die Zahl derer, die dort ihr Leben lassen mussten, ist nicht mehr zu ermitteln – es dürfte sich um viele hundert, vielleicht sogar mehr als tausend Menschen gehandelt haben.

Als die US-amerikanischen Truppen Köln immer näher rückten, wurde das Gefängnis geräumt – bis auf den Flügel mit den GeStaPo-Gefangenen. Unter ihnen brach in Folge der katastrophalen hygienischen Bedingungen und der Hungerrationen im Spätwinter 1945 eine Typhusepidemie aus, der viele zum Opfer fielen – auch sie Opfer des Faschismus. Nach der Befreiung des linksrheinischen Kölns am 6. März 1945 wurden die Befreier von Häftlingen davon unterrichtet, dass auf dem Gefängnisgelände Tote, die nach dem 22. Februar nicht mehr auf dem Westfriedhof beigesetzt wurden, verscharrt worden waren. Die ranghöchsten Nazis, die zu dieser Zeit dort inhaftiert waren, wurden am 25. Mai 1945 herangezogen, um die Toten zu exhumieren. Sie fanden die Leichen von 7 Menschen, die dann außerhalb der Gefängnismauern, an der Stelle, an der wir jetzt stehen, eine würdige Ruhestätte fanden. Nur wenig später, am 3. Juni 1945 wurde der Gedenkstein gesetzt, der sich noch heute an diesem Platz befindet. Übrigens eines der wenigen Denkmäler in Köln, die nicht verschleiernd von „Opfern des Krieges und der Gewaltherrschaft“ berichten, sondern Ross und Reiter nennen.

Bis in die sechziger Jahre befand sich hier der Gedenkort an die Naziopfer in Köln. Hierhin führten die Demonstrationen der VVN anlässlich des Volkstrauertages, hier gedachten Delegationen ehemaliger Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer aus den westlichen Nachbarländern ihrer ermordeten Kameradinnen und Kameraden. Doch nach und nach geriet dieser Ort aus dem Gedächtnis. Erst als die VVN-BdA sich dafür entschied, den Jahrestag der Befreiung wieder gut sichtbar in der Innenstadt zu begehen, geriet er wieder in den Blick. Derzeit laufen auf Anregung des Sohnes eines Naziverfolgten Gespräche darüber, ihn wieder würdig zu gestalten und vor allem deutlich erkennbar zu machen.

Liebe Anwesende,

wir gedenken des Jahrestages der Befreiung, aber wer wurde befreit und wer fühlte sich befreit? Für diejenigen, die aus politischen, rassistischen oder vielen anderen Gründen verfolgt wurden, ist das klar – für sie öffneten sich die Zuchthaus- und Lagertore, sie waren wieder frei. Auch die wenigen jüdischen Überlebenden konnten aufatmen, auch für sie war die Gefahr für Leib und Leben vorbei. Aber was war mit den „normalen Deutschen“, denen die mitgemacht oder vielleicht auch nur geschwiegen hatten. Fühlten sie sich befreit?

Wir dürfen es bezweifeln. Einen Punkt aber gab es, an dem war die Befreiung für alle greifbar und das war die Befreiung von der Geißel des Krieges. Die Bombenangriffe, die die Innenstadt weitestgehend in ein Trümmerfeld verwandelt hatten, waren vorbei, die Menschen, die die Stadt zu hunderttausenden verlassen hatten, konnten wieder zurückkehren und damit beginnen, zumindest die materiellen Trümmer zu beseitigen. Das Ende des Krieges war eine Befreiung für alle,

Doch wir können nicht vom Ende des Krieges sprechen, ohne seinen Anfang mitzudenken. Dieser Anfang begann weit vor dem 1. September 1939, sogar vor dem 30. Januar 1933. Bereits am 4. Januar 1933 hatte Hitler bei seinem bekannten Treffen mit Franz von Papen in der Villa Schröder hier am Kölner Stadtwaldgürtel, den „Männern der Wirtschaft“ zugesagt, die Stärke der Reichswehr zu verdreifachen – von 100 000 auf 300 000 Mann. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde am 16. März 1935 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, ein Jahr später, am 7. März 1936, besetzten Truppen der Wehrmacht das bis dahin entmilitarisierte Rheinland, ab dem Sommer 1936 erprobte die Wehrmachtsgeneralität ihre neuen Waffen, insbesondere die Luftwaffe, an Zivilistinnen und Zivilisten in Spanien. Vor Köln und Dresden kamen wurden Coventry und Rotterdam und vor denen wurde Guernica von deutschen Flugzeugen zerstört. Die Geschichte des Nazifaschismus war von Anfang an eine Geschichte der Kriegsvorbereitung und des krieges Krieges – und zwar in seiner barbarischsten und völkermörderischsten Form. Die Kommunistinnen und Kommunisten hatten bereits 1932 gewarnt: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“. Zu wenige Menschen hörtendarauf auf sie.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf den Beginn meines Beitrages zurückkommen: Wir erinnern an den Faschismus und seine mörderischen Folgen nicht eines leeren Rituals willen. Wir wollen aus der Geschichte lernen und dafür kämpfen, dass sie sich nicht wiederholt. Sie ist für uns Auftrag zu handeln: Gegen die angebliche Ungleichwertigkeit der Menschen, gegen Rechts in allen seinen Erscheinungsformen und gegen den Krieg. Alle drei Aspekte sind heute wieder brandaktuell. Am drohendsten aber scheint mir die derzeitige Kriegsgefahr zu sein. Laut offiziellen Aussagen der Regierungspolitikerinnen und -politiker soll Deutschland wieder zur stärksten Militärmacht in Europa werden. Das hatten wir doch schon einmal. Nein, wir hatten es bereits zweimal – und zweimal waren Millionen Toter das Ergebnis. Unsere Verpflichtung als Antifaschistinnen und Antifaschisten, als Humanistinnen und Humanisten, ist es, den Kriegsplänen und der Kriegsvorbereitung den Weg zu verlegenverlegen. Das ist übrigens auch das beste Mittel gegen Rechts, denn Faschismus und Krieg gehören zusammen wie Feuer und Rauch. Der Opfer des Faschismus zu gedenken, bedeutet heute und immer, aktiv gegen Krieg und aktiv gegen Rechts einzutreten.

Mahnmal Keupstraße jetzt!

10. Mai 2026

Am Samstag, 18. April 2026, wurde bei bestem Wetter gemeinsam mit Betroffenen des Nagelbombenanschlags auf der Keupstraße 2004 und des Paketbombenanschlags in der Platenstraße 1992 und vielen anderen Menschen aus der Kölner Stadtgesellschaft das Gebäude der ehemaligen Feuerwache an der Ecke Keupstraße/Schanzenstraße markiert, wo das Mahnmal Keupstraße entstehen soll.

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Termine

10. Mai 2026

Donnerstag, 21. Mai 2026, 19 Uhr

Gedenkveranstaltung an den Völkermord an Rom:nja und Sinti:zze. Über 500.000 Rom:nja und Sinti:zze wurden im gesamten deutschen Herrschaftsbereich, insbesondere auch auf dem Balkan, während des Nationalsozialismus ermordet. Es diskutieren Sami Dzemailovski von Carmen e.V., Kenan Emini vom Bundesromaverband e.V., Magdalena Lovrić und Ruždija Sejdović vom Rom e.V. , Kölner VHS-Forum am Neumarkt

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Neues vom rechten Rand

10. Mai 2026

Die extrem rechte Partei „Der III. Weg“ macht sich im Rechtsrheinischen breit. Vor kurzem gab diese bekannt, Flugblätter in Königswinter in Briefkästen gesteckt zu haben. Im März waren zwei Anhänger der militanten Kleinpartei – erkennbar an entsprechenden Emblemen an der Kleidung – im Büro von „Die Linke“ in Bergisch-Gladbach aufgetaucht. Zu diesem Zeitpunkt fand gerade ein Treffen des Jugendverbandes der Partei „Die Linke“ statt. Die Neonazis hatten angekündigt, beim nächsten Mal mit mehr Leuten vorbeizukommen. Die im Büro anwesenden Jugendlichen fühlten sich bedroht. Wenige Tage später prangten Hakenkreuze an der Fassade des Büros. „Die Linke“ hat deswegen mittlerweile eine Strafanzeige gegen „unbekannt“ gestellt.

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Zur Erinnerung an die militärische Besetzung des Rheinlands vor 100 Jahren

10. Mai 2026

Vulkane brechen aus, auch Epidemien, keinesfalls aber Kriege. Die sind gewollt, werden geplant und vorbereitet, es sollen durch sie Interessen durchgesetzt werden (meist wirtschaftliche).Eine solche Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs war die militärische Besetzung des Rheinlands, darunter des linksrheinischen Kölns, durch die Wehrmacht vor 90 Jahren, am 7. März 1936, genauso übrigens, wie die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ein Jahr zuvor. Der Einmarsch der Truppen, übrigens unter dem Jubel des größten Teils der Bevölkerung, geschah unter Bruch des Versailler Friedensvertrags. Von der Nazipropaganda wurde er als „Befreiung des Rheinlands“ verkauft.

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Ostermarsch Köln 2026: Gemeinsam für Frieden und gegen den Abbau sozialer und demokratischer Rechte

10. Mai 2026

Ein buntes Bild bot sich den Passant(inn)en am Ostersamstag in Köln: Mehr als tausend Menschen, darunter auffällig viele junge Leute, demonstrierten gegen die Kriegspolitik von  NATO, EU und Bundesregierung sowie den damit verbundenen Abbau sozialer und demokratischer Rechte. Auch Mitglieder unseres Verbandes aus verschiedenen Städten der Region (und natürlich aus Köln) waren dabei und zeigten (im wahrsten Sinne des Wortes) Flagge.

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08.Mai 1945 – Tag der Befreiung Europas von Faschismus und Krieg

28. April 2026

Und heute?

Die Befreiung vom Faschismus war nicht nur Befreiung von Terror, Unterdrückung und Rassenwahn, sie war nicht zuletzt eine Befreiung vom Krieg. „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ hieß das Programm der ehemaligen Häftlinge, die aus politischen, rassistischen oder anderen Gründen verfolgt und ins Exil getrieben wurden.

Vom ersten Tag an waren Eroberung und Annektion die Ziele der Nazis und ihrer Steigbügelhalter, Krieg war das Mittel dazu. Schon vor 1933 verkündete Hitler das Ziel, die Reichswehr auf 300.000 Mann zu verdreifachen und aufzurüsten. Am 16. März 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Vor 90 Jahren, am 7. März 1936, besetzten Truppen der Wehrmacht unter Bruch vertraglicher Verpflichtungen das bis dahin entmilitarisierte Rheinland und zogen auch im linksrheinischen Köln ein. Im spanischen Bürgerkrieg erprobte die deutsche Luftwaffe das Mittel des Bombenterrors.

Heute leben wir in demokratischen Verhältnissen, die wir den BefreierInnen der alliierten Truppen und den PartisanInnen in vielen Ländern Europas zu verdanken haben. Dennoch wird mit atemberaubender Geschwindigkeit auch in Deutschland der Krieg gegen Russland wieder vorbereitet – finanziell, organisatorisch, propagandistisch durch die zunehmende Einschränkung demokratischer Rechte. Junge Menschen werden wieder fürs Militär erfasst und gemustert, die Wiedereinführung der Wehrpflicht wird diskutiert und steht auf dem Plan.

Unser Gedenken an die Befreiung und die Menschen, denen sie zu verdanken ist, ist kein leeres Ritual. Gedenken hat nur dann einen Sinn, wenn es ein „Nie wieder!“ beinhaltet und sich konkret gegen Faschismus und Krieg wendet. Wir stellen deshalb den Kampf für Frieden in der Welt, in Europa und vor allem in Deutschland in den Mittelpunkt unserer diesjährigen Gedenkfeier.

8. Mai 2026, 17.30 Uhr

Mahnmal am Hansaring

Es rufen auf:

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Köln

Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln – Wolgograd e.V.

Kölner Friedensforum

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