Weder Putsch noch Ein-Mann Diktatur!

28. Juli 2016

Unsere Unterstützung gilt den Forderungen der Bevölkerung nach Demokratie, Frieden und Freiheit!

30 Juli 2016, Samstag, Um 17.00 Uhr/ Rudolfplatz

Die Türkei braucht Demokratie, Frieden und Freiheit! Dies kann weder von einer Ein-Mann-Diktatur noch von einem Militärputsch gesichert werden. Dies wäre eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera! Daher verurteilen wir den Putschversuch auf das Schärfste. Die jüngere Geschichte der Türkei hat uns gezeigt, dass ein Militärputsch nicht zur Demokratie und Freiheit führt. Es spielt keine Rolle, ob eine faschistische Diktatur in der Hand eines Einzelnen ist oder der militärischen Putschisten. Die Vorfälle in der Nacht vom 15. Juli bedingen, dass vor allem die europäischen demokratischen Kräfte die Forderung der türkischen Bevölkerung nach Frieden, Freiheit und Demokratie unterstützen müssen. Der Militärputschversuch in der Türkei hebt nicht die antidemokratische und gewaltsame Vorgehensweise von Erdogan gegen die eigene Bevölkerung auf.

Der gescheiterte Putschversuch wird, in erster Linie, nur der Regierung und ihren Unterstützern dienen. Das faschistische Regime wird nun diesen Putschversuch nutzen, um jegliche kritische Stimmen und oppositionelle Kräfte stillzulegen. So bezeichnete selbst Erdogan den Putschversuch als „Geschenk Gottes“. „Er beschleunigt die Reinigung unseres Militärs“, sagte der türkische Präsident in einer Pressekonferenz.

Wir, als DIDF, verfolgen die Ereignisse in der Türkei mit großer Skepsis und Vorsicht, denn nun wird das alles auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung ausgetragen. Die Ereignisse in der Türkei verdeutlichen die Zuspitzung der Machtkämpfe innerhalb der reaktionären Kräfte des Landes.

Wir verurteilen weiterhin die Einschränkungen der freien Medien, sowie die Meinungs- und Pressefreiheit, denn diese werden im besonderen Maße weiterhin eingeschränkt.

Aufruf deutsch.pdf

Aufruf türkisch.pdf

„COMPACT“-Konferenz in Köln

3. Juli 2016

Das Querfront-Magazin „COMPACT“ will am 29.Oktober seine 5. „Konferenz für Souveränität“ in Köln durchführen. Diese soll unter dem Motto „Für ein Europa der Vaterländer – Patrioten aller Nationen, vereinigt Euch!“ stattfinden.
Als Referenten angekündigt werden: Jürgen Elsässer, Björn Höcke von der AfD, Oskar Freysinger von der SVP, ein Vertreter der FPÖ, der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer, der britische Publizist John Laughland und Natalia Narotschnitskaya aus Rußland.
Als Referent angefragt ist auch der frühere tschechische Ministerpräsident Vaclav Klaus, unlängst noch Redner auf dem Sommerfest der „Jungen Freiheit“ in Berlin. Ebenfalls in Köln soll am 26. und 27.November der dritte „Quer-Denken-Kongreß“ stattfinden.

Die Konferenz um ihren Initiator Michael Friedrich Vogt, der seinen politischen Werdegang bei der Münchener „Burschenschaft Danubia“ begann, richtet sich gegen eine angebliche „Zerstörung der Nationen und Kulturen Europas und die Abschaffung Deutschlands“ und will „konkrete Lösungs- und Zukunftsmodelle für die Zeit nach dem Zusammenbruch“ präsentieren.
Als Referenten werden u.a. Jürgen Elsässer und die Publizisten Dr. Daniele Ganser und Gerhard Wisnewski angekündigt.

Offener Brief an die Organisator(inn)en der Birlikte-Dialogwoche Zusammenreden

geschrieben von tri

24. Mai 2016

Mit Erstaunen und Entsetzen hat die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Köln e.V. feststellen müssen, dass im Programm der “Birlikte-Dialogwoche Zusammenreden” Konrad Adam, einem der Mitbegründer und führenden Mitglieder der AfD, im Rahmen einer Diskussion Raum gegeben wird, die rassistischen Positionen seiner Partei darzustellen. Wir fordern Sie auf, die Einladung an Herrn Adam rückgängig zu machen und richten in der Sache folgenden Offenen Brief:

Offener Brief an die Organisatoren der Birlikte Dialogwoche Zusammenreden

Birlikte – Zusammenstehen gegen Rassismus und Rassisten!

Das Motto des diesjährigen Birlikte-Festivals in Köln-Mülheim „Zusammenstehen, Zusammenleben“ wurde von den OrganisatorInnen um den Zusatz „Zusammenreden“ ergänzt. Wir halten diese Erweiterung des Mottos, die auch eine inhaltliche Verbreiterung des Festivals bedeutet, für richtig, ist doch der Dialog über Gemeinsames aber auch Trennendes die Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben und gegenseitige Akzeptanz.

Aber die Bereitschaft, miteinander zu reden, die gerade auch heißt, dem Anderen zuzuhören und ihn zu respektieren, hat Grenzen. Bei einem antirassistischen Festival wie Birlikte sind das in erster Linie Grenzen nach Rechts. Birlikte darf deshalb organisierten Rassisten kein Forum für ihre menschenfeindliche Hetze liefern.

Wir verurteilen deshalb die Einladung an Konrad Adam, einen der Mitbegründer und führenden Repräsentanten der AfD, auf der Bühne des Kölner Schauspiels im Depot 1 seine Thesen zu verbreiten. Das wird auch dann nicht erträglicher, wenn Herr Adam mit Naika Foroutan, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität Berlin, diskutiert.

Das Birlikte-Festival entstand, um an den barbarischen Nagelbombenanschlag auf der Keupstraße im Jahr 2004 und die sich an ihn anschließenden haltlosen Verdächtigungen der Opfer, selbst Täter zu sein, zu erinnern. Es ist ein Fest gegen Rassismus und Ausgrenzung und gegen Rassisten und Ausgrenzer. Genau deren Partei aber ist die AfD, die auch von Konrad Adam repräsentiert wird.

Wir arbeiten seit Jahren in antirassistischen Initiativen, treten aktiv gegen Rechts und für ein friedliches Zusammenleben der Menschen mit ihren unterschiedlichen Religionen und Kulturen ein. Wir fordern Sie als die Verantwortlichen für die Birlikte-Dialogwoche und die Diskussion mit Konrad Adam, dringend auf, diese Einladung umgehend rückgängig zu machen.

Toleranz gilt nicht für rassistische Schreibtischtäter! Mit den Mitläufer(inne)n und Wähler(inne)n rechter und rassistischer Parteien kann und muss man reden – mit Propagandisten der Menschenfeindlichkeit und der Ausgrenzung kann es keinen Dialog geben.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Köln e.V.

Peter Trinogga (im Namen des Vorstands)
VVN-BdA Köln e.V.

Lesung – Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, nie wieder brennende Bücher

geschrieben von AK Zivilklausel

22. Mai 2016

Lieber Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

der Arbeitskreis Zivilklausel lädt alle herzliche ein zur vierten Lesung “Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, nie wieder brennende Bücher”.

Sie findet am Dienstag, dem 24. Mai 2016 von 11 bis 17 Uhr auf dem Albertus-Magnus-Platz statt.

Gelesen wir aus den Werken der Autoren, deren Bücher 1933 verbrannt wurden. Alle können sich beteiligen am gemeinsamen zuhören, lesen, lernen, lachen und eingreifen gegen rechts und für eine kritische und solidarische Kultur des Friedens.

Es wird u.a Beiträge von Kutlu Yurtseven von Microphone Mafia (zwischen 11:30 und 12:00) Pfarrer Hans Mörtter und Rolly Brings (zwischen 15 Uhr 30 und 16 Uhr) geben.

AK Zivilklausel

Aufruf.pdf

8. Mai 2016: Auf den Spuren der Naziopfer – Antifaschistische Stadtrundfahrt durch das rechtsrheinische Köln

17. April 2016

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8. Mai 2016 Antifaschistische Stadtrundfahrt durch das rechtsrheinische Köln

Am 6. März wurde das linksrheinische Köln durch US-Truppen von der Naziherrschaft befreit. Erst Wochen später, im April, war der Krieg auch für die Menschen im rechtsrheinischen Stadtgebiet zu Ende und am 8. Mai vor nunmehr 71 Jahren war der Faschismus an der Macht in Deutschland Geschichte. Doch bevor es so weit war, dass die Barbarei ein Ende hatte, versuchten die braunen Machthaber und ihre Handlanger noch, möglichst viele ihrer Gegner zu beseitigen – die Zahl der sogenannten Kriegsendphasenverbrechen ist groß.

Am 8. Mai 2016 wollen wir, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten und der Verein EL-DE-Haus e.V., durch eine Stadtführung auf den Spuren der Naziopfer im rechtsrheinischen Köln des Jahrestages der Befreiung vom Faschismus und des Endes des 2. Weltkrieges gedenken. Wir werden neben dem Gremberger Wäldchen, dem Ort eines Verbrechens an zahlreichen Zwangsarbeiter(inne)n aus der Sowjetunion, den ehemaligen Schießplatz in Dünnwald besuchen, auf dem zahlreiche Deserteure der Wehrmacht ermordet wurden sowie den alten jüdischen Friedhof in Mülheim (Männer benötigen eine Kopfbedeckung), bevor unsere Fahrt nach ca. 3 Stunden am Mahnmal für die Deserteure am EL-DEHaus endet.
Der Weg führt zum Teil zu Fuß durch den Wald, daher ist festes Schuhwerk empfehlenswert.

Wir laden dazu nicht nur die Mitglieder der beiden Organisationen ein, sondern alle interessierten Menschen.
Die Stadtrundfahrt beginnt am 8. Mai 2016 um 13.00 Uhr am EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25 und endet gegen 16.00 Uhr am gleichen Ort.
Die Teilnahmegebühr beträgt 10,00 Euro, ermäßigt 7,00 Euro.

Wir bitten, sich verbindlich über unser Kontaktformular anzumelden.

Flyer Stadtrundfahrt

»Das werde ich nie vergessen…« Tamar und Harry Dreifuss über Erinnerung und Zeitzeugenschaft

geschrieben von www.jawne.de

22. März 2016

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10. April um 16.00
im Lern- und Gedenkort Jawne

Tamar und Harry Dreifuss sind Zeitzeugen und Überlebende des Holocaust. Zwischen 1935 und 1948 kamen beide auf unterschiedlichen Wegen nach Israel und zogen später gemeinsam nach Deutschland. In einem moderierten Gespräch werden Tamar und Harry Dreifuss über ihre Leben zwischen Europa und Israel sprechen. Harry Dreifuss wird zudem einen Kurzfilm zeigen, den er 1962 über seine Remigration nach Deutschland gemacht hat. Teil der Veranstaltung ist eine Ausstellung mit Fotos aus dem Privatarchiv von Tamar und Harry Dreifuss und Zeichnungen verschiedener Künstlerinnen und Künstler.

Video-Interview mit Karla Yaron

geschrieben von www.jawne.de

22. März 2016

Donnerstag 24. MÄRZ 2016 19 UHR

Karla Yaron (geb. Rath) kam am 08. Juli 1925 als Kind einer jüdisch-liberalen Familie in Düsseldorf zur Welt.
Nach der Pogromnacht 1938 verließ Karla ihre Schule in Düsseldorf und wechselte an das jüdische Gymnasium Jawne in Köln. Durch die Initiative ihres Schuldirektors Erich Klibansky konnte sie im Sommer des Jahres 1939 mit einem der sogenannten Kindertransporte Deutschland verlassen und so der Deportation und Ermordung durch die Nazis entkommen.
Die Kriegsjahre und die nachfolgende Zeit verbrachte Karla in England. Dort fand sie Kontakt zur religiös-zionistischen Jugendbewegung Bachad und nahm an einem Vorbereitungsprogramm (Hachschara) für ein landwirtschaftliches und kollektives Leben in Palästina bzw. Israel teil. In diesem Zusammenhang lernte sie auch ihren späteren Mann Zvi kennen, mit dem sie 1950 nach Israel ging. Dort lebte und arbeitete sie einige Jahre im Kibbuz Lavi, später in Jerusalem und wurde Mutter von zwei Kindern. Karlas Mutter, Paula Bernhard-Rath, wurde im November 1941 von Düsseldorf nach Minsk deportiert und dort ermordet.
Die Umstände ihrer Rettung, der Kindertransport und die Zeit in England haben Karlas Leben entscheidend geprägt. Die Erinnerung an ihre Rettung durch Erich Klibansky war ihr immer ein wichtiges Anliegen, und auch mit ihren Freundinnen aus der Zeit der Kindertransporte pflegt sie bis heute einen wöchentlichen und intensiven Kontakt.
Im Interview berichtet sie jedoch nicht nur über ihre Familie, Kindheit, Schulzeit und die Rettung nach England, sondern auch über ihren Alltag in einem Jerusalemer Altersheim, in dem sie sehr gerne zuhause ist, über ihr soziales Engagement bzw. ihren Wunsch “etwas an das Leben zurück zu geben”, ihr selbstverständliches Verhältnis zur jüdischen Religion und die Wichtigkeit der Weitergabe von Erinnerung und Geschichte an Kinder, Enkel und zukünftige Generationen.
Karla erzählt sehr persönlich und detailreich und wir danken ihr für ihr Vertrauen und das wertvolle Interview sehr!

Die Projektion dauert etwa 75 Minuten und wird kommentiert von Wolfgang Richter.

Gedenkstunde anlässlich des 71. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz

24. Februar 2016

27. Januar 2016. In der Kölner Antoniterkirche ist kein Platz mehr frei. Musiker und Schauspieler bieten eine packende szenische Darstellung zum Thema „Kölner Schulen in der NS-Zeit“.

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Von Anfang an geht es um die Abwehr der Ideen von Demokratie, Pazifismus, Emanzipation und Liberalismus. Gleich 1933 werden alle „Freien Schulen“ geschlossen, Lehrer diszipliniert und durch den NS-Lehrerbund gleichgeschaltet. Das „Gesetz für die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 bietet die Handhabe: „§ 3 Beamte, die nichtarischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen. § 4 Beamte, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, können aus dem Dienst entlassen werden.“
Jeden Montag kommen die Lehrer und Lehrerinnen in der Messehalle zusammen, um ihre Einführung in die Grundlagen der Ideologie des NS-Staates zu erhalten. Geländesport, Rassenkunde, Vererbungslehre und Heimatkunde sind die Inhalte mehrtägiger Zwangsveranstaltungen, sogenannter nationalpolitischer Lager. Wer nicht teilnimmt, wird gemeldet.
„Der völkische Staat hat seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Die gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit des völkischen Staates muss ihre Krönung darin finden, dass sie den Rassesinn und das Rassegefühl instinkt- und verstandesmäßig in Herz und Gehirn der ihr anvertrauten Jugend hinein brennt.“ „Eine gewalttätige, herrische unerschrockene, grausame Jugend will ich.“ (aus: Hitler, Mein Kampf)

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- Oberstudiendirektor Dr. Albert Maier vom Schiller-Gymnasium war Mitglied der Zentrumspartei gewesen. Seine Frau ist jüdischer Abstammung. Er wird seines Amtes enthoben.
- Die junge Religionslehrerin Ina Gschlössl wird entlassen. Das SPD-Mitglied hatte Texte für die Gleichberechtigung von Theologinnen verfasst und bereits 1932 in einem Aufsatz auf die von einer NS-Regierung drohenden Gefahren der Judenverfolgung aufmerksam gemacht.
- Dr. August Altmeyer, seit 1929 Oberstudiendirektor des Apostelgymnasiums, zeigte Mangel an „gleichgeschalteten Gefühlen“, wie es in einem Bericht heißt. Der Geist Hitlers verlange gebieterisch die Entfernung des Leiters des Apostelgymnasiums aus jeder führenden Stellung. Dr. Altmeyer beteuert vergeblich seine Loyalität, er wird degradiert und schließlich zwangspensioniert.

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Dr. Heinrich Deckelmann, zuvor Leiter des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums, wird neuer Direktor der Schule. Er hatte sich als Werber für die Hitlerjugend ausgezeichnet.
Im Jahr 1985, zur Vorbereitung des 125. Schuljubiläums erhielten drei Lehrer Otto Geudtner, Hans Hengsbach und Sybille Westerkamp, den Auftrag, sich mit der NS-Geschichte des Apostelgymnasiums zu beschäftigen. Es genoss den Ruf, als katholische Hochburg in der Nazizeit dem Humanismus verpflichtet geblieben zu sein und der braunen Gesinnung getrotzt zu haben. Die Recherche ergab indes: Von Widerstand keine Spur, dagegen früheste Anpassung an den Trend der Zeit. Die Festschrift zum 75. Jubiläum 1935 atmete den Nazi-Geist und verkündete vorauseilend: „Das APG ist judenfrei.“ Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit mussten die drei Kollegen privat publizieren. Ihr Buch „Ich bin katholisch getauft und Arier“ von 1985, konnte zwar pünktlich zum Jubiläum erscheinen.
Aber das offizielle Gremium des Festausschusses untersagte dem Buchhändler, das Buch in der Schule zu präsentieren und zu verkaufen. Die Schulbehörde wirft den Dreien „Störung des Schulfriedens“ vor. Sie müssen diesem beamtenrechlich relevanten Vorwurf juristisch entgegentreten. Mobbing veranlasst sie schließlich, sich an andere Schulen versetzen zu lassen. Erst 2010 zieht eine Festschrift der Schule kleinlaut das neue Fazit: „..lassen die spärlichen Quellen doch den Schluss zu, dass diese Schule kein Ort des kollektiven oder gar organisierten Widerstands war.“

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Die neuen Lehrpläne in den Schulen ordnen vor allem die Fächer Deutsch, Geschichte, Biologie sowie Sport der nationalsozialistischen Ideologie unter. Geschichte gilt an allen Schulformen als Gesinnungsfach. Deutschund Geschichtslehrer müssen ein über das Übliche hinausgehendes Treuebekenntnis zum Staat ablegen. Geschichtsunterricht vermittelt fortan die Geschichte als Rassenkampf. Der Kampf um das Dasein, also die Durchsetzung vermeintlich hochwertiger und die Knechtung oder gar Ausrottung vermeintlich minderwertiger „Rassen“ bilden den neuen Fokus. Eine besondere Aufwertung erfährt auch das Fach Leibeserziehung, indem die Wochenstundenzahl von zwei auf fünf erhöht wird. Fremdsprachen, Mathematik, Physik, und Chemie verlieren an Gewicht.
Neu eingeführt wird das Fach Rassenkunde. Es wird fächerübergreifend unterrichtet. Höhere Schulen für Jungen streichen ausdrücklich die 12. und 13. Klassen, damit 1939, zu Kriegsbeginn, zwei Offiziersjahrgänge zur Verfügung stehen. Nach dem Dienst in der HJ folgen in der Regel für Jungen Arbeitsdienst und Wehrmacht. Mädchen und Frauen werden massiv aus dem akademischen Leben verdrängt. Nur noch 10 Prozent von ihnen können die Hochschulreife erlangen. Denn junge Frauen sollen auf ihre Aufgaben als Mütter vorbereitet werden. „Damit“, so der Westdeutsche Beobachter, soll „das unberechtigte Eindringen der Mädchen in alle Berufe unterbunden werden.“

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Zuletzt geht es um das Schicksal des Reformrealgymnasiums Jawne, die erste und einzige jüdische höhere Schule im Rheinland. Sie bestand seit 1919. Ende der 1920er Jahre besuchen über 400 Jungen und Mädchen die private Einrichtung. Durch die Verdrängung und den Ausschluss aus den öffentlichen Schulen kommen ab 1933 immer mehr Schüler und Schülerinnen hinzu, auch aus Orten außerhalb Kölns.
So wechselt auch Karla Bernhard-Rath, Jahrgang 1925, an die Jawne. Nach der Reichspogromnacht sinkt die Schülerzahl infolge der zunehmenden verzweifelten Flucht- und Auswanderungsbemühungen stetig. Der Schuldirektor Erich Klibansky hat lange vor den Pogromen die Übersiedlung der Schule nach England geplant. Intensiver Fremdsprachenunterricht bereitet auf die Auswanderung vor. In einigen Klassen können Schüler und Schülerinnen das Cambridge School Certificate erlangen, das eine Anerkennung zum Schulbesuch auf weiterführenden britischen Schulen beinhaltet. Hebräisch wird mit dem Ziel unterrichtet, die Einwanderung nach Palästina zu erleichtern, aber anders als an den gleichgeschalteten Nazischulen hat auch Latein ein großes Gewicht im Lehrplan.
Im Januar 1939 gelangen die ersten Schüler nach London. Karla Bernhard-Rath, die heute Karla Yaron heißt, ist bei einem Transport ihrer Mädchenklasse dabei:
„Bis zur Kristallnacht wollten meine Eltern nicht an Auswanderung denken, weil sie immer gedacht haben, dass sie sich im Ausland nicht ernähren könnten, nicht arbeiten könnten. Dann haben sie doch gesehen, dass man so schnell aus Deutschland rausgehen sollte wie möglich. Eines Tages, im Juni 1939, haben wir uns alle am Bahnhof in Köln getroffen. Dort wartete ein Zug. Die Eltern standen am Bahnsteig und ich erinnere mich, dass wir ihnen gewunken haben aus dem Fenster. Für mich war es damals ein Abenteuer. Ein junges Mädchen, das von zu Hause wegging. Wir wussten, dass wir uns bald wiedertreffen. So haben wir gedacht und so haben wir uns verabschiedet.“
Dr. Klibansky gelingt es, 130 Schülerinnen und Schüler der Jawne nach England zu bringen und so vor weiterer Verfolgung, Deportation und Ermordung durch die Nazis zu schützen. Die meisten der geretteten Jugendlichen sehen aber – wie Karla Yaron – ihre Eltern nicht wieder. Auch Erich Klibansky kann sich, seine Ehefrau sowie die drei Söhne nicht retten. Gemeinsam werden sie am 20. Juli 1942 mit Güterzug von Köln-Deutz mit 1160 anderen Männern, Frauen und Kindern nach Weißrussland deportiert und vier Tage später in der Nähe von Minsk auf einem Waldgelände von einem SS-Kommando in eigens dafür vorbereiteten Gruben erschossen. Insgesamt sind es über 1.100 Kölner jüdische Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren, die deportiert und ermordet werden.

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Am 27. September 1944 schließen kriegsbedingt alle Schulen in Köln. 14 Monate später, im November 1945, ist offizieller Wiederbeginn des Unterrichts, von den rund 279 Lehrern werden 42 Prozent als politisch unbelastet eingestuft. Im Jahre 1947 beträgt die Anzahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder vier.
Den Text dieser szenischen Montage hat eine Redaktionsgruppe erarbeitet. Vorgetragen wurde er von den SchauspielerInnen Maria Ammann, Renate Fuhrmann, Marc-Andree Bartelt und Josef Tratnik, unterbrochen von Markus Reinhardts Violine und von Rap der Microphone Mafia mit Esther Bejarano. Getragen wird diese Gedenkstunde, die seit vielen Jahren stattfindet, von einer großen Anzahl Kölner Initiativen, Parteien und anderen Organisationen.
Anschließend an die Veranstaltung begeisterten die Microphone Mafia mit Kutlu Yurtseven & Esther und Joram Bejarano mit einem Konzert das Publikum. Die gotischen Fundamente der Antoniterkirche hielten es aus.

Klaus Stein

Wir sind hier, weil ihr bei uns seid“- Über den Zusammenhang von Flucht, Krieg und Armut

24. Februar 2016

Willkommen oder nicht geht es nach dem Verursacherprinzip, haben Flüchtlinge aus den von Krieg und Armut ruinierten Ländern allen Grund, hier zu sein. Wer und was genau verursacht die Fluchtgründe der Menschen, die zu uns kommen? Wer schickt Soldaten? Wer liefert die Waffen? Zu wessen Gunsten und zu wessen Lasten werden Wirtschafts- und Handelsverträge abgeschlossen? Wie gehen die Politik, die Justiz und die öffentliche Meinung mit der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit, mit Übergriffen auf Flüchtlinge und Anschlägen auf deren Unterkünfte um? Wird die Flüchtlingspolitik auf dem Rücken des benachteiligten und armen Teils der deutschen Bevölkerung gemacht?

Diese Fragen wollen wir diskutieren am:>br>

1.März 2016, 18 Uhr im DGB-Haus (Großer Saal), Hans-Böckler-Platz 1

Auf dem Podium:
Prof. Dr. Christoph Butterwegge (Universität zu Köln, Forschungsschwerpunkte Armut, Rechtsradikalismus)
Claudia Haydt (Soziologin, Informationsstelle Militarisierung, Tübingen)
Dr. Witich Rossmann (1. Bevollmächtigter IG Metall Köln-Leverkusen)
Moderation: Anne Schulz, Redakteurin

Eine Veranstaltung von:
AK Zivilklausel der Universität Köln, Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Köln, Friedensbildungswerk Köln, Kölner Friedensforum, Pax Christi Gruppe Köln, ver.di Bezirk Köln, , ver.di Arbeitskreis Antifaschismus-Antidiskriminierung, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Köln (VVN-BdA

Verantwortlich: Peter Trinogga (VVN-BdA), Venloer Straße 440, 50825 Köln

Alles aufgeklärt? 15 Jahre nach dem NSU-Anschlag in der Probsteigasse

14. Februar 2016

16. Februar, 19 Uhr, Alte Feuerwache

Der rassistisch motivierte Bombenanschlag des NSU in der Kölner Probsteigasse hat sich im Januar zum 15. Mal gejährt. Bei der Explosion einer Sprengfalle am 19. Januar 2001 wurde die damals 19-jährige Tochter eines Lebensmittelhändlers schwer verletzt – sie überlebte nur durch einen glücklichen Zufall.

Jahre nach der Selbstenttarnung – immer noch offene Fragen

Mehr als vier Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU sind auch heute immer noch viele Fragen offen, obwohl – oder gerade weil – immer mehr skandalöse Einzelheiten ans Licht kommen. Auch wenn Beate Zschäpe in ihrer „Aussage“ vor Gericht zu wissen behauptet, dass Uwe Böhnhardt den Sprengsatz in dem Laden platzierte, besteht dennoch keine Ähnlichkeit zu dem Phantombild. Eine Ähnlichkeit besteht hingegen mit einem Kölner Neonazi, der 1989 bis Anfang 2015 für den Verfassungsschutz NRW gearbeitet hat. Obwohl dieser bereits 1987 wegen eines Sprengstoffdeliktes verurteilt worden war, fiel es dem Verfassungsschutz nach dem Anschlag nicht ein, eine mögliche Verbindung zu prüfen oder die Polizei zu informieren. Zufall?
Der NRW-Untersuchungsausschuss, die Nebenklage in München und kritische Journalist_innen haben weitere Ungereimtheiten ans Licht gebracht, die auf staatliche Verstrickung mit dem NSU hinweisen. Damit die Aufklärung jedoch weitergeht, braucht es nach wie vor gesellschaftlichen Druck.

Rechter Terror damals – rechter Terror heute

Bis zur Selbstenttarnung des NSU wurde dem Anschlag kein rassistisches Tatmotiv zugeordnet – rechter Terror wurde von den Behörden ausgeschlossen. Auch heute, wo täglich rassistische Übergriffe auf Geflüchtete stattfinden und rechte Gewalt ständig weiter steigt, wird rechter Terror selten als solcher benannt und verfolgt. Stattdessen werden rassistische Taten weiterhin von den Behörden entpolitisiert, kaum konsequent ermittelt und häufig heruntergespielt. Dies ist ein Beispiel dafür, dass die Auseinandersetzung mit staatlichem und gesellschaftlichem Rassismus nach wie vor aktuell und wichtig ist.

Gemeinsam mit der Anwältin der Familie aus der Probsteigasse, einer Vertreterin von nsu-watch und einer Betroffenen aus der Keupstraße wollen wir nun über neue Erkenntnisse im Untersuchungsausschuss sprechen und die Entwicklungen im NSU-Prozess beleuchten und diskutieren. Wir wollen aber auch einen Bogen schlagen vom NSU zu der aktuellen Situation und überlegen, was wir aus der bisherigen „Aufarbeitung“ mitnehmen können, insbesondere was die Perspektive der von Rassismus Betroffenen angeht.

Antirassistische Intervention ist und bleibt notwendig – Erinnern heißt handeln!

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