Mahnwache zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 und die aus Bergisch-Gladbach in die Vernichtungslager verschleppten jüdischen Menschen

25. November 2017

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Trotz Sessionseröffnung und katastrophalem Wetter fand am Samstag, dem 11.11. in Bergisch-Gladbach wie schon seit vielen Jahren eine Mahnwache zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 und die aus Bergisch-Gladbach in die Vernichtungslager verschleppten jüdischen Menschen statt. Wir dokumentieren die Reden von Walborg Schröder, der Initiatorin der Aktion, und von Jochen Vogler, stellvertretender Vorsitzender der VVN-BdA Nordrhein-Westfalen:


Foto:Klaus Müller

Eröffnung und Begrüßung: Walborg Schröder, VVN-BdA

„Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrter stellv. Bürgermeister Josef Willnecker,
liebe Rednerin und liebe Redner,

wir haben uns anlässlich der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 in der Nähe der geschichtsträchtigen Gedenktafel zu einer Mahnwache mitbedrückendem Gegenwartsbezug zusammengefunden. Sie wird organisiert von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und dem DGB-Netzwerk Rhein-Berg. Wir gedenken hier der Opfer des Holocaust und aller Opfer des NS-Regimes und werden sie niemals vergessen. Der Kirchengemeinde St. Josef danken wir, dass wir hier auf ihrem Gelände unsere Gedenkstunde durchführen können.

Wir begrüßen herzlich Herrn Josef Willnecker, unseren stellvertretenden Bürgmeister, der ein Grußwort der Stadt überbringen wird, sowie Herrn Saim Basyigit vom Integrationsrat Die weieren Redner und eine Rednerin heißen wir herzlich willkommen. Es sind Jochen Vogler, der NRW-Landessprecher der VVN-BdA, Patrick Graf von „Bergisch Gladbach gegen Hass“. Wir grüßen von deser Stelle Reimund Smollen, der im Krankenhaus liegt. Gute Besserung, Reimund! Seine Rede hatte er schon fertig. Sie wird verlesen von Jörg Mährle, Sekretär des DGB-Bezirks Köln-Bonn. Und last not least spricht die Studentin Janina Hollmann, ehemals SV der IGP.

Mit Empörung und Entsetzen erinnern wir uns an die Gräueltaten im nahegelegenen ehemaligen Stella-Werk, einem „wilden KZ der Nazis, in dem Gladbacher Bürger – Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten und Christen – geschlagen, gefoltert, gequält und danach in Konzentrationslager gebracht wurden. Zahlreiche regionale Publikationen und acht Stolpersteine erinnern an sie und ihren mutigen Kampf gegen die Nazis. Unser Motto der Mahnwache „Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“ ist heute aktueller denn je und hat einen bedrückenden Gegenwartsbezug. Wir müssen erinnern, aber auch mahnen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Denken. Handeln. Neonazis und Rassisten wirksam entgegentreten. Dazu ist jede, jeder aufgefordert. Auf dem Weg in den verheerenden Zweiten Weltkrieg und den Holocaust ist der 9. November 1938 ein besonders grauenvolles Ereignis und muss in unserer Erinnerung wach gehalten werden.


Foto: Klaus Müller

Krieg, Hunger, Bombennächte und Judenverfolgung hat meine Generation die Kriegskinder – am eigenen Leib erlebt. Viele Fragen stellte ich der Mutter, wenn plötzlich Nachbarn verschwunden waren. Viele waren im Krieg gefallen, andere im KZ ermordet. Fragen tauchten auf, wenn ich als11-jährige Oberschülerin in der Kreisstadt auf Menschen mit einem gelben Abzeichen traf. Sie mussten vom Bürgersteig auf die Straße ausweichen, wenn ihnen Leute entgegen kamen. Meine Mutter erzählte mir dann: Das waren Juden, sie mussten einen gelben Stern, den Judenstern, tragen und vor den sogenannten Ariern vom Bürgersteig auf die Straße ausweichen. Menschenverachtung pur. Mein Vater war als Lehrer und SPD-Mitglied unter das Berufsverbot der Nazis gefallen. Er kam in Schutzhaft und wurde gleich zu Kriegsbeginn in die Wehrmacht eingezogen. Das alles hat mich geprägt. Die schrecklichen Kriegserlebnisse verfolgen mich bis heute. Deshalb schreibe und spreche ich darüber, z.B. viele Jahre lang mit Schülern der IGP anlässlich des Auschwitzgedenktages am 23. Januar.

Es ist wichtig, sich zu erinnern, aber auch zu mahnen, damit sich Geschichte nicht wiederholt, sich für Frieden und Verständigung mit anderen Völkern, besonders auch mit Russland, zu engagieren. Bald ist unsere Generation, die den Krieg aus eigenem Erleben kennt, nicht mehr da. Und das Wissen darüber gibt es nur aus Büchern und Filmen. Besonders heute gilt es, wieder wachsam zu sein. Ich mache mir als Zeitzeugin der Nazidiktatur ernsthafte Sorgen über die aktuelle politische Entwicklung, wenn ich die Hasspropaganda der AfD, der Neonazis und der Rechtsradikalen höre. Es darf nie wieder Krieg und Faschismus geben!

Erlauben Sie mir bitte noch eine kurze persönliche Erklärung. Ich bin jetzt seit 26 Jahren aktiv an der Gestaltung der Mahnwache beteiligt. Heute, wie bereits viele Jahre vorher, nehmen Vertreter der jungen Generation teil und Dario Schramm hat für die SV der IGP fürs nächste Jahr schon ihre Mitwirkung an der Mahnwache bekundet. Die Jugend ist unsere Hoffnung. Sie wird die Erinnerung an die Vergangenheit wach halten und eine friedliche Zukunft gestalten. Das gibt mir und der älteren Generation die Zuversicht auf eine Welt in Frieden.“

 

Rede Jochen Vogler

„Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zu dieser Gedenkveranstaltung.
Es bleibt wichtig und notwendig, von den sehr unterschiedlichen Ereignissen und Wendepunkten, die in der Geschichte des 20. Jahrhunderts mit dem Datum 9. November in Deutschland verbunden sind, den 9. November 1938 niemals zu vergessen.
Der 9. November 1938 ist Ausdruck eines furchtbaren Zivilisationsbruchs, dessen schreckliche Fortsetzung als Programm „Endlösung der Judenfrage“ uns allen bekannt ist.
Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Dieses Zitat von Primo Levi bleibt gültig – – das beweist uns auch ein Blick in unsere Gegenwart.
Ich bin dankbar für einen Text, den ich zur Vorbereitung für diesen Beitrag erhielt.
Es ist ein zeitgenössischer Text von 1938.

Getreu den stolzen Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung
erheben wir unsere Stimme gegen die Judenpogrome Hitlers, die
vor der gesamten Menschheit die Ehre Deutschlands mit tiefster
Schmach bedeckt haben.
Es ist eine elende Lüge, dass die Pogrome ein Ausbruch des
Volkszornes gewesen seien. Sie wurden von langer Hand
vorbereitet und organisiert von den nationalsozialistischen Führern.
Sie sollten in Wirklichkeit dazu dienen, den wachsenden Volkszorn
gegen die nationalsozialistische Diktatur, gegen die wahnwitzige
Ausplünderung des Volkes zugunsten der Rüstungsmillionäre und
der korrupten Nazibonzen abzulenken auf Unschuldige, mit dem
Ruf „Der Jude ist schuld!“
Immer in der Vergangenheit hat die Reaktion sich der schmutzigen
Mittel der Judenhetze und der Pogrome bedient zum Zwecke der
Ablenkung von den wahren Schuldigen am Elend
Wir wenden uns an alle Kommunisten,
Sozialisten, Demokraten, Katholiken und Protestanten, an alle
anständigen und ehrbewussten Deutschen mit dem Appell: Helft
unseren gequälten jüdischen Mitbürgern mit allen Mitteln! Isoliert
mit einem Wall der eisigen Verachtung das Pogromistengesindel!
Klärt die Rückständigen und Irregeführten, besonders die
missbrauchten Jugendlichen, die zur Bestialität erzogen werden
sollen, über den wahren Sinn der Judenhetze auf!
Die deutsche Arbeiterklasse steht an erster Stelle im Kampf gegen
die Judenverfolgungen. Gegen die mittelalterliche barbarische
Rasssenhetze bekennt sie sich mit allen aufrechten Deutschen zum
Worte Johann Gottlieb Fichtes von der „Gleichheit alles dessen,
was Menschenantlitz trägt“.
Die Befreiung Deutschlands von der Schande der Judenpogrome
wird zusammenfallen mit der Stunde der Befreiung von der braunen
Tyrannei. Deshalb müssen alle, die das Regiment der
Unterdrückung ablehnen und es beseitigen wollen, ihren festen
Zusammenhalt schaffen. Solidarität im Mitgefühl und in der Hilfe für
die jüdischen Volksgenossen, Solidarität mit den gehetzten
Kommunisten und Sozialisten, Solidarität mit den bedrohten
Katholiken, Solidarität aller untereinander im täglichen Kampf zur
Unterhöhlung und zum Sturz des Naziregimes – das ist es, was die
Stunde von allen freiheitsliebenden Deutschen verlangt!

Dieser Appell der KPD erschien in der Sonderausgabe Nr. 7 von 1938 der Roten Fahne .

Dieser Text beweist, daß die brutale menschenverachtende Nazipropaganda nicht jeden in ihrem Sinne zu erfassen vermochte.
Er beweist leider aber auch, daß es fast unmöglich war, mit diesem Appell zum Alltagsbewußtsein der Bevölkerung durchdringen zu können.
In dieser Zeit müssen wir erleben: Die Auflösung der Tabugrenzen des Sagbaren passiert schleichend und wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß mit medialer Unterstützung diese Methode schon erfolgreich im Alltagsbewußtsein in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Mediale Aufmerksamkeit bleibt dagegen dezent, wenn das antifaschistische Selbstverständnis angegriffen wird.
Durch die Klage unserer Kameradin Silvia Gingold gegen den Landesverfassungsschutz Hessen auf Löschung ihrer Daten und Einstellung ihrer Beobachtung durch dieses Amt wurde bekannt, daß der Schwur von Buchenwald für den Verfassungsschutz ein Beleg ist, der gegen die freiheitliche dempokratgische Grundordnung gerichtet sei. Das Gericht erkannte die Rechtmäßigkeit der weiteren Beobachtung von Silvia an u. a. Mit der Begründung, daß sie bei Veranstaltungen der VVN/BdA mitwirke, die auch wegen ihrer Berufung auf den Schwur von Buchenwald weiterhin als linksextremistische Organisation berechtigterweise vom Verfassungsschutz zu beobachten sei.
Dies ist in mehrfacher Hinsicht ein Skandal.
Die Behörde, deren Verstrickung mit den Morden des sogenannten NSU notorisch ist, hat das Recht zu bestimmen, was verfassungskonform ist und was als linksextremistisch kriminalisiert werden darf.

Fast schon vergessen ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Beginn dieses Jahres. Wegen ihrer politischen „Bedeutungslosigkeit“ kann die NPD weiterhin legal wirken.
Auch wenn bei der NPD programmatisch eine deutliche Nähe zur NSDAP nachweisbar sei, gebe es derzeit wegen ihrer politischen Bedeutungslosigkeit keine Verbotsgrund.
Die Richter kennen den Artikel 139 des Grundgesetzes…
Auch dieses Urteil ist ein Beitrag zur Auflösung der Tabugrenzen des Sagbaren. – Wir kennen die Wahlergebnisse der AfD.

Hieß es lange Zeit: Wehret den Anfängen –
heute muß es schon heißen: wehret den Zuständen!

Noch können wir es.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“

Foto: Klaus Müller

Weitere Fotos der Veranstaltung von Klaus Müller sind hier zu finden.

Einladung zu einem Schweigemarsch mit anschließender Gedenkveranstaltung

5. November 2017

Einladung zu einem Schweigemarsch mit anschließender Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogromnacht vom 9. November 1938, der Ermordung der elf Zwangsarbeiter am 25. Oktober 1944 und der Ehrenfelder Edelweißpiraten und anderer Widerstandskämpfer am 10. November 1944.

Am 10. November 2017 jährt sich zum 73. Mal der Tag, an dem in der ehemaligen Hüttenstraße, jetzt Bartholomäus-Schink-Straße, 13 Menschen, unter ihnen auch Edelweißpiraten, ohne Gerichtsurteil öffentlich vor Hunderten von Zuschauern durch den Strang exekutiert wurden. Vorher, am 25. Oktober 1944, ermordete die Gestapo am selben Ort 11 Zwangsarbeiter, deren Tod nicht vergessen werden darf. Wir möchten Sie daher zu einem Schweigemarsch mit anschließender Gedenkveranstaltung für

Freitag, 10. November 2017 18 Uhr:
Treffpunkt Körnerstraße in Ehrenfeld, wo früher die Synagoge stand, die in der Pogromnacht vor 79 Jahren geschändet wurde,
recht herzlich einladen.
Beginn der Gedenkveranstaltung vor dem Mahnmal
Bartholomäus-Schink-Straße / Venloer Straße: ca. 19 Uhr

Josef Wirges
Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Ehrenfeld der Stadt Köln
Rolly & Benjamin Brings & Gäste

Flyer

„Feuer aus den Kesseln“

27. Oktober 2017

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Zur Aktualität des Kampfes gegen den Krieg – Lesung aus Ernst Tollers Stück mit anschließender Podiumsdiskussion

Sonntag, 5. November 2017, 17:00 Schauspielhaus,

Außenspielstätte Offenbachplatz, Köln Innenstadt

Auf Grundlage der Tagebücher von Hans Becker, einem der Wortführer an dem Matrosenaufstand 1917 auf den Kriegsschiffen SMS Prinzregent Luitpold sowie SMS Friedrich der Große, beschreibt Ernst Toller in seinem expressionistischen Drama „Feuer aus den Kesseln“ 1930 die Gründe für die Entstehung dieser Aufstände. Es lesen Schauspieler*innen des Ensembles des Kölner Schauspielhauses.

In der Podiumsdiskussion diskutieren Sarah van Dawen-Agreiter (SJD/Die Falken), Benno Malte Fuchs (Bundesverband Soziale Verteidigung) und Beate Heine (Chefdramaturgin Schauspiel Köln) über die Aktualität zum Einsatz für den Frieden und gegen Krieg.

Die Moderation dieser Veranstaltung hat Hanna Parnow vom Friedensbildungswerk Köln.

Eine Zusammenarbeit vom Schauspielhaus Köln mit der SJD / Die Falken Gruppe Robert Blum, dem DGB Köln/Bonn und dem Friedensbildungswerk.

 

Die Teilnahme ist kostenlos

Flyer: Feuer aus den Kesseln

 

Wie halten wir den Aufstieg der Rechten auf? – Eine Diskussion mit Gerd Wiegel

11. Oktober 2017

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Donnerstag, 26. Oktober 2017, 18.00 Uhr
DGB-Haus, Hans-Böckler-Platz 1

 

Die Bundestagswahl vom 24. September hat ein Ergebnis, dass es so in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben hatte: Erstmals seit 1949 gelang einer Partei, die eine offen rassistische und völkische Politik vertritt, der Einzug ins höchste deutsche Parlament. Dieser Erfolg der AfD wirft für alle Demokrat(inn)en und Antifaschist(inn)en eine Reihe von grundlegenden Fragen auf:

  • Warum gelang den Rechten trotz aller Gegenwehr ein solcher Erfolg?
  • Woher kommen die AfD-Wähler(innen) und was sind die Gründe für ihre Wahlentscheidung?
  • Handelt es sich ausschließlich um überzeugte Rassist(inn)en, die bekämpft werden müssen oder geht es auch darum, einen Teil von ihnen zurück zu gewinnen für eine fortschrittliche Politik?
  • Wie sind die Austritte und Abspaltungen der AFD zu bewerten?
  • Wie muss der Kampf gegen Rechts geführt werden, damit er Erfolg haben kann und wir die blauen Braunen so schnell wie möglich wieder los werden?

Nachdem mehr als einen Monat nach den Wahlen alle Ergebnisse und viele Analysen vorliegen, wollen wir diese Fragen diskutieren. Es referiert Gerd Wiegel, Politikwissenschaftler und Referent für Rechtsextemismus und Antifaschismus Der Bundestagsfraktion DIE LINKE. Er veröffentlichte vor wenigen Monaten das Buch „Ein aufhaltsamer Aufstieg – Alternativen zu AfD & Co.“ im Kölner Papyrossa-Verlag.

 

Eine Veranstaltung der VVN-BdA Köln und Kein Veedel für Rassimus

Der Flyer zur Veranstaltung ist hier zu finden.

Demagogen, Populisten, Fremdenfeinde: Wie gefährdet ist die Demokratie durch eine radikale „Neue Rechte“?

29. September 2017

Freitag. 13. Oktober 2017
Demagogen, Populisten, Fremdenfeinde: Wie gefährdet ist die Demokratie durch eine radikale „Neue Rechte“?
Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Benz.

19:00 Uhr, NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25,
4,50, erm. 2,00 Euro

Schuld und Schulden: Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa.

29. September 2017

Dienstag. 10. Oktober 2017

Vortrag von Karl Heinz Roth.
Die Reparationsfrage ist ein besonders umstrittenes Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte. Während die großen Siegermächte in den ersten Nachkriegsjahren umfangreich entschädigt wurden, gingen die kleineren Länder Europas und zahlreiche Opfergruppen weitgehend leer aus. Zu ihnen gehörte auch Griechenland.

19:00 Uhr, NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz
23-25, 4,50, erm. 2,00 Euro

Lesung: Mit den Fingern in Asche geschrieben.

29. September 2017

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Lesung mit den Roma-Schriftstellern Jovan Nikolic und Ruzdija Sejdovic
Moderation Dr. Karola Fings.
Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Rassendiagnose: Zigeuner“: Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung“.

19:00 Uhr, NS-Dokumentationszentrum,
Appellhofplatz 23-25, 4,50, erm. 2,00 Euro

Der Matrosenaufstand 1917 – Gedenken in Porz

25. September 2017

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Vor genau 100 Jahren, am 5. September 1917, wurde der Militär-Übungsplatz in Köln-Wahn Schauplatz zweier umstrittener Hinrichtungen. Hier, weit weg von der Küste, wurden die wenige Tage zuvor verhängten Todesurteile gegen zwei junge Matrosen der Kaiserlichen Marine vollstreckt: Albin Köbis und Max Reichpietsch.
Das Friedensbildungswerk, die SJD / Die Falken Gruppe Robert Blum und der DGB Köln/Bonn nahmen den Jahrestag zum Anlass, um an den Matrosenaufstand zu erinnern. Kooperationspartner: AK Zivilklausel an der Universität zu Köln. Auch die VVN-BdA Köln beteiligte sich.
Zur Vorführung des Films «Matrosenmeuterei» kamen 79 Personen in das Weisshauskino. Den Vortrag von Christoph Regulski aus «Lieber für die Ehre erschossen werden, als für die sogenannte Ehre fallen» besuchten 45 Menschen. Bei der öffentlichen Gedenkveranstaltung in Köln-Porz-Wahn waren 60 Personen anwesend.
Wir dokumentieren den Redebeitrag von Günter Baumann, VVN-BdA. Auf der Webseite des Friedensbildungswerks sind auch alle anderen Reden nachzulesen.

Sehr geehrte Anwesende!

Im Jahr 1917 wehrten sich Matrosen auf den Kriegsschiffen in gemeinsamen Aktionen gegen die massive Unterdrückung durch die Seeoffiziere. Sie wurden wie Sklaven schikaniert. Sie führten Streiks durch gegen die Hungerrationen und das oft völlig verdorbene Essen, bei gleichzeitigem Festschmaus für die Offiziere. Ihre gewählten Vertreter schickten sie in Verpflegungskommissionen, die dadurch bald zu allgemeinen Beschwerdestellen wurden.

Die Soldaten debattierten: Wofür ist dieser Krieg gut? In welchem Interesse ist er? Sie erkannten: dieser Krieg war kein Verteidigungskrieg, wie die Reichsleitung, und auch die SPD, seit 1914 behauptet hatten. Viele kamen zu dem Urteil: Baldiger Frieden, ohne Annexionen und Kontributionen, auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker! Diese Forderung hatte der Rat von Petrograd, nach dem Sturz des Zaren, aufgestellt. Die Parteien Mehrheits-SPD und die Unabhängige SPD, USPD, im April 1917 gegründet, übernahmen diesen Ruf. Aber nur die USPD lehnte weitere Kriegskredite ab.

Die Matrosen entwickelten ihre Ansichten selbstständig und waren nicht parteipolitisch gebunden. Um ihren eigenen Ruf nach baldigem Kriegsende zu stärken, wollten sie der Unabhängigen SPD größeres Gewicht geben bei der Mitte 1917  geplanten internationalen Konferenz von Sozialdemokraten in Stockholm. Mehr als 4000 Marinesoldaten unterschrieben aus diesem Grund einen Antrag auf Mitgliedschaft bei der USPD.

Diese Abwendung von Teilen der Arbeiterbewegung und der Marinesoldaten von den bisherigen expansiven Kriegszielen wollten die Machthabenden beenden. Nach einem Protestausflug von 600 Marinesoldaten am 2. August 1917 in Wilhelmshaven, gegen die willkürliche Streichung von Freizeit und stattdessen Ansetzen  von Drillübungen und  gegen die dann folgenden Bestrafungen wurden in Wilhelmshaven  fünf Soldaten rechtswidrig zum Tode verurteilt. Wegen angeblicher „vollendeter kriegsverräterischer Aufstandserregung“, was der Ausflug nicht war. Auch nach Ansicht der damaligen Marinejuristen nicht, die das Urteil vor Inkrafttreten überprüfen mußten.

Max Reichpietsch und Albin Köbis wurden am 5. September 1917 hier in Köln-Wahn auf der Grundlage eines Unrechtsurteils erschossen. Die Marineleitung hatte nicht gewagt, sie in Wilhelmshaven erschießen zu lassen.

Admiral  Scheer, der später zwei Todesurteile bestätigte, schrieb vor dem Gerichtsverfahren einen Brief an den  Preußischen Kriegsminister. Er hätte Angst, daß die Wilhelmshavener Arbeiter gegen die  angestrebten Todesurteile und gegen die Hinrichtungen aufbegehrten, die dortigen Marinewerkstätten stilllegten und den U-Boot-Krieg gefährdeten. Deswegen habe er die  Erschießung, also schon Wochen vor dem Urteil, angeordnet im weit entfernten Porz-Wahn. Der Admiral bat um Zustimmung. Der Kriegsminister stimmte zu.

Seit Ende 1916, Anfang 1917 hatten die Belegschaften in verschiedenen Rüstungsbetrieben selbstständige Streiks durchgeführt, gegen den Willen des Gewerkschaftsvorstandes. Ihre Forderung: Brot, Frieden, Freiheit! In Magdeburg hatten im Februar 1917 die Arbeiter im Rüstungsbetrieb von Krupp eine Woche gestreikt. Als sie die Nachricht über die  Erschießung von Max Reichpietsch und Albin Köbis erfuhren, sagten sie: „Das waren unsere Leute!“

Hans Beckers, dessen Todesstrafe in eine Haftstrafe umgewandelt worden war, schrieb in seinem Buch von 1928, Wie ich zum Tode verurteilt wurde: „In unserer Hand lag es, dem Völkermorden Einhalt zu gebieten und der bedrängten Menschheit den langersehnten Frieden zu geben. So glaubten wir. – Und doch waren wir nur ein winziges Teilchen , ein schwacher Hauch jener großen Kraft, die schließlich die blutige Flamme des Krieges erstickte.“

Wir möchten die letzten Briefe von Albin Köbis und Max Reichpietsch vorlesen. In der Fassung, wie sie in dem Buch von Christoph Regulski abgedruckt sind: “Lieber für die Ideale erschossen werden, als für die sogenannte Ehre fallen.“ Marixverlag, 2014, S. 228 und S.230f.) In dem Brief von Albin Köbis sind die Terminangaben um 7 Tage vordatiert:

„Liebe Eltern!
Ich bin heute, den 11.9.1917 zum Tode verurteilt worden, nur ich und noch ein Kamerad, die andern sind zu 15 Jahren Zuchthaus begnadigt worden. Warum es mir so ergeht, werdet Ihr ja gehört haben. Ich bin ein Opfer der Friedenssehnsucht, es folgen noch mehrere. Ich kann der Sache nicht mehr Einhalt gebieten; es ist jetzt 6 Uhr morgens, um 6.30 Uhr werde ich nach Köln gebracht. Mittwoch den 12.9. 4 Uhr morgens falle ich, ein Opfer der Militärjustiz. Ich hätte Euch gern noch einmal die Hand zum Abschied gedrückt, aber ich werde stillschweigend erledigt. Tröstet Paula und meinen kleinen Fritz. Ich sterbe zwar nicht  gern so jung, aber ich sterbe mit einem Fluch auf den deutschen Militärstaat. Das sind meine letzten Zeilen. Vielleicht bekommst Du und Mutter diese einmal zugesandt.
Auf immer Euer Sohn.“

Der Brief von Max Reichpietsch, geschrieben am 30.8.1917: Max Reichpietsch war Mitglied der Neuapostolischen Kirche. Die Marineleitung schickte seinen Brief an die Familie nicht weiter, sondern übersandte ihn erst Wochen nach der Hinrichtung. Sie verhinderte damit die Stellung eines Gnadengesuchs, um das Reichpietsch seine Familie in dem Brief bat.

„Geliebte Eltern!
Ich hätte Euch schon lange geschrieben, was mit mir los ist, aber ich wollte erst mein Urteil abwarten. Nun ist dieser Tag gewesen, und er ist noch schlimmer ausgefallen, als ich gedacht habe. Es ist ein Todesurteil geworden. Ob es vollstreckt wird, oder ob es durch die Gnade des Kaisers verhindert wird, liegt in Gottes Hand. Ich habe keine Hoffnung mehr und habe mit dem Leben abgeschlossen. Das hatte wohl keiner gedacht, als wir im Juni Abschied nahmen, daß es das letztemal sein sollte. Nun bitte ich Euch, liebe Eltern, verzeiht mir diese letzten Vergehen, damit ich ruhig in die andere Welt hinübergehen kann, wo wir uns alle einmal wiedersehen. Auch danke ich Euch für all das Gute, was Ihr an mir getan habt … Teilt mir bitte die Adresse und den Namen des Vorstehers oder Apostels der Gemeinde von hier mit … Und wenn Ihr noch mehr und Näheres über mein Vergehen wissen wollt, so schreibt an den, der Euch auf meinen Auftrag hin zum erstenmal geschrieben hat. Nun entschuldigt, daß ich nicht mehr schreibe; aber mir ist das Herz so schwer, daß es mir unmöglich ist, noch weiter zu schreiben. Denn es ist traurig, als junger Mensch in der Blüte der Jahre, mit einem Herzen voll Hoffen und Sehnen, schon sterben zu müssen, sterben durch harten Richterspruch. Grüßt Willy und Gertrud, und Euch selbst umarmt und küßt zum letzten Male
Euer Sohn Max
Alles, was Ihr für mich machen könnt, ist, wenn Ihr durch einen Rechtsanwalt oder durch den Stammapostel ein Gnadengesuch an den Kaiser macht, in dessen Hand augenblicklich mein Leben ruht, und dessen Hand auch hier mildtätig wirken wird.
M.“

Die Bundeswehr muß nicht länger in einer unwahren Tradition verharren! Sie sollte anerkennen, daß die Hinrichtung von  Max Reichpietsch und Albin Köbis ein politischer Justizmord war. Vollzogen in Köln-Wahn. Es ist richtig und begründet, die Aufhebung der Todesurteile zu fordern.
Die Bundeswehr sollte nicht länger den Zugang zu der Gedenkstätte einschränken. Eine Lösung muß gefunden werden für einen freien unbeschränkten Zugang zu der Gedächtnisstätte der Matrosen Max Reichpietsch und Albin Köbis. Sie steht auf einem städtischen Grundstück, dem öffentlichen Friedhof der Stadt Köln!
Reichpietsch und Köbis mahnen uns, gerade in der jetzigen Zeit, aufzutreten  – gegen die geplante Ausweitung der deutschen Militär- und  Kriegspolitik.

Eine weitere Veranstaltung zum Thema findet am Sonntag, den 5.11.2017 um 17.00 Uhr im Schauspielhaus, Außenspielstätte Offenbachplatz, Köln-Innenstadt statt: «Feuer aus den Kesseln». Zur Aktualität des Kampfes gegen den Krieg – Auszüge   aus Ernst Tollers Stück mit anschließender Podiumsdiskussion.

70 Jahre Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Köln

geschrieben von Kreisvorstand Köln

25. September 2017

Am Montag, den 3. Februar 1947 um 10 Uhr fand im Senatssaal der Universität die Gründungsversammlung der VVN statt. Oberbürgermeister Dr. Pünder eröffnete die Versammlung. Die politisch Verfolgten, so sagte er, seien die wahren Alliierten. Er habe während der Zeit seiner Tätigkeit mancher Versammlung vorgestanden, doch keiner mit freudigerem Herzen als dieser. Nach dem Oberbürgermeister ergriff Hein Hamacher als Vorsitzender des Komitees für politisch, rassisch und religiös Verfolgte das Wort. Er sprach von dem schweren illegalen Kampf, den harten Leiden der ehemaligen politisch Verfolgten und von deren Recht auf Anerkennung und Würdigung ihres mutigen Eintretens gegen die Hitler-Tyrannei und Barbarei. Im gewählten Vorstand waren dann Vertreterinnen und Vertreter aller Parteien, der christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinde.

Das ist nun 70 Jahre her und die VVN gibt es immer noch. Das wollen wir feiern.

Am 19. November werden wir in der Alten Feuerwache, Melchiorstraße 3 um 15 Uhr im Kinosaal den Film von Dietrich Schubert „Widerstand und Verfolgung in Köln 1933-1945“ zeigen.

Dietrich und Katharina Schubert haben wir eingeladen zu kommen und anschließend mit uns noch über den Film zu sprechen. Im „Offenen Treff“ der Alten Feuerwache (neben dem Büro) warten dann ab 17 Uhr ein Büfett und Getränke auf uns. Da können die Gespräche fortgesetzt werden, Erinnerungen ausgetauscht werden. Wir freuen uns auf möglichst viele Mitglieder und Freundinnen und Freunde.

Der Film von Dietrich Schubert entstand 1976. Grundlage waren 20 Tonbandinterviews, die Walter Kuchta, Wilfried Viebahn und Reinhard Bergholz mit Kölner Antifaschistinnen und Antifaschisten geführt hatten. Die Finanzierung kam durch Spenden vieler VVN-Mitglieder zustande. (Schwarzweiß, Länge 93 Minuten)

Nach der Bundestagswahl: Wie halten wir den Aufstieg Der Rechen auf?

25. September 2017

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Antifaschist(inn)en haben in den letzten Wochen und Monaten viel Kraft und Energie daran gesetzt, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, nicht rechts (und das heißt: gegen ihre Interessen) zu wählen. Und doch ist zu befürchten, dass es mit der AfD erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland einer radikal rechten, rassistischen Partei gelingen wird, in den Bundestag einzuziehen. Für einen solchen Fall gilt es, genau zu analysieren, was die Gründe dafür sind und wie eine erfolgreiche demokratische Politik, die u.a. das Ziel hat, die Rechten so zu schwächen, dass sie möglichst in keine Parlamente mehr gewählt werden, aussehen muss.

Wir haben deshalb Gerd Wiegel, Politikwissenschaftler, Referent für Rechtsextremismus und Antifaschismus der Bundestagsfraktion DIE LINKE und Autor des Buches „Ein aufhaltsamer Aufstieg – Alternativen zu AfD & Co.“ eingeladen, mit uns darüber zu diskutieren, wie wir den Aufstieg Der Rechten wirklich aufhalten können.

 

Die Veranstaltung findet am 26. Oktober 2017 um 18.00 Uhr im DGD-Haus (Hans-Böckler-Platz) statt. Wir bitten Euch, den Termin dieser sicher spannenden Veranstaltung schon einmal vorzumerken.

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