Speakers Tour – NSU-Terror, Staat und Aufklärung

26. Mai 2015

Freitag, 26. Juni 2015 – Köln

Eine Diskussionsveranstaltung zur Bedeutung des NSU-Komplexes aus einer türkischen Perspektive: In der Türkei gibt es eine lange Erfahrungen mit Verbrechen rechter Täter_innen, die mit staatlicher Billigung oder Unterstützung agierten. Diese staatliche Verstrickung und der gesellschaftliche Umgang mit Formen des „tiefen Staates“ sind der Hintergrund, vor dem sich eine Expert_innen-Delegation aus der Türkei auf die Reise nach Deutschland begibt. Tanıl Bora, Yasemin İnceoğlu und İsmail Saymaz werden in München den NSU-Prozess beobachten. An drei Abenden werden sie in München (24.6.), Köln (26.6.) und Berlin (27.6.) über ihre Wahrnehmungen berichten und einen Bezug zu ihren Erfahrungen mit rechtsterroristischen Verbrechen in der Türkei, deren staatlicher Deckung und dem gesellschaftlichen Umgang herstellen. Die Veranstaltung wird simultan deutsch/türkisch gedolmetscht.

In der Türkei gibt es eine lange Erfahrungen mit Verbrechen rechter Täter_innen, die mit staatlicher Billigung oder Unterstützung agierten. Diese staatliche Verstrickung und der gesellschaftliche Umgang mit Formen des „tiefen Staates“ sind der Hintergrund, vor dem sich eine Expert_innen-Delegation aus der Türkei auf die Reise nach Deutschland begibt.

Tanıl Bora, Yasemin İnceoğlu und İsmail Saymaz werden in München den NSU-Prozess beobachten. An drei Abenden werden sie in München (24.6.), Köln (26.6.) und Berlin (27.6.) über ihre Wahrnehmungen berichten und einen Bezug zu ihren Erfahrungen mit rechtsterroristischen Verbrechen in der Türkei, deren staatlicher Deckung und dem gesellschaftlichen Umgang herstellen.

Während der NSU-Prozess in München in das dritte Jahr geht, haben vier parlamentarische Untersuchungsausschüsse ihre Abschlussberichte vorgelegt und fünf neue Ausschüsse ihre Arbeit aufgenommen. Immer neue Ungereimtheiten tauchen auf, eine Aufklärung scheitert bisher an Vertuschungen und Blockaden seitens der Ermittlungsbehörden und der Geheimdienste. Die Diskussionen um die offenen Fragen werden immer kleinteiliger und im Wesentlichen an „NSU-Expert_innen“, Politiker_innen und selbst belastete Sicherheitsbehörden delegiert.

In der Türkei konnte immer wieder der Anteil der staatlichen Verstrickungen in die Verbrechen vermeintlicher Einzeltäter_innen aufgedeckt werden. Bedingungen für diese Aufklärung war häufig entschiedener gesellschaftlicher und politischer Protest begünstigt oft von Interessengegensätzen in der politischen Elite. Diese, die Versuche der Aufklärung des NSU-Komplexes begleitenden, gesellschaftlichen Diskussionen und politischen Interessengegensätze fehlen in Deutschland fast gänzlich.

Alle drei Referent_innen haben in der Türkei auf ihrem Gebiet aus einer gesellschaftskritischen Perspektive an den Auseinandersetzungen über Hassverbrechen, den „Tiefen Staat“ und (neo)-faschistische Formierungen teilgenommen und werden die hiesige Zivilgesellschaft an ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

17.30h – Depot 2, Schauspiel Köln, Schanzenstraße 6-20, Köln

Kultur-Straßenfest Keupstraße

26. Mai 2015

Sonntag, 14. Juni 2015 – Köln

Wir beteiligen uns an dem Straßenfest am 14. Juni 2015 mit einem vielfältigen Programm aus kreativen Aktionen, Lesungen, Diskussionsbeiträgen, Berichten und einer Podiumsdiskussion. Weitere Infos folgen.

11.00h – Podiumsveranstaltung “Sprechen wir über Rassismus” @ Depot 2, Schanzenstraße 6-20

11.00h – 20.30h – Musikprogramm mit Nic Knatterton, Esrap, Blackseaentertainment, Chaoze One, Ilkay, Romano Traio, MC Liberal, Refpolk & Daisy Chain @ Bühne Keupstraße / Holweider Straße

14.00h – 20.30 – Vorträge, Diskussionen, Gespräche, Theater. Details folgen. @ Café Sabahçı, Keupstr. 87

Gedenkveranstaltung zum Anschlag auf der Keupstraße

26. Mai 2015

09. Juni, Circa 21.00h – Keupstraße

Am Nachmittag des 9. Juni 2004 explodierte in der stark belebten Keupstraße in Köln eine Nagelbombe, gefüllt mit über 5 kg Sprengstoff und 800 Zimmermannsnägeln. Sie sollte ein Blutbad mit Toten und Verletzten in der hauptsächlich von Menschen aus der Türkei bewohnten Straße anrichten. Nur durch Zufall starb niemand. Aber mehr als 22 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Zum Gedenken an den rassistischen Anschlag kommen wir im Anschluss an das Theaterstück “Urteile” auf der Keupstraße zusammen. Bitte achtet auf weitere Ankündigungen.

Theater: Urteile

26. Mai 2015

Dienstag, 09. Juni 2015 – Köln

Ein dokumentarisches Theaterprojekt über die Opfer des NSU in München. Die Regisseurin Christine Umpfenbach hat mit Journalisten, Rechtsanwälten und Politikern gesprochen, vor allem aber mit den Verwandten, Freunden und den Arbeitskollegen der Opfer. Sie sucht nach Leerstellen und Strukturen, die das Versagen der Sicherheitsbehörden und Medien möglich gemacht haben. Die Autorin Azar Mortazavi schreibt in poetischen Skizzen über die Ver- und Beurteilung im persönlichen Erleben einer Postmigrantin, über die alltäglichen kleinen »Morde« in Schule, Studium und Arbeit, die nach der Aufdeckung der NSU-Verbrechen unerträglich geworden sind.

19.00h – Depot 2, Schauspiel Köln, Schanzenstr. 6-20

15 Jahre Wehrhan-Bombenanschlag – Ein Rück- und ein Ausblick

26. Mai 2015

Dienstag, 26. Mai 2015 – Düsseldorf

Am 27. Juli 2000 explodierte auf dem S-Bahnhof Düsseldorf-Wehrhahn ein professionell, aber nicht industriell gefertigter Sprengsatz, zehn Menschen, unter ihnen sechs jüdische AuswandererInnen aus Ländern der ehemaligen UDSSR, wurden – teilweise schwer – verletzt. Auch wenn damals – anders als bei den NSU-Anschlägen wie dem in der Kölner Keupstraße – bis in die Bundesregierung hinein ein extrem rechter Hintergrund für möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich angesehen wurde, so sind die Hintergründe des Anschlags und die TäterInnen bis heute unbekannt.

Die Veranstaltung am 26. Mai möchte sich vor dem Hintergrund des aktuell tagenden Untersuchungsausschusses in NRW (PUA) mit dem Wehrhahn-Anschlag beschäftigen und zugleich deutlich machen, dass die Opfer des Anschlags nicht in Vergessenheit geraten sind und dass die Arbeit des NSU-PUA mit großem Interesse verfolgt wird. Was ist damals genau passiert, wer waren die Opfer, was ist über Ermittlungsergebnisse bekannt? Würde der Anschlag in neonazistische Terrorkonzepte passen? Was folgt aus all dem für die Behandlung des Themas im PUA?

20.00h – Kulturzentrum ZAKK, Fichtenstr. 40, Düsseldorf

Flyer

70 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg

26. Mai 2015

Demonstration am 9. Mai in Köln „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg.“

Die Aufrufer erinnerten an die uneingelösten Konsequenzen aus der Befreiung: Immer noch gehe es um zivile Konfliktlösung und Verständigung statt Hetze und Eskalation, um Abrüstung und Rüstungskonversion statt Rüstungsproduktion und –exporte und um eine Wissenschaft und Bildung für den Frieden statt Rüstungsforschung und Kriegspropaganda! Der Schwur von Buchenwald bleibe Verpflichtung: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Aufgerufen hatten Attac (AK Geopolitik und Frieden), der Arbeitskreis Zivilklausel Köln, die DFG-VK Köln, DIDF Köln, DKP Köln, Kölner Friedensforum, SDS Köln und VVN-BdA Köln.

Treffpunkt war das DGB-Haus. Es gab eine Zwischenkundgebung am Kölner Deserteursdenkmal. Es ist am 1. September 2009 anlässlich des 70. Jahrestages des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen eingeweiht worden. Die Initiative dazu kam aus einer Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes, die seit 1996 regelmäßig am 27. Januar stattfindet. Im Jahr 2006 standen die Opfer der NS-Militärjustiz, Kölner Deserteure, im Mittelpunkt des Gedenkens. Im Anschluss an die beeindruckende Veranstaltung war der Wunsch entstanden, einen solchen Erinnerungsort einzurichten. Elvira Högemann vom Kölner Friedensforum sprach. Sie war an der Gruppe beteiligt, die nach aufwendigen Recherchen den Antrag an den Stadtrat veranlasste, der zur Aufstellung des Denkmals führte. Es ist von dem Schweizer Designer Ruedi Baur und zeigt einen Text, der gewissermaßen auf einer Fläche von acht mal vier Metern in den Himmel geschrieben ist. Er lautet:

„Hommage den Soldaten, die sich weigerten zu schießen auf die Soldaten, die sich weigerten zu töten die Menschen, die sich weigerten zu foltern die Menschen, die sich weigerten zu denunzieren die Menschen, die sich weigerten zu brutalisieren die Menschen, die sich weigerten zu diskriminieren die Menschen, die sich weigerten auszulachen die Menschen, die Zivilcourage zeigten, als die Mehrheit schwieg und folgte.“

Auf dem Roncalli-Platz endete die Demonstration mit einer Kundgebung. Hier sprach Bernd Hahnfeld, ehemaliger Richter und Mitglied in der Jusristenvereinigung IALANA (Internationale Vereinigung von Juristen gegen Atomwaffen), außerdem Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, und Peter Förster vom Arbeitskreis Zivilklausel an der Kölner Uni.


9. Mai – Demonstration gegen Krieg und Faschismus

26. Mai 2015

Nachdem die Kölner VVN-BdA sich am 70. Jahrestag der Befreiung Europas vom Faschismus an der Feierstunde am Mahnmal für die Opfer des Naziterrors am Hansaring beteiligt hatte, ging es einen Tag später weiter: Für den 9. Mai hatte ein Bündnis aus antifaschistischen und Friedensgruppen sowie linken Organisationen zu einer Demonstration gegen Krieg und Faschismus aufgerufen, an der sich etwa 150 Menschen beteiligten.
Zur besten Einkaufszeit, also von vielen Leuten wahrgenommen, zogen die Demonstrant(inn)en mit einem kurzen Halt am Waldenserdenkmal durch die Kölner Innenstadt zum Dom, wo eine Kundgebung stattfand.
Dort berichtete der ehemalige Richter Bernd Hahnfeld (Juristen und Juristinnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen) aus (nicht nur) juristischer Sicht über die verpassten Chance für eine Politik des Friedens durch die Nichtumsetzung des Potsdamer Abkommens von 1945, das eine Entmilitarisierung Deutschlands vorsah und die aktuelle Politik der Bundesregierung, die dem Erhalt des Friedens in Europa nicht dient.
Der Aachener Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko (Linkspartei) stellte den Konflikt in der Ukraine und die einseitig antirussische Haltung der Bundesrepublik in den Mittelpunkt seiner Ausführungen und Peter Förster (Arbeitskreis Zivilklausel an der Universität Köln) informierte über die Militarisierung des Bildungswesens und den Widerstand dagegen.

Wir dokumentieren den Auftaktbeitrag, den Peter Trinogga (VVN-BdA Köln) am Hans-Böckler-Platz hielt.

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,
liebe Freunde,

herzlich willkommen bei unserer Demonstration gegen Faschismus und Krieg anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung, den wir gestern begingen und den die Antifaschistinnen und Antifaschisten in Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie die Veteraninnen und Veteranen der Roten Armee, von denen einige auch hier in Köln leben, heute begehen, feiern.

„Tag der Befreiung“ – das hört sich gut an. Aber wer wurde befreit und vor allem: wer fühlte sich vor siebzig Jahren befreit? Natürlich die Häftlinge in den faschistischen Lagern, den Tötungsfabriken, den Zuchthäusern, im Klingelpütz, in Siegburg. Ebenso natürlich die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus vielen Ländern Europas, die Illegalen (von denen es im zerstörten Köln viele gab), die wenigen Jüdinnen und Juden, die dem rassistischen Mordwahn entgehen konnten, die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer. Für all diese Menschen war es die erste Gelegenheit, wieder frei atmen zu können.

Für die meisten Deutschen aber war die Befreiung durch die alliierten Truppen zuerst höchstens eine Befreiung vom Krieg, von den Tagen und Nächten in den Luftschutzbunkern. Ihre Befreier kamen von außen, waren diejenigen, die ihnen jahrelang als Todfeinde dargestellt wurden und die sie mit Sicherheit auch in vielen Fällen als Feinde ansahen. Die Deutschen hatten trotz aller Anstrengungen von Antifaschistinnen und Antifaschisten, sich nicht selbst befreit – und das sollte Folgen haben:

Jahrzehntelang war der 8. Mai in der Bundesrepublik wahlweise der „Tag der Kapitulation“, der „Tag des Kriegsendes“ oder, in den allermeisten Fällen, ein Tag wie jeder andere. Es sollte 40 Jahre dauern, bis der damalige Bundespräsident Weizsäcker in seiner berühmten Rede am 8. Mai 1985 auch offiziell vom „Tag der Befreiung“ sprach. Dieser Kurswechsel, der vielen Ewiggestrigen in Weizsäckers Partei, der CDU, gar nicht schmeckte, fiel aber nicht vom Himmel sondern war das Ergebnis jahrelanger Bemühungen und Aktionen von Linken, Gewerkschafter(inne)n und Antifaschist(inn)en.

Heute fühle ich mich fast wieder 30 Jahre zurückversetzt: In den Medien (und nicht nur dort) ist in erster Linie vom Ende des Krieges die Rede, wird zuallererst der „eigenen“, deutschen Opfer gedacht, ist vom Grauen des Bombenkrieges die Rede, den Traumatisierungen, die die damaligen Kinder und Jugendlichen davongetragen haben. Im Kölner Stadt-Anzeiger vom vergangenen Mittwoch gab es einen ganzseitigen, überaus entschuldigenden, ja geradezu wohlwollenden Beitrag über die Kosaken, die auf Seite der Naziinvasoren gegen ihre russischen Schwestern und Brüder gekämpft hatten, Kollaborateure waren, Helfer der Mörder! In unseren Massenmedien ist das Bewusstsein der Befreiung vom Faschismus jedenfalls seit geraumer Zeit wieder verloren gegangen und ersetzt worden durch ein herbeiphantasiertes nationales Kollektiv.

Die Hoffnungen vieler Antifaschistinnen und Antifaschisten spiegeln sich nirgends so gut wieder, wie im Schwur von Buchenwald, dem Vermächtnis der Überlebenden, der sich selbst befreit habenden Häftlinge des Konzentrationslagers unmittelbar vor den Toren Weimars: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig“. Was wurde aus der „Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln“, dem „Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“. Wie stand und steht es um „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“? Wie und wohin hat sich die Bundesrepublik in den vergangenen 70 Jahren entwickelt?

Nach ersten Erfolgen unmittelbar nach der Befreiung, als selbst Alfred Krupp und Friedrich Flick, die am Massenmord blendend verdient hatten, auf einer Anklagebank und kurzzeitig in Haft landeten und in Hessen die große Mehrheit der Menschen für eine Sozialisierung der Schwerindustrie stimmte, begann mit dem Kalten Krieg der gesellschaftliche Weg zurück: Nazis und Kriegsverbrecher wurden begnadigt, rehabilitiert und kamen wieder in Amt und Würden (der Kommentator der antisemitischen „Nürnberger Gesetze“, einer der juristischen Vorbereiter des Holocaust, Dr. Hans Globke wurde ab 1953 ganze 10 Jahre lang Chef des Bundeskanzleramtes). Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen, die Kommunisten waren, erhielten ab 1951 Berufsverbot im öffentlichen Dienst, ihre Partei wurde 1956 verboten und viele wanderten (wieder) in die Gefängnisse – verurteilt häufig von Richtern, die bereits zwischen 1933 und 45 politische Gegner verurteilt und in den Tod geschickt hatten. Die Nazibürokraten, -juristen, -militärs und -geheimdienstleute, die Schreibtisch- und anderen Täter wurden eben dringend gebraucht um den neuen Staat aufzubauen. Und anders als sein östlicher Konkurrent und Nachbar hatte die „Bonner Republik“ nicht einmal den Anspruch, ein antifaschistischer Staat zu sein. Antifaschismus galt als kommunitisches Schlagwort, gegen die VVN wurde ein Verbotsverfahren eröffnet (da nachgewiesen werden konnte, dass der vorsitzende Richter auch ein alter Nazi war, verlief dieser Prozess allerdings recht schnell im Sande). Vom Großkapital, der Schwerindustrie und den Banken, die die Nazis finanziert hatten und an Krieg und Zwangsarbeit Milliarden verdient hatten, will ich gar nicht reden – sie wurden stärker und reicher denn je.

Einen Einschnitt gab es Ende der sechziger Jahre im Zuge der 68er Bewegung. Nach langer Zeit und mit vielen Widersprüchen, wieder einmal gab es Berufsverbote für Linke und der NPD fehlten nur wenige Stimmen, um in den Bundestag einzuziehen, sah es so aus, als wehte ein antifaschistischer Wind. Aber das war nur von kurzer Dauer: Nach der Angliederung der DDR an die Bundesrepublik durfte man wieder stolz darauf sein, Deutscher zu sein. Es dauerte nicht lange und es brannten Flüchtlingsheime, das Grundrecht auf Asyl, das aufgrund der Erfahrungen des Exils während des Faschismus ins Grundgesetz aufgenommen worden war, wurde geschleift, Deutschland führte wieder einmal Krieg in und gegen Jugoslawien und Rechtsterroristen und Geheimdienste wirkten so eng zusammen, das nicht mehr feststellbar ist, wer da wer war – kurz gesagt: die braune Scheiße kam wieder nach oben – und da schwimmt sie immer noch!

Aber natürlich gab es für Antifaschistinnen und Antifaschisten, für Friedensbewegte und für Linke auch Erfolge: in den fünfziger Jahren wurde die Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen, die das Ziel der Regierung Adenauer war, verhindert. Am Irakkrieg nahm die Bundeswehr nicht aktiv teil und der von den USA und ihren engsten europäischen Verbündeten angestrebte Krieg gegen Syrien fand nicht statt. Wir brauchen also nicht mutlos zu sein, uns kleiner zu machen, als wir sind und wir haben im Kampf gegen Rechts, gegen Militarismus und Krieg viele Aufgaben. Lasst uns beginnen, sie gemeinsam zu lösen, um den Schwur von Buchenwald, das antifaschistische Vermächtnis endlich einzulösen. Das sind wir nicht nur den Verfolgten und Kämpfern gegen den Faschismus schuldig, sondern auch und vor allem denjenigen, die unter Rassismus, rechtem Terror, deutschen Waffen und Krieg leiden.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder brennende Bücher!

16. Mai 2015

Lesung anlässlich des 82. Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Faschisten am Mittwoch, den 20.Mai 2015, 11:00-17:00 Uhr, auf dem Albertus-Magnus-Platz, dem Hauptcampus der Uni Köln.

Jede und jeder ist eingeladen, zuzuhören und aus den Werken der AutorInnen, deren Bücher verbrannt wurden, vorzulesen.

„Ich glaube wie je, daß literarische Bemühungen niemals ohne Wirkung bleiben, wie lange es auch dauern mag, bis die greifbare Welt ihnen zugänglich wird. Künftige Menschen können sich einem gerechten Handeln nur dann gewachsen zeigen, wenn wir verharrt haben in der Sprache der Wahrheit.“ Heinrich Mann: Die erniedrigte Intelligenz, 1933. Aus: Verteidigung der Kultur, Antifaschistische Streitschriften und Essays, Berlin und Weimar: 1971, S. 296.
Anlässlich des 82. Jahrestages der Bücherverbrennungen durch faschistische Studierendenverbände und Burschenschaften initiiert der Arbeitskreis Zivilklausel in diesem Jahr wieder Lesungen aus den Werken der Autorinnen und Autoren, deren Bücher 1933 verbrannt wurden. Jede und jeder ist aufgerufen, sich zu beteiligen.
Verbrannt wurden an deutschen Hochschulen Bücher von jüdischen, pazifistischen, bürgerlich­humanistischen, sozialistischen und kommunistischen Literatinnen und Literaten, die mit ihrem Wirken den menschenverachtenden Zielen der Nazis im Weg standen. Dazu gehören Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Nelly Sachs, Sigmund Freud, Heinrich Mann, Carl von Ossietzky, Bertha von Suttner, Erich Maria Remarque, Heinrich Heine, Karl Marx, Kurt Tucholsky, Rosa Luxemburg, Anna Seghers und viele andere, deren Werke aus den Bibliotheken verbannt, verbrannt und verboten wurden. Für die „Aufzucht“ eines „Volks“ gehorsamer und spießiger, gegenüber Unrecht und Unmenschlichkeit abgestumpfter Soldaten mussten die Nazis jegliche Ansprüche an Humanität und Egalität zu vernichten suchen. Die Bücher von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner wurden unter dem Ausruf „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat!“ verbrannt.

In seiner stumpfen und geistlosen Verherrlichung des Krieges, der sozialdarwinistischen Propagierung der Ungleichheit und des Konkurrenzkampfes war das Regime auf Lügen und Propaganda angewiesen, fürchtete den Geist, musste die Intellektuellen verteufeln und die Wissenschaften gleichschalten.
Dieser Angriff auf die Zivilisation scheiterte. Rationalität, eine Kultur der Solidarität und der Anteilnahme konnten nicht ausgerottet, dem Menschen nicht die Menschlichkeit ausgetrieben werden. Wider alle Gewalt war die Aufklärung gegen die Gräuel des Nazi­Regimes und das Nein zu Krieg und Unmenschlichkeit Ermutigung für die Verteidigung der Zivilisation gegen den Faschismus. Das „1000jährige Reich“ konnte gerade zwölf Jahre Bestand haben. Im humanistischen Kulturerbe leben Hoffnung und Ambition auf eine Gesellschaft des Friedens und der Freiheit, der sozialen Wohlentwicklung, auf freundliche Lebensumstände und die weltweit verwirklichte Würde des Menschen. Daraus ist auch heute zu schöpfen.
Wir rufen alle zur Beteiligung an den antifaschistischen Lesungen anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Nazis auf.
„Hier sind Sie, die den Intellekt gewählt haben für ihr ganzes Leben – dort aber ein Staat, der ihn haßt und sich erst sicher fühlen könnte nach seiner Niederkämpfung. Jeden ihrer anderen Feinde hassen die Herren des Dritten Reichs auch deshalb, weil das wahrhafte Denken für den Feind und gegen das Reich entscheidet. Den Intellekt hassen sie ganz und gar um seiner selbst willen. (…)
Bekennt und Handelt!“ Heinrich Mann: Studenten! 1935, ebd., S. 298.

V.i.S.d.P.: Arbeitskreis Zivilklausel, ℅ Felix v. Massenbach, Marienstr. 3d, 50825 Köln, Kontakt: zivilklausel@uni-koeln.de www.zivilklausel.uni-koeln.de

Aufruf.pdf

„Wir haben gedacht, wir kommen zurück, aber wir kamen nicht zurück.“

2. Mai 2015

Dienstag 12. Mai 2015

Die Überlebenden Elya Kanter & Leonid Fisch – Film und Gespräch Zwischen Oświęcim, der polnischen, jüdisch geprägten Stadt in der Nähe von Krakau, und Auschwitz, Ort und Symbol der schlimmsten Menschheitsverbrechen, bewegt sich die Erinnerung von Elya Kanter und Leonid Fisch. Geboren und aufgewachsen in einer kinderreichen, traditionell jüdisch-religiösen Familie, folgen unmittelbar nach dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen Zeiten der Flucht, über Krakau und Lemberg (Lwiw) bis nach Usbekistan flieht die große Familie – und erleidet durch Verfolgung und Krieg den Tod dreier Kinder. Leonid lässt sich in die Rote Armee aufnehmen, um gegen Nazideutschland zu kämpfen.

Die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, in dem einer seiner Brüder ermordet wurde, prägt sich dem jungen Soldaten tief ein. Der Film (ca. 75 Min.), Ergebnis eines über zwei Tage sich erstreckenden Interviews mit dem Geschwisterpaar Kanter/Fisch, beschreibt die Stationen ihrer Lebensreise bis hin zu ihrer Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion im Jahre 2000 und ihr heutiges Leben in Köln-Porz.

Von der Fähigkeit, sich zu erinnern, und der großen Kraft, in der Erinnerung die Lebenden und die Toten zusammen und beieinander zu halten, gibt das filmische Dokument ein lange nachhallendes Zeugnis.

Eine Veranstaltung des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln in Kooperation mit „Der halbe Stern“e.V., Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Synagogen-Gemeinde Köln

Ort: Filmhaus Maybachstraße, 12. Mai 2015, 18 Uhr

Eintritt: 4,50 € , erm. 2 €

Flyer Filmveranstaltung

Der Untertan

28. April 2015

12. Mai 2015
19 Uhr, Alte Feuerwache


Melchiorstr. 3, Filmraum
Spielfilm, DDR 1951
Veranstalter: VVN-BdA Köln

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Der Film nach Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ zeigt den kleinbürgerlichen Aufsteiger Diederich Heßling im wilhelminischen Deutschland. Heßling hat gelernt, nach oben zu buckeln und nach unten zu treten. Er knüpft Beziehungen zu einflussreichen Leuten, die ihm nützen können, für seinen geschäftlichen Erfolg, unter solchen Erwägungen wählt er auch seine nicht sonderlich attraktive, aber reiche Ehefrau aus. Und er nutzt seine Beziehungen zum Regierungspräsidenten von Wulkow, um einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Sein größtes Erlebnis ist es, den Kaiser aus der Nähe gesehen zu haben. Eifrig sammelt er für ein Kaiserdenkmal in seiner Stadt. Doch die Einweihung geht in einem tosenden Gewitter unter.
Regie: Wolfgang Staudte
Drehbuch: Wolfgang Staudte, Fritz Staudte
Kamera: Robert Baberske, Schnitt: Johanna Rosinski
Musik: Horst Hanns Sieber

Staudte sagte zur Botschaft seines Films: „Ich will die Bereitschaft gewisser Menschen um 1900 zeigen, die über zwei Weltkriege hinweg zum Zusammenbruch Deutschlands im Jahre 1945 führte. Es soll eine Weiterführung meiner Anklage gegen diese Kreise und eine Warnung vor diesen Menschen sein, wie ich es schon in dem Film ‚Die Mörder sind unter uns‘ ausdrücken wollte.“

Die konservative bundesdeutsche Presse der 50er Jahre warf Staudte vor, er stehe „im Dienste kommunistischer Kulturpolitik“ und betreibe die „Bolschewisierung der Welt“. Man verriss den Film als böse und humorlos, nannte ihn einen „Charaktermord“ (Bandmann/Hembus, S. 167).
Und der Spiegel kritisierte:
„Ein Paradebeispiel ostzonaler Filmpolitik: Man lässt einen politischen Kindskopf wie den verwirrten Pazifisten Staudte einen scheinbar unpolitischen Film drehen, der aber geeignet ist, in der westlichen Welt Stimmung gegen Deutschland und damit gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik zu machen. Der Film lässt vollständig außer acht, dass es in der ganzen preußischen Geschichte keinen Untertan gegeben hat, der so unfrei gewesen wäre wie die volkseigenen Menschen unter Stalins Gesinnungspolizei es samt und sonders sind.“ (Spiegel, 12. Dezember 1951)
In der ganzen Welt erhielt der Film hohe Anerkennung. Lediglich in der Bundesrepublik Deutschland wurde er für sechs Jahre verboten, da man den Film als Angriff auf die Bundesrepublik betrachtete, in der viele Ansätze eines erneuten Untertanenstaates sahen. Der Interministerielle Ausschuss für Ost-West-Filmfragen, die für die Filmeinfuhr hauptverantwortliche Stelle, untersagte die Veröffentlichung aufgrund § 93 des StGB, der Herstellung von verfassungsfeindlichen Publikationen verbot.
1956 kam es dennoch zu einer einmaligen Aufführung in Westberlin. Nach einer erneuten Prüfung wurde der Film in einer um zwölf Minuten gekürzten Version und mit einem die Grundaussage des Films umkehrenden Vorspruch freigegeben. Dennoch wurde er im Januar 1957 erneut durch die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) verboten. Die Erstausstrahlung im Fernsehen erfolgte in der DDR im September 1954, in der Bundesrepublik im Dezember 1969 (im Bayerischen Rundfunk). Die ungekürzte Fassung bekam man in der BRD allerdings erst seit 1971 zu sehen.
„Der Untertan“ – ein in Zeiten von Pegida auch heute noch höchst aktueller Film.

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