Kundgebung zum Antikriegstag 2014

22. August 2014

1. September, 18:00 Uhr

auf der Domplatte

Die Lehre aus zwei Weltkriegen:

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Die Kriege gegen Gaza und in der Ukraine stoppen!

RednerInnen:

  •     N.N., VVN-BdA Köln
  •     Elvira Högemann, Friedensforum Köln
  •     Hans Mörtter, Pfarrer der Luther-
  •     Kirche (angefragt)
  •     Tanya Ury, Jüdische Stimme für  gerechten Frieden in Nahost
  •    Ulla Jelpke, Die Linke (angefragt)
  •     Michael Sünner, DFG-VK Köln
  •     Peter Förster, Arbeitskreis Zivilklausel

Es rufen auf: Arbeitskreis Zivilklausel Köln, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Köln, Friedensforum Köln, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) Köln

Aufruf zum Antikriegstag: Nie wieder Krieg!

Am 1. September vor 75 Jahren begann mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen der Zweite Weltkrieg, der noch mehr Menschenleben forderte als sein Vorläufer. Die deutschen Eliten, bestehend aus Industriellen, Großagrariern und Militärs, hatten ihre Ziele von 1914 weiterhin fest im Blick: Mit ihrer Unterstützung der NSDAP und der Machtübertragung an Hitler, massiver Aufrüstung und erneuter Kriegsvorbereitung sollte nachgeholt werden, was beim Ersten Weltkrieg nicht gelungen war: die Eroberung von Kolonien im Osten und eine globale militärische und wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands. Diese insbesondere vom Historiker Fritz Fischer vertretene Erkenntnis der Kontinuität der Eliten und ihrer Kriegsziele in beiden Weltkriegen hat in den aktuellen Krisenzeiten nichts an Brisanz verloren: Kriege sind keine Naturkatastrophen, sondern menschengemacht und interessengeleitet, und können daher verhindert werden. Entsprechend großer Aufwand wird heute betrieben, diese Erkenntnisse zu verschleiern. Weiterhin kommt es auf Aufklärung an: Der 2013 geplante und bereits terminierte Militärschlag der NATO gegen Syrien fand nicht statt, Kriegspropaganda wird nach dem Irakkrieg und der Entlarvung der Kriegslügen mit Misstrauen begegnet. Die immerhin partielle Rückkehr zur Diplomatie hat die Zerstörung sämtlicher syrischer Chemiewaffen ermöglicht. Gleichzeitig wird seitens der NATO-Staaten zur Verteidigung politischer und wirtschaftlicher Einflusssphären unvermindert auf Rüstungsexporte an „strategische Partner“ wie die reaktionären Golfmonarchien, die Türkei und Israel sowie auf Sanktionen und Destabilisierung “unfolgsamer“ Staaten gesetzt. Die Demokratisierungsbestrebungen des Arabischen Frühlings wurden durch die Militarisierung der Proteste in Richtung Bürgerkrieg gelenkt, die Stärkung von barbarischen Terrororganisationen wie der ISIS im Irak und in Syrien ist eine der Folgen. Nirgendwo sind durch westliche Sanktionen, machtpolitische Einmischung, Waffenlieferungen und Krieg Demokratie und Menschenrechte gestärkt worden: Die Zivilisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse ist eine zivile Aufgabe. Für diese Möglichkeit stehen auch in Israel KriegsgegnerInnen, die gegen hasserfüllte nationalistische Stimmungsmache in Israel selbst für eine Beendigung der Bombardierung und Abschottung des Gaza-Streifens eintreten. Soziale Wohlfahrt und Frieden in Europa, samt der Ukraine und Russland können nur realisiert werden, wenn die Waffen schweigen. Dafür muss die westliche Unterstützung des Krieges der von Faschisten durchsetzten Kiewer Regierung gegen die eigene Bevölkerung beendet werden. Völkerverständigung und Entspannungspolitik bedürfen einer Renaissance, entgegen der Spannungen verschärfenden medialen Hetze und der Sanktionspolitik gegen Russland. Die Geschichte zeigt: Selbst der faschistische Terror und der Raub- und Vernichtungskrieg konnten die Bestrebungen, eine friedliche und menschliche Welt zu errichten, nicht dauerhaft niederhalten. Europa wurde durch den Widerstand aus vielen Ländern vom Faschismus befreit. Mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurden Konsequenzen gezogen für Frieden, Menschenwürde, soziale Wohlfahrt und die Verpflichtung des Eigentums auf das Allgemeinwohl. 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges stehen wir vor der Aufgabe, diese uneingelösten Ziele voll zu realisieren. Wir setzen uns daher ein für:

  • Den Stopp der Unterstützung der mit Faschisten durchsetzten Regierung in der Ukraine, für einen sofortigen Waffenstillstand zur Beendigung der humanitären Katastrophe und eine Verhandlungslösung.
  • Keine Verschärfung der Gewaltspirale durch Waffenlieferungen in den Irak  – Stopp der Unterstützung und der Geschäfte mit den Hintermännern der ISIS in der Türkei, Saudi-Arabien und Katar. Zivil helfen!
  • Den Bombenkrieg gegen Gaza und die israelische Blockade und Besetzung der palästinensischen Gebiete beenden!
  • Für Frieden und Menschenwürde weltweit: Rüstungsproduktion, Rüstungsexporte und Rüstungsforschung beenden!

„Wenn Menschen widerstehen, handeln Tatsachen.“ Heinrich Mann, „Es kommt der Tag“, 1936.

 

Gedenken an den Nagelbombenanschlag in der Keupstraße

3. August 2014

Pfingstsonntag, am 8. Juni fand in Köln anlässlich des 10. Jahrestages des Nagelbombenanschlags des NSU in der Keupstraße ein großes Kulturfest auf der Keupstraße und dem angrenzenden Gelände des Schauspiels Köln statt. Die Podiumsdiskussionen zum Thema, die Veranstaltungen mit den Rechtsanwälten der Opfer – zu allen Diskussionen kamen mehr Menschen, als die Orte fassen konnten. In einem Durchgang zu einem Hinterhof lasen den ganzen Tag Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaters aus den Akten der Untersuchungsausschüsse, aus Vernehmungsprotokollen und den rassistisch geprägten Zeitungsberichten aus den Jahren, als die Ermittlungen sich gegen die Opfer selbst gerichtet hatten. Trotz der festlichen Stimmung auf der Straße mit viel Musik (im Bild: Auftritt der Microphone Mafia) – hier war es still und die Menschen hörten aufmerksam zu. An den Infoständen der Initiative „Keupstraße ist überall“ wurde über das Vorhaben, die Opfer nach München zum Prozess zu begleiten, viel diskutiert. Auch die VVN Köln war mit einem Infostand vertreten.

Birlikte Fest

Birlikte – Zusammenstehen

Keupstraße - Birlikte Fest

Keupstraße – Birlikte Fest

Keupstraße - Birlikte Fest

Keupstraße – Birlikte Fest

Keupstraße - Kulinarische Variationen

Keupstraße – Kulinarische Variationen

Mehr Infos auf der Webseite der Initiative www.keupstrasse-ist-ueberall.de

Um die Begleitung der Betroffenen nach München zu organisieren, ist auch Geld nötig.
Spendenkonto: VVN e.V. Köln, Santander Bank, BLZ 50033300, Kto 1130469000
IBAN DE085003330011304690 00
BIC SCFBDE33XXX
Stichwort: Keupstraßensolidarität

Broschüre: Von Mauerfall bis Nagelbombe.
Der NSU-Anschlag auf die Kölner Keupstraße im Kontext der Pogrome und Anschläge der neunziger Jahre“, u.a. mit Beiträgen von Mitat Özdemir, Imran Ayata und Katharina König, 128 S. bebildert, ISBN: 978-3-940878-16-8, Preis: 10 Euro. Erhältlich bei der Amadeu Antonio Stiftung (info@amadeu-antonio-stiftung.de) und im Buchhandel. 128 Seiten, ISBN: 978-3-940878-16-8, Preis: 10 Euro zzgl. 2 Euro Versandkosten, auch auf Türkisch

„Von Mauerfall bis Nagelbombe“ setzt die Pogrome der 1990er Jahre in Bezug zu den NSU-Anschlägen und zeigt gemeinsame Erfahrungen und Analysen von Rassismus in Deutschland. Herzstück der Boschüre sind die Interviews mit den Betroffenen der Nagelbombe, die eindrücklich ihre Beobachtungen als Augenzeugen schildern, aber auch davon berichten, welche Tortur sie in den Jahren nach dem Anschlag erleben mussten.

10-Jahre-NSU-Anschlag.pdf

„Es gibt hier keine Kinder“ Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald. Thomas Geve – Zeichnungen eines 15-Jährigen

29. April 2014

Sonntag, 25. Mai, 14 – 15 Uhr

Thomas Geve wurde als Dreizehnjähriger in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und 1945 mit 15 Jahren dort befreit. Er wollte die Haftbedingungen so objektiv wie möglich darstellen, die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse vor dem Vergessen bewahren. 75 Zeichnungen dokumentieren den Alltag in den Konzentrationslagern Auschwitz, Groß Rosen und Buchenwald – öffentliche Hinrichtungen, Hunger, Zwangsarbeit und Krankheit – aber auch die Ankunft der Befreier und den ersten Ausflug nach Weimar. Foyer des NS-Dokumentationszentrums, 4,50 Euro, Leitung: Markus Thulin

Chrysi Avgi – Die griechischen Neonazis der ,Goldenen Morgendämmerung‘

29. April 2014

Mittwoch, 21.5.2014, 19 Uhr

AZ Köln, Eifelwall 7

mit John Malamatinas (Thessaloniki/ Köln), Moderation: Rehzi Malzahn

Veranstalter: Jugendclub Courage Köln e.V., Antifa AK Cologne, AKKU – Antifaschistische Koordination Köln & Umland, VVN-BdA Köln, [out*reach] und der Interventionistischen Linken Köln

Veranstaltungsreihe „Die extreme Rechte in Europa“: Der französische Front National & seine europäische Vernetzung

29. April 2014

Freitag 2.5.2014, 19 Uhr

AZ Köln, Eifelwall 7

mit Bernhard Schmid (Paris), Moderation: Hanna
Parnow

Veranstalter: Jugendclub Courage Köln e.V., Antifa AK Cologne, AKKU – Antifaschistische Koordination Köln & Umland, VVN-BdA Köln, [out*reach] und der Interventionistischen Linken Köln

Wie tolerant ist Köln wirklich?

29. April 2014

Mittwoch, 21. Mai

Am 25. Mai finden die Europa- und Kommunalwahlen statt. Auch in Köln treten rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien an, die gegen die „Zuwanderung in die Sozialsysteme“ und „Armutseinwanderung“ polemisieren, die Menschen als „sozialen Bodensatz“ klassifizieren und das Ergebnis der Bundestagswahl als „entartete Demokratie“ bezeichnen. Welche Zeichen setzen die demokratischen Parteien in dieser Ausein-andersetzung? Es diskutieren Susanna dos Santos (SPD), Brigitta von Bülow (Grüne), Jörg Detjen (Die Linke), Katja Hoyer (FDP), CDU angefragt. Moderation Helmut Frangenberg. Veranstalter: AK Antifaschismus/Antidiskriminierung ver.di, EL-DE-Haus Verein, Kein Veedel für Rassismus, Köln stellt sich Quer. Großer Saal, DGB-Haus, Hans-Böckler-Platz

Vernachlässigte Täter. Der Einsatz der Ordnungspolizei und die Aufarbeitung ihrer Verbrechen nach 1945.

29. April 2014

Donnerstag, 15. Mai; 19 Uhr

Vortrag von Stefan Klemp. Der Historiker und Publizist Stefan Klemp, Autor des Handbuches der Polizeibataillone, „Nicht ermittelt“, hat in seinen jüngsten Publikationen die Beteiligung der Ordnungspolizei bei den Vernichtungsaktionen in Lidice 1942, in Warschau und im Raum Lublin 1943 untersucht.  4,50 Euro, erm. 2 Euro
NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25

Lesung aus den Büchern, die im Mai 1933 von den Nazis verbrannt worden sind

29. April 2014

Mittwoch, 14.5.2014

Alle sind eingeladen, zu den Lesungen zu kommen und sich zu beteiligen! Falls ihr schon vorher wisst, was ihr lesen wollt und wann ihr Zeit habt, gebt eine kurze Rückmeldung an lesungen@yahoo.de, damit die Beiträge koordiniert werden können:

Albertus-Magnus Platz, 11-18 Uhr

Blackbox Abschiebung – Zur Politik der Abschiebungen und ihrer Überwindung

29. April 2014

Mittwoch, 7. Mai, 19 Uhr

Miltiadis Oulios stellt die historischen und theoretischen Hintergründe des Themas Abschiebung dar. Er porträtiert Menschen, die abgeschoben wurden und stellt die Grenzen des Menschenrechtsbegriffs zur kritischen Diskussion.
4,50 EUR, erm. 2 EUR, NS-Dok., Appellhofplatz 23-25

27 Kölner – Ermordet im Zuchthaus Brandenburg-Görden

29. April 2014

Das Zuchthaus Brandenburg-Görden

Das Zuchthaus Brandenburg-Görden

Als Musteranstalt eines humanen Strafvollzugs in der Weimarer Republik konzipiert, wurde das Zuchthaus Brandenburg-Görden 1935 fertiggestellt. Von 1940 bis 1945 war das Zuchthaus eine der großen Hinrichtungsstätten des NS-Regimes. Bis 1940 stieg hier der Anteil der politischen Häftlinge auf etwa die Hälfte an. Mindestens 1798 antifaschistische Widerstandskämpfer aus allen Teilen Europas wurden in Brandenburg-Görden hingerichtet. Die Häftlinge arbeiteten unter schwersten Bedingungen, ab 1939 vor allem für die Rüstungsproduktion. Es herrschten Unterernährung, Krankheiten, Schikanen und Misshandlungen: allein 440 Gefangene starben an Tbc. Im 1986 von ehemaligen politischen Gefangenen des Zuchthauses veröffentlichten „Ehrenbuch“ für die in Brandenburg-Görden umgekommenen Antifaschisten finden sich auch 27 Kölner:

Der am 3. Mai 1904 in Köln-Dellbrück geborene Hermann Nagelschmidt hatte zuletzt als Betriebsarbeiter bei der Reichsbahn gearbeitet. Zuletzt wohnte er auf der „Gretenstr. 3“ (gemeint ist wohl die Grethenstr. 3 in Köln-Longerich). Nagelschmidt wurde am 07.09.1944 wegen „Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Er hatte 1943/44 10 französischen Kriegsgefangenen bei der Flucht geholfen. Das Urteil wurde am 24.10.1944 vollstreckt.

Der am 10.4.1897 in Köln geborene Josef Strucken hatte als kaufmännischer Revisor gearbeitet. Sein letzter Wohnort war Jannadar im Kreis Weißensee. Strucken wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ verurteilt und am 26.02.1945 in Brandenburg-Görden hingerichtet.

Den am 02.06.1902 in Köln geborenen Paul Johannzen hatte es als Bus- und Kraftfahrer ins hessische Wiesbaden verschlagen. Das KPD- und RGO-Mitglied wurde aus politischen Gründen im April 1933 von den Wiesbadener Stadtwerken entlassen. 1934 wird Johannzen zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Am 10.06.1943 wird er aufgrund einer Denunziation erneut verhaftet und wegen der Verbreitung ausländischer Rundfunknachrichten zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Reichsanwalt Parisius erhob Einspruch gegen das Urteil. In einem neuen Verfahren wird Johannzen zum Tode verurteilt und am 08.01.1945 hingerichtet.

Der am 29. April 1899 in Köln geborene Albert Brust war zuletzt als Schlosser in der Rüstungsschmiede Rheinmetall-Borsig in Berlin tätig. Dort war er in einer kommunistischen Widerstandgruppe aktiv. Brust wurde verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ am 25.07.1944 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 25.September gleichen Jahres vollstreckt.

Der 1880 in Witten geborene Paul Reimann war von Beruf Kernmacher. Er lebte zuletzt auf der Euskirchener Str. 17 in Köln-Sülz. Seit Juli 1942 traf sich Reimann regelmäßig mit Gleichgesinnten in Düsseldorf, um gemeinsam ausländische Sender abzuhören, zu diskutieren und Informationen weiterzugeben. Der „marxistische Treff“ flog auf. Reimann und mindestens ein weiterer Mitstreiter aus Düsseldorf wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Das Todesurteil gegen Reimann wurde am 31.07.1944 vollstreckt.

Hans Strunk wurde am 10.07.1920 in Köln geboren. Zuletzt wohnte der Schlosser in Westerland auf Sylt. Strunk wird wegen „Wehrkraftzersetzung“ angeklagt, zum Tode verurteilt und am 15.11.1943 hingerichtet.

Wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt wurde auch der am 17.07.1898 in Köln geborene Leo Statz. Der Fabrikdirektor wohnte zuletzt in Birresborn in der Eifel. Statz hatte der „Zentrumspartei“ angehört und war als Kritiker des NS-Regimes bekannt. Statz wird 1943 von einem seiner Angestellten denunziert, angeklagt und zum Tode verurteilt. Am 01.11.1943 wird Statz hingerichtet.

Willibald Müller wurde am 08.03.1890 in Köln geboren. Müller, von Beruf Maschinist, wohnte zuletzt in Großobisch im Kreis Glogau-Land. Wegen „mehrfach zersetzender“ Äußerungen wurde ihm 1944 der Prozess gemacht. Am 28.09.1944 wird Müller nach der „Kriegssonderstrafverordnung“ zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 13.11.1944 vollstreckt.

Ebenfalls wegen „zersetzender Äußerungen“ angeklagt wurde der am 26.12.1893 in Köln geborene Schriftsteller Axel Rudolph. Rudolph wohnte zuletzt in Semlin im Westhavelland und war als Autor von Kriminal- und Abenteuerromanen bekannt. Die Nazis schlossen Rudolph aus der  Reichsschrifttumskammer aus. Aufgrund einer Denunziation wird er Silvester 1943 verhaftet, angeklagt und zum Tode verurteilt. Am 30.10.1944 wird Rudolph hingerichtet.

Der 1884 in Barmen geborene Wilhelm Schlitt wohnte zuletzt in der Parkstr. 19 in Köln-Marienburg. Der Diplomkaufmann sei ein „wiederholt vorbestrafter Hetzer“, „der sich erneut wehrkraftzersetzend betätigt“ habe, werfen ihm die Nazis vor. Der Prozess endete mit dem Todesurteil. Schlitt wird am 16.10.1944 hingerichtet.

Der Bauingenieur Max Zienow wurde 1891 in Saerbeck bei Münster geboren. Zuletzt wohnte er in der Kirchhofstr. 3 in Köln-Lindenthal. Die Nazis werfen Zienow vor, „sich im September 1943 zersetzend geäußert“ zu haben. Es kommt zum Prozess, der mit dem Todesurteil endet. Das Urteil wurde am 09.10.1944 vollstreckt.

Der Schumacher Heinrich Kaiser wird am 07.07.1900 in Köln geboren. Zuletzt lebte er in dem Ort Schwenten in Schlesien. Kaiser wird vorgeworfen, sich im Sommer 1943 „schwer zersetzend geäußert“ zu haben. Das Gericht verurteilt Kaiser nach der „Kriegssonderstrafverordnung“ zum Tode. Die Hinrichtung erfolgt am 02.10.1944.

Der Angestellte Leo Schneider, geboren am 09.02.1900 in Köln, wohnte zuletzt auf der Leonstr. 6 in Köln-Deutz. 1943 wird Schneider vorgeworfen, sich im „Warthegau“, den die Nazis 1939 im besetzten Polen gegründet hatten, gegenüber „Volksdeutschen“ „schwer defaitistisch geäußert zu haben“. Schneider wird angeklagt und 1944 nach der „Kriegssonderstrafverordnung“ zum Tode verurteilt. Das Urteil wird am 14.08.1944 vollstreckt.

Wegen des gleichen „Deliktes“ muss sich 1944 auch der 1902 in Essen geborene Julius Reimann vor Gericht verantworten. Reimann, der zuletzt am Katharinengraben 76/78 (Altstadt Süd) wohnte, wurde vorgeworfen, sich gegenüber mehreren „Volksgenossen“ im Warthegau „zersetzend geäußert“ zu haben. Auch Reimann wird nach der „Kriegssonderstrafverordnung“ zum Tode verurteilt, das Urteil am 03.07.1944 vollstreckt.

Der 1886 in Gommern geborene Jakob Marmagen war von Beruf Werkmeister und wohnte zuletzt in der „Polinofer Str. 166“ (gemeint ist wohl die Rolshover Str. 166) in Köln-Kalk. Marmagen wird vorgeworfen, „seit längerer Zeit durch hetzerische und zersetzende Redensarten“ auf seine „Arbeitskameraden“ eingewirkt und damit versucht zu haben, „ihre Einsatzbereitschaft und ihre Siegeszuversicht zu untergraben“. Das Gericht verurteilt Marmagen nach der „Kriegssonderstrafverordnung“ zum Tode. Die Hinrichtung wurde am 13.12.1943 durchgeführt.

Der 1879 in Oberfranken geborene Karl Mooskopp wohnte zuletzt auf der Richard-Wagner-Str. 3-4 in Köln. Die Nazis werfen dem Ingenieur vor, seit Kriegsbeginn systematisch ausländische Nachrichtensender abgehört und diese Informationen zu Lageberichten verarbeitet zu haben, die er dann an zahlreiche Personen, darunter Angehörige von deutschen Kriegsgefangenen, verschickt habe. Moos-kopp wird 1943 zum Tode verurteilt, das Urteil am 22.11.1943 vollstreckt.

Der 1895 im niederrheinischen Dülken geborene Karl Schaffhausen war von Beruf Angestellter. Zuletzt wohnte er auf der Roonstr. 47 in Köln. Schaffhausen wurde vorgeworfen, „deutschsprachige Sender des englischen Nachrichtendienstes abgehört“ und „durch Hetzreden Wehrkraftzersetzung betrieben“ zu haben. Das Gericht verurteilt ihn zum Tode. Das Urteil wurde am 15.11.1943 vollstreckt.

Als immer deutlicher wurde, dass Nazideutschland den von ihm begonnenen Krieg verlieren würde, gingen die Behörden und die Militärjustiz mit Terrorurteilen gegen all diejenigen vor, die sich dem Krieg entziehen wollten oder sich ohne Erlaubnis von der Truppe entfernten. Unter den Kölner Toten von Brandenburg-Görden befinden sich auch sechs Männer, denen Desertation zur Last gelegt wurde.

Der Fleischer Alexander Lück, 1920 in Köln geboren, letzter Wohnort war die Formesstr. 86 in Köln-Mülheim (hingerichtet am 17.07.1944), der Schlosser Heinrich Kaltenberg, 1911 in Frechen geboren, letzter Wohnort war die „Weierstr. 3“ in Köln (hingerichtet am 13.03.1944), der Schlosser Joseph Reicherts, 1919 in Köln-Ehrenfeld geboren, letzter Wohnort war Litzmannstadt (hingerichtet  am 10.01.1944),  der Arbeiter Heinrich Zimmermann, 1913 in Köln geboren, letzter Wohnort war Hamburg (hingerichtet am 21.05.1943), der Maler Johann Stendebach, geboren 1922 in Köln, letzter Wohnort war Eigelstein 119 in Köln (hingerichtet am 06.10.1942) und der Bauarbeiter Wilhelm Schleich, 1915 in Kneutingen/Lothringen geboren, letzter Wohnort war die „Lehrerstr. 48“ in Köln (hingerichtet am 17.09.1942).

Der 1895 in Weyer/Kreis Zabern geborene Fotograf Emil Helmstetter wohnte zuletzt auf der „Bachenstr. 6-8“ in Köln. Helmstetter wurde wegen „Landesverrat“ angeklagt, zum Tode verurteilt und am 26.03.1943 hingerichtet.

Der 1920 in Köln geborene Willi Voss war noch Schüler. Der auf der Prinz-Heinrich-Str. 42 in Köln wohnende Voss wurde wegen „Kriegsverrat“ zum Tode verurteilt, das Urteil am 12.02.1943 vollstreckt.

Wegen des Vorwurfs der „Spionage“ zum Tode verurteilt wurden der Landwirt Franz Petereit, 1908 in Jögsden bei Tilsit geboren, letzter Wohnort war auf der „Arnostr. 2“ in Köln (hingerichtet am 09.01.1943) und der 1902 in Köln geborene Laborant Walter Schönholz, der zuletzt in Düsseldorf wohnte (hingerichtet am 28.03.1942).

Gegenüber dem Eingang des früheren Zuchthauses steht seit 1958 ein Gedenkstein mit dem Flammenemblem der FIR, der „Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer“, und der Inschrift „Für die vom Faschismus ermordeten 1798 Widerstandskämpfer. Ihre Taten waren gute Taten.“

hma

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