Wut über das Urteil im NSU-Prozess 

29. August 2018

Presseerklärung von Nebenklagevertreter*innen zum Ende des NSU-Verfahrens

Am Mittwoch, dem 11. Juli 2018, ist nach fünf Jahren das Urteil im NSU-Verfahren vor dem Oberlandesgericht München gesprochen worden.

Wir als Nebenklagevertreter*innen erklären für unsere Mandant*innen:

Wir sind nicht nur enttäuscht, sondern auch wütend über das Urteil. Nicht nur, weil die Angeklagten Eminger und Wohlleben deutlich niedrigere Strafen erhalten haben, als es die Bundesanwaltschaft gefordert hatte. Viel schlimmer ist für die Nebenkläger*innen, dass das Urteil ein Schlussstrich sein will. Das Gericht stellt den NSU als abgeschottetes Trio dar, das bereits vor dem Untertauchen seine Entscheidungen alleine traf.Es spricht auch die Ermittlungsbehörden davon frei, dass sie Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe nach deren Untertauchen hätten finden können und müssen. Den Verfassungsschutz und die strukturell rassistischen Ermittlungen zu Lasten der Angehörigen der Opfer erwähnt es gar nicht. Wut über das Urteil im NSU-Prozess  weiterlesen »

Antisemitischer Übergriff in Bonn

29. August 2018

Ein 50-jähriger, in den USA lebender, israelischer Hochschulprofessor war  am 11.07.2018  in Begleitung einer Bekannten im Bereich des Bonner Hofgartens unterwegs, als ihn  ein 20-jähriger Mann auf seine Kippa ansprach und ihn im weiteren Gespräch beleidigte. Der Angreifer schlug ihm die Kippa mehrfach vom Kopf, schubste und schlug ihn gegen die Schulter und sagte unter anderem: „Kein Jude in Deutschland“. Antisemitischer Übergriff in Bonn weiterlesen »

Neues vom rechten Rand

29. August 2018

Ende Juli zogen wiederholt 7 bis 8 Anhänger der extrem rechten „Identitären Bewegung“ (IBD) durch Köln-Riehl und klebten Plakate mit der Aufschrift „Integration ist eine Lüge!“. Ebenfalls steckten sie Flugblätter der IBD und der extrem rechten „Ein-Prozent“-Bewegung in Briefkästen.

Vereinzelt wurden in den vergangenen Wochen auch Exemplare der Zeitschrift „Blauer Brief“ in Briefkästen gesteckt. Dies ist die Fraktionszeitschrift der AfD Köln. Die Sommer-Ausgabe erschien mit dem Titelblatt „Gefährliche & verrufene Orte in Köln. Schlusslicht von NRW“ und zeigt die U-Bahn-Station „Kalk Post“. Nicht weit von dort, in Humboldt-Gremberg, war Anfang Juli ein 28-jähriger Mann in eine von Kurden betriebene Shisha-Bar gestürmt, hatte rassistische Parolen gerufen, wahllos auf mehrere Menschen eingeprügelt und Inventar zerstört. Vier Gäste wurden dabei verletzt. Neues vom rechten Rand weiterlesen »

Mehrere hundert Menschen protestierten gegen Aufmarsch der „Patrioten NRW“

29. August 2018

Lediglich etwa 120 Nazis haben die Organisatoren*innen aus ganz NRW und darüber hinaus am letzten Samstag, am 18.8. nach Köln angekarrt. Am äußersten Rand des Breslauer Platzes, fernab jeglicher Öffentlichkeit, versammelten sich in einem aufgebautem Käfig Nazi Hooligans von HoGeSa, einige Identitäre und Ex-Pro Kölner*innen, darunter viele Teilnehmende mit eindeutigen Gewaltaufrufen auf ihren T-Shirts. Stefanie L. aus Köln eröffnete die Versammlung, die von beiden Seiten durch Gegendemonstrant*innen beschallt wurden. Mehrere hundert Menschen protestierten gegen Aufmarsch der „Patrioten NRW“ weiterlesen »

Auch bei mehr als 30 Grad: Gemeinsam gegen Atomwaffen

29. August 2018

Der 7. August ist selten regnerisch und kühl. In diesem Jahr aber war es um 17.00 Uhr selbst auf der zugigen Domplatte immer noch deutlich heißer als 30°. Obwohl Eisdielen und Biergärten lockten blieben dennoch eine Menge Menschen, die auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Stadt (oder umgekehrt) waren stehen, und hörten zu, was ihnen die Redner(innen), die während der vom Kölner Friedensforum und der DFG/VK organisierten Kundgebung anlässlich des 73. Jahrestages der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, zu sagen hatten. Sichtlich beeindruckt, lauschten sie den Worten von Herrn Michimasa Hirata, einem Überlebenden dieses Massenmordes. Herr Michimasa, der in Vertretung des bekannten Friedensaktivisten Kazuo Soda nach Köln gekommen war, berichtete nicht nur ergreifend über seine Erlebnisse am 6. August 1945, sondern zog auch Schlussfolgerungen für die Gegenwart. Für ihn hieß das: Atomare Abrüstung genauso wie Ausstieg aus der Atomenergie. Auch bei mehr als 30 Grad: Gemeinsam gegen Atomwaffen weiterlesen »

Fahrt zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung am 1. September 2018

26. August 2018

Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen ein Weltkrieg, bei dessen Ende
fast 6 Jahre später mehr als 55 Millionen Menschen ihr Leben gelassen hatten. Große Teile Osteuropas, wo die faschistischen Armeen am schlimmsten gehaust hatten, waren verbrannte Erde. Die meisten jüdischen Menschen waren von den Nazis und ihren Helfern ermordet worden, ebenso erging es Sinti und Roma, die in den Augen der „Herrenmenschen“ ebenfalls als „rassisch minderwertig“ galten. Fahrt zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung am 1. September 2018 weiterlesen »

Keine Nazikundgebung in Köln – Den „Absaufen“ Rufer*innen entgegentreten

16. August 2018

Erneut haben sich Nazis aller braunen Schattierungen zu einer Kundgebung in Köln angekündigt.
Für den 18.08. rufen die „Patrioten NRW“ zu einer Kundgebung auf dem Breslauer Platz auf.
Die „Patrioten NRW“ ist eine Minigruppe, auf deren Kundgebungen recht verwirrte „besorgte Bürger*innen“ mit Hardcorenazis und Leuten aus dem HOGESA-Umfeld zusammenkommen. Meist mobilisieren sie nicht mehr als 20-30 Anhänger*innen. Auf einer Demo Anfang Juni in Solingen schlossen sich den Patrioten NRW allerdings 150 Demonstranten*innen an, darunter ein größerer Block von 50 Anhänger*innen der rechtsextremen Identitären. Keine Nazikundgebung in Köln – Den „Absaufen“ Rufer*innen entgegentreten weiterlesen »

Ein rotes Haus am Sülzgürtel – Красный“ дом на Сюльцгюртел.

14. August 2018

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Ein rotes Haus am Sülzgürtel

Der Gürtel ist eine breite, mehrspurige Straße, die das linksrheinische Köln zwischen Bayenthal im Süden und Mauenheim im Norden fast komplett umschließt. Sein Name wechselt immer mal wieder, oft heißt er nach dem Viertel, dass er gerade in zwei Teile trennt. Der Sülzgürtel, sein Teilstück zwischen Luxemburger und Zülpicher Straße hat keine besonderen Attraktionen zu bieten: viel Verkehr, viele Genossenschaftswohnungen und das neubebaute Gelände des ehemaligen Sülzer Kinderheims. Und doch findet man an dieser ganz normalen Straße ein Haus, das in der Geschichte des Widerstands gegen die Nazidiktatur ein wichtiger Ort war. Ein rotes Haus am Sülzgürtel – Красный“ дом на Сюльцгюртел. weiterlesen »

Urteil im NSU-Prozess am 11. Juli 2018 – Kein Schlussstrich

4. Juli 2018

Am 11.7. soll endlich das Urteil im Münchner NSU-Prozess gesprochen werden, nach 5 Jahren zäher und immer wieder unterbrochener Verhandlungen. 14 Jahre nach dem Nagelbombenanschlag hier in der Keupstraße und 17 Jahre nach dem Anschlag in der Kölner Probsteigasse!

Dieser Tag soll mit dem Motto „Kein Schlussstrich!“ in München und anderen Städten das Urteil, vor allem aber die vielen nicht beantworteten Fragen von Betroffenen und Hinterbliebenen der Nazi-Terrorangriffe zum Thema machen.

Die Initiative „Keupstraße ist überall“ wird sowohl in München als auch in Köln präsent sein..

Am 10.7., dem Vorabend der Urteilsverkündung, gibt es um 17 Uhr eine Kundgebung auf dem Kölner Wallrafplatz. Um 23 Uhr fährt ein Bus nach München ab, Keupstraße/ Ecke Schanzenstraße.

KÖLN:

Am 11.7. ab 13 Uhr Kundgebung im Innenhof an der Ecke Keupstraße / Genovevastraße mit vielen verschiedenen Beiträgen (Musik, Reden, Livestreaming aus München …).

Für Kontakte mit interessierten Medien bieten wir allen einen ruhigen Ort an, die nicht spontan im Laden oder auf der Straße interviewt werden möchten. Am 11.7. ab 12 Uhr gibt es im 1. Stock des Restaurants Istanbul, Keupstraße 25 ein Pressezentrum, zu dem wir herzlich einladen.

MÜNCHEN

In München wird es ab dem frühen Morgen des 11. Juli eine ganztägige Standkundgebung vor dem Oberlandesgericht in München geben, die von einem breiten Bündnis organisiert wird. Am frühen Abend wird es eine große Demonstration durch München geben.

Bustickets

Bustickets können  ab dem 5.7.2018  am SSK am Salierring, in der Alten Feuerwache am Ebertplatz, in der NOBIKO Nudelbar in Kalk und im Kulturbunker  in Köln-Mülheim gekauft werden. Alternativ können Karten auch über die Emailadresse initiative@keupstrasse-ist-ueberall.de auf der Homepage der Initiative vorbestellt werden.

Alle Infos über www.keupstrasse-ist-ueberall.de

www.facebook.com/keupstrasseistueberall

https:/twitter.com/keupstrasse

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Bartholomäus-Schink-Straße, Köln-Ehrenfeld: Ein Ort des Massenmords / Одно из мест массовых уничтожений людей в Кельне

3. Juli 2018

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Die Ecke Venloer Straße/Bartholomäus-Schink-Straße ist zwar ein lauter Ort aber kein schöner. Die vielbefahrene Bahnlinie nach Aachen, Brüssel und Paris,  die noch stärker befahrene Venloer Straße, eine Spielhalle, ein Fahradabstellplatz, wenige Meter weiter der Clubbahnhof Ehrenfeld – alles nicht sehr spektakulär, eher unspannend und häßlich. Wäre da nicht das bunte, auf den ersten Blick verwirrende Wandbild mit dem Piratenschiff, den gesichtslosen, grauen marschierenden Kolonnen, die an einen Zombieaufmarsch erinnern, dazu eine Bronzetafel, unter der manchmal Blumen und Kränze liegen und der Straßenname: Bartholomäus-Schink. Klingt altmodisch, Bartholomäus ein bißchen wie ein katholischer Heiliger – aber welcher Heilige hieß schon Schink mit Nachnamen?

Versetzen wir uns in den Herbst 1944, genau in den 25 Oktober des vorletzten Kriegsjahres: Die Stadt ist weitestgehend ein Trümmerfeld und auch in Ehrenfeld sind nur wenige Häuser noch unversehrt. Die Menschen, die noch in der Stadt leben (es sind längst nicht mehr so viele wie noch Jahre zuvor), hausen häufig in Kellern oder zerschossenen Wohnungen. In den Trümmergrundstücken verstecken sich auch Untergetauchte: Geflohene Zwangsarbeiter(innen), die die Naziwehrmacht aus den überfallenen und versklavten Ländern vor allem in Osteuropa verschleppt hatten und die die Produktion der Betriebe aufrecht erhielten. Da gab es auch deutsche politische Nazigegner(innen), Deserteure, die sich nicht mehr in den letzten Kriegsmonaten verheizen lassen wollten, Jugendliche, die andere Vorstellungen von ihrem Leben hatten, als die Hitlerjugendführer. Allen gemeinsam war, das sie sich verstecken mussten – gefasst zu werden hätte Zuchthaus, KZ oder die Ermordung bedeutet.

Am 25. Oktober 1944 wurden 11 Zwangsarbeiter ohne Gerichtsverfahren von der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) am Bahndamm an der Hüttenstraße, so hieß die Bartolomäus-Schink-Straße damals, öffentlich gehenkt. Einer der elf kam aus Kroatien Wasslij Roman-Car), zwei aus der Ukraine (Iwan Komaschko und Iwan Orichowski), einer aus Polen (Bronislaw Dobanowski), zwei aus Russland ( Wolodmar Kozemba und Iwan Wolowski) – und keiner war älter als 22 Jahre. Die Nationalität der übrigen fünf ist, wie ihre Namen, bis heute unbekannt. Die erhalten gebliebenen Bilder der Ermordung lassen uns heute noch das Blut in den Adern gefrieren: Hunderte, wenn nicht tausende Menschen waren als Zuschauer(innen) anwesend und betrachteten das grausige Geschehen. Da nicht alle Erhängten sofort tot waren, wurden einige langsam und qualvoll erdosselt, in dem GESTAPO-Männer Stricke um ihre Beine legten und daran zogen. Das Erhängen der 11 Männer war keine Hinrichtung – es war elffacher Mord. 

Nur 16 Tage später mordete die GESTAPO an gleicher Stelle erneut: Diesmal handelte es sich bei den Opfern um Mitglieder der „Ehrenfelder Gruppe“, darunter auch Jugendliche, die sich Edelweißpiraten nannten. Die 13 Opfer der Nazis kamen aus unterschiedlichen Zusammenhängen. Gemeinsam war ihnen, dass sie die Nazidiktatur ablehnten und gegen sie kämpften – einige von ihnen auch bewaffnet. Einige lebten illegal in den Trümmergrundstücken und waren um zu überleben darauf angewiesen, zu stehlen. Sie versteckten jüdische Menschen, unterstützten untergetauchte Zwangsarbeiter(innen). Die meisten von ihnen waren sehr jung, der Jüngste von ihnen, Bartholomäus-Schink, ein Edelweißpirat, war bei seiner Ermordung gerade erst 16 Jahre alt.

Im Einzelnen handelte es sich um: Gustav Bermel (17 Jahre), Peter Hüppeler (31 Jahre), Heinrich Kratina (38 Jahre), Wilhelm Kratz (42 Jahre), Johann Krausen (57 Jahre), Roland Lorent (24 Jahre), Josef Moll (41 Jahre), Johann Müller (16 Jahre), Franz Rheinberger (17 Jahre), Bartolomäus Schink (16 Jahre), Adolf Schütz (18 Jahre), Günther Schwarz (16 Jahre) und Hans Steinbrück (23 Jahre).

Одно из мест массовых уничтожений людей в Кельне.

Угол Венлоер и Бартоломеус-Шинк улиц, довольно оживленная часть центра Кельна. Это и железнодорожная ветка в направлении Аахен, Брюссель и Парис, это и насыщенная автомобильная улица Венлоер, Игровое кафе, огромная площадка для велосипедов – все довольно таки не эффектно, точнее серо и уродливо. Если бы взгляд не упал бы на стену: пиратский корабль и марширующие безликие колонны, напоминающие колонны зомбированных, в углу бронзовая табличка, где время от времени появляются цветы, венки, свечи и название улицы: Бартоломеус-Шинк. Звучит не актуально для сегодняшнего времени, не современно, Бартоломеус похоже больше на имя католического святого, а вот какой святой скрывается за именем Шинк……

Давайте перенесемся в прошлое в осень 1944, если быть точнее 25 октября 1944 года. Разрушенный Кельн, здесь нет больше той былой красоты, город в руинах. Люди,которые остались в городе и не захотевшие его покинуть, живут в подвалах. Здесь же скрываются те кто сбежал из концентрационных лагерей, это те кого взяли в плен в странах Восточной Европы и были привезены в Германию для работ. Кроме того в этих развалинах скрывались и немцы которые были не согласны с режимом нацистов и всеми силами пытавшиеся противостоять. Но и молодое поколение они не взявшие в руки оружие и не разделяющие взгляды молодежного движения Гитлеровцев.

25 октября 1944 года 11 военнопленных были прилюдно повешены сотрудниками Гестапо , без вынесения какого либо судебного приговора, на железнодорожной насыпи улицы Хюттен(теперь это Бартоломеус-Шинк улица). Один из одиннадцати был из Хорватии Василий Роман Кар, двое из Украины Иван Комашко и Иван Ориховски, один из Польши Бронислав Добановски, двое из России – Володмар Коземба и Иван Воловски. Национальность и имена оставшихся пятерых к сожалению до сегодняшнего дня не известны. Тот факт, что не один из одиннадцати, не был старше 22 лет приводит в ужас. От кадров этой казни до сих пор стынет кровь в жилах: тысячи людей были свидетелями этой казни. Это было больше похоже на уничтожение молодого поколения.

И вот через 16 дней сотрудники Гестапо совершают очередную казнь: это были молодые люди группы из Эренфельд, которые сами себя называли Пиратами Эдельвайс. 13 молодых людей были публично повешены на глазах тысячи людей. Все они были против диктатуры националистов, они помогали скрываться людям еврейской национальности, они прятали сбежавших военнопленных. Все они были совсем молоды, самому молодому из них, Бартоломеус-Шинк, пирату Эдельвайс было всего лишь 16.

Вот имена этих молодых людей и их возраст на день казни:

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