Abschied von Walborg Schröder
31. August 2026
Wir müssen Abschied nehmen von unserer Bergisch Gladbacher Kameradin Walborg Schröder, die am 27. Juni im Alter von 93 Jahren verstarb. Walborg war das Gesicht unseres Verbands in ihrer Heimatstadt, nicht zuletzt wegen der von ihr initiierten und mitgestalteten Mahnwache an den ehemaligen Stella-Werken, in denen 1933 Antifaschisten aus der Arbeiterbewegung gefangen gehalten und gequält wurden.
In seinem Nachruf schreibt der DGB u.a.:
„Mit großer Trauer nimmt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Rhein-Berg Abschied von Walborg Schröder…. Mit ihr verliert Bergisch Gladbach eine überzeugte Gewerkschafterin, engagierte Antifaschistin und leidenschaftliche Kämpferin für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte.
Die Erfahrungen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft prägten Walborg Schröders Leben und ihre politische Haltung. „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Für Völkerverständigung!“ – diese Überzeugung war für sie kein bloßer Leitsatz, sondern Grundlage ihres jahrzehntelangen gesellschaftlichen Engagements.

Walborg Schröder war Gewerkschafterin bei ver.di und beim DGB Rhein-Berg, Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und über viele Jahrzehnte in der Frauenbewegung sowie bei den FINTE-Frauen aktiv. Besonders eng verbunden war sie mit der Erinnerungsarbeit in Bergisch Gladbach. Seit Beginn der 1990er-Jahre prägte sie die jährliche Mahnwache am ehemaligen Stellawerk. Gemeinsam mit dem DGB Rhein-Berg und der VVN-BdA erinnerte sie dort an die Opfer des Nationalsozialismus und setzte sich entschieden gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus ein….
Walborg Schröder hat sich eingemischt, widersprochen und Haltung gezeigt – auch dann, wenn es unbequem war. Ihre Stimme wird uns fehlen. Ihr Mut, ihre Klarheit und ihre Menschlichkeit werden bleiben.“
Bei der Trauerfeier für Walborg hob Peter Trinogga für die Kölner VVN-BdA hervor:
„Sie stellte Anforderungen, sie forderte ihre MitstreiterInnen – aber nicht, weil sie persönlich im Mittelpunkt stehen wollte, sondern weil es ihr um die Sache ging. Die sollte gut werden und als Kommunistin wusste sie, dass dafür gute Organisation nötig ist.
Was aber war diese Sache, für die sie kämpfte? Es ging ihr immer um zwei Ziele, die nicht von einander zu trennen sind, um Antifaschismus und um Frieden. Das waren aber nicht nur abstrakte Begriffe, nein, es sind Bedingungen dafür, dass die Menschen ohne Unterdrückung, Terror und militärische Gewalt glücklich leben können. Ob das dann im Einzelfall auch immer so sein wird, wissen wir nicht. Sicher ist aber, dass Freiheit vom Faschismus und der Frieden Voraussetzungen für ein glückliches Leben sind. Und genau darum ging es ihr. Walborg sprach nicht oft von sich und ihrem Leben, jedenfalls habe ich es nicht oft erlebt. Wenn sie aber darüber sprach, drehte es sich immer um ihre Kindheitserinnerungen im deutschen Faschismus und die Barbarei des von ihm begonnen Krieges mit all seinen Auswirkungen.
Diese Barbarei sollte sich keinesfalls wiederholen und deshalb hieß ihre auch ganz persönliche Schlussfolgerung: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! Das war, glaube ich, ihr Antrieb zu handeln. Aus diesem Antrieb widmete sie, vor allem in ihren letzten Lebensjahren ihre ganze Kraft (und wenn ich mir ihr Auftreten bei den Mahnwachen in Erinnerung rufe, meine ich das ganz wörtlich), dem Auftreten gegen Rechts und dem unablässigen Eintreten für Frieden und Völkerverständigung – nicht nur, aber vor allem, mit den Völkern der ehemaligen Sowjetunion. Hannes Wader sang in einem seiner Lieder vom „Traum vom Frieden“. Walborg stritt für diesen Traum – nicht im Sinne eines nächtlichen Hirngespinsts sondern in der Gewissheit, dass Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern und den Menschen möglich sind, wenn wir alle gemeinsam dafür eintreten, Aber auch, dass dieses gemeinsame Eintreten unabdingbar ist, denn von allein kommt der Frieden nicht.“
Unser Mitgefühl gilt ihrer Tochter Andrea und ihren Enkelinnen Maike und Maia.




