Lesung anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung 

15. Mai 2026

„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder brennende Bücher!

Lesung anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung 
„Auch heute noch bin ich davon überzeugt, dass ein einstimmiger Protest der gesamten deutschen Professorenschaft, der Lehrer, Künstler, Verleger und Autoren, verbunden mit der sofortigen Schließung der Schulen, Universitäten und Kunstzentren, die Machtergreifung der Hitler-Regierung verhindert hätte. Doch die Professoren und intellektuellen Kreise schwiegen. Sie erwiesen sich als der Situation nicht gewachsen, die eine einstimmige und umfassende Zivilcourage erforderte.“  

Der ehemalige Kölner Ethnologe, Soziologe und Hochschullehrer Julius Lips, Vorwort aus dem Buch „The Savage Hits Back“,  1937 in den USA erschienen, aus dem Englischen übersetzt.

„Das Lernen des Schauspielers muß zusammen mit dem Lernen der anderen Schauspieler, sein Aufbau der Figur mit dem Aufbau der anderen Figuren vorgenommen werden. Denn die kleinste gesellschaftliche Einheit ist nicht der Mensch, sondern zwei Menschen. Auch im Leben bauen wir uns gegenseitig auf.“

Bertolt Brecht, Kleines Organon für das Theater, 1949.


Nie wieder! Am 10. Mai 1933 wurden, organisiert von der „deutschen Studierendenschaft“, an den deutschen Universitäten die Bücher von  jüdischen, bürgerlich-humanistischen und marxistischen Autor*innen unter dem Motto „wider den undeutschen Geist“ verbrannt, um Antisemitismus, rassistische Hetze, Nationalismus und Heroisierung des Soldatentums wider jede Vernunft und Humanität durchzusetzen – eine Woche später, am 17. Mai, auch an der Universität Köln. Mit der Bücherverbrennung wurde die Gleichschaltung der Hochschulen mit den menschenverachtenden Zielen der Nazis vorangebracht, wurde Militarismus, Krieg und Vernichtung der Boden bereitet.

Verbrannt, verfolgt und ins Exil getrieben wurden all diejenigen, die für Humanität, Völkerverständigung und Frieden standen, dazu gehörten Wissen- und Kulturschaffende wie Irmgard Keun, Bertolt Brecht, Franz Kafka, Mascha Kaléko, Sigmund Freud, Erich Kästner, Anna Seghers, Ernest Hemingway, Bertha von Suttner, Heinrich und Klaus Mann, Karl Marx, Heinrich Heine, Albert Einstein, Maxim Gorki, Rosa Luxemburg, Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky, Else Lasker-Schüler und viele andere. Aus dem Exil in den USA kritisierte der oben zitierte ehemalige Hochschullehrer und ehemalige Leiter des damaligen Rautenstrauch-Joest-Museums die „aktive Mitwirkung der deutschen Intellektuellen an dem Krieg, den eine politische Partei gegen die Menschlichkeit, die Gerechtigkeit und die Wahrheit, mit anderen Worten gegen die Zivilisation, führte“. Er gehörte zu denen, die schon in der Weimarer Republik gegen die kolonialistische Exotisierung und Entmenschlichung des „Fremden“, gegen die Behauptung der Höherwertigkeit westlicher Kultur und „Rasse“ eintraten, die wissenschaftlich begründeten, warum der Krieg „aller gegen alle“ nicht in der Natur des Menschen liegt und für Dialog zwischen Menschen und Kulturen eintrat.

Der Faschismus musste, um sich an der Macht zu konsolidieren, Nationalismus und Feindbilder schüren und jede Möglichkeit bekämpfen, in den zum „Feind“ Erklärten  Menschen und Gleiche zu erkennen. Er musste gegen jede Vernunft die Allewigkeit und Natürlichkeit von Konkurrenz und Krieg behaupten, jede Zivilcourage, jede Zusammenarbeit für eine humane Welt unterdrücken. Und dennoch: Das antifaschistische Bündnis, die Kooperation für eine universell menschenwürdige Welt, ist zustande gekommen, weil Menschen widersprochen und widerstanden haben, weil gerade in Zeiten der Unterdrückung und der Gewalt gelernt und kooperiert worden ist für eine Welt des Friedens, in der Krieg und Faschismus nie wieder sein mögen, für eine Welt, in der „der Mensch dem Menschen ein Helfer“ (Brecht) sei. Ihre Verwirklichung steht heute aus.  

Wir laden alle ein, zum Zuhören und Lesen, zum Nachdenken, Neu-sehen und Neu-lernen, zum In-die-Geschichte-greifen und Diskutieren.“

Wir freuen uns über alle Mitlesenden und Zuhörenden am 18.05.!

Viele Grüße

der Arbeitskreis Zivilklausel