Aufruf zum Ostermarsch RheinRuhr 2018

19. März 2018

Abrüsten statt aufrüsten – Atomwaffen abschaffen – Friedenspolitik statt Konfrontation!

Truppenaufmärsche und Auslandseinsätze stoppen, Verhandeln statt schießen!

„Krieg und Terror in zahlreichen Regionen der Welt: in Syrien, im Irak, in Mali, im Jemen, in Afghanistan… In Europa spitzt sich die Konfrontation zwischen NATO und Russland durch gefährliche Militärmanöver und Truppenaufmärsche zu. Bei all dem sind deutsche Soldaten und Waffen mit im Einsatz.“ So lauten die ersten Zeilen des Ostermarschaufrufes Rhein-Ruhr 2018. Weiter wird der Text der Unterschriftensammlung „Abrüsten statt aufrüsten“ zitiert, den bereits weit über 20.000 Menschen unterzeichnet haben. (https://www.abruesten.jetzt.de) Gemeinsam mit vielen Freundinnen und Freunden des Friedens bundesweit ruft der Ostermarsch Rhein-Ruhr alle Menschen auf, gegen diesen Rüstungswahnsinn und für eine Welt der Zusammenarbeit und Solidarität aller Menschen zu demonstrieren!

Samstag, 31. März, 12 Uhr

Bahnhofsvorplatz Köln,

anschließend Fahrt nach Düsseldorf zum Ostermarsch Rheinland,
Beginn 14 Uhr,
DGB-Haus Düsseldorf.

Film: „Nacht und Nebel“. Der Film, mit dem alles anfing (1955/56)

19. März 2018

Sonntag, 18. März 2018, 11 Uhr

Vortrag mit Hannes Heer sowie Film „Nacht und Nebel“ von Alain Resnais, F 1956, 32 Min.

Alain Resnais’ 1955 in Auschwitz gedrehter und mit Archivmaterial ergänzter Film ließ keinen Zweifel daran, dass, trotz des Schweigens der Deutschen, die Todeslager, die Täter und deren Opfer nicht vergessen waren. Um einen internationalen Aufschrei und den bundesdeutschen Schock zu vermeiden, ließ die Bundesregierung den Film 1956 aus dem Programm der Filmfestspiele in Cannes entfernen – der Film behindere die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen.

Filmforum NRW im Museum Ludwig, Bischofsgartenstraße 1, Preis: € 10,00, ermäßigt: € 6,00

Neues vom rechten Rand

geschrieben von hma

19. März 2018

Der Kölner AfDler Roger Beckamp gehörte unlängst einer Delegation von AfD-Landtagsabgeordneten an, die auf die Krim gereist waren. Dort forderte Beckamp, die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Der Kölner AfD-Stadtrat Wolfram Baentsch hat unterdessen erneut der extrem rechten Zeitschrift „ZUERST!“ ein Interview gegeben. Der Autor des Buches „Der Doppelmord an Uwe Barschel“ vertritt in dem Interview hartnäckig die These, dass der damalige CDU-Politiker ermordet worden sein könnte. Das Interview mit Baentsch ist ein weiterer Beleg dafür, dass die AfD von Anfang an ein Sammelbecken von „Verschwörungs-theoretikern“ und „Parteibuchsammlern“ war, wie der frühere Kölner AfD-Stadtrat Hendrik Rottmann Ende vergangenen Jahres bemerkte, als er seinen Austritt aus der AfD bekannt gab. Mit seiner Ankündigung – als langjähriges CDU-Mitglied – die AfD wählen zu wollen, hatte der in Köln und in der Eifel lebende Unternehmer Prof. Dr. Max Otte im vergangenen Jahr einiges Aufsehen erregt. Immerhin war der Unternehmer und Publizist („Der Crash kommt“) „Börsianer des Jahres“ 2009 und 2010 und leitet in Köln das Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Otte verwaltet verschiedene Fonds, in die Anleger investieren können. Ende vergangenen Jahres verwaltete er knapp 200 Mio. Euro. Unlängst wurde bekannt, dass der Unternehmer im vergangenen Jahr die „Oswald-Spengler-Gesellschaft“ mitgegründet hatte und nun als deren Schatzmeister fungiert. Als Vertreter der „Konservativen Revolution“ gehörte Spengler (1880-1936) zu den ideologischen Wegbereitern des Hitler-Faschismus. Schon 2011 hatte Otte an einer Gedenkveranstaltung am Grab Oswald Spenglers auf dem Münchener Nordfriedhof teilgenommen. Etwa 30 Personen waren damals der Einladung des neurechten „Instituts für Staatspolitik“ gefolgt. Anlässlich des 100.Jahrestages der Erstveröffentlichung von Spenglers Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ will die Gesellschaft in diesem Jahr eine Konferenz in Brüssel durchführen. Zuvor hat Otte aber noch ein eigenes Projekt geplant. Mit einer halbseitigen Anzeige im rechten Wochenblatt „Junge Freiheit“ (9-2018) lädt Otte für den 5.Mai zu einem „Neuen Hambacher Fest“ auf das Hambacher Schloss ein. In Anknüpfung an die Vormärz-Demonstration von 1832 am Hambacher Schloss will Otte ein großes Volksfest durchführen. Auf diesem sollen u.a. der umstrittene Buchautor Thilo Sarrazin (SPD), die Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler (FDP) und Klaus-Peter Willsch (CDU), der ehemalige CDU-MdB Willy Wimmer, Vera Lengsfeld und zwei „Überraschungsgäste“ auftreten. Eingeleitet werden soll das Fest mit einer „Patriotenwanderung“ von Neustadt zum Schloss.

Köln gegen den Krieg in Afrin

16. März 2018

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– Keine Unterstützung für Erdogans Krieg –
am 21. März 2018, 17:00 Uhr
vom Rudolfplatz zum Alter Markt

Am 21. März ist Newroz, das Neujahrsfest der Kurdinnen und Kurden. Wir begehen Newroz, indem wir hier zusammen
gegen den Krieg des türkischen Regimes protestieren und uns mit der Bevölkerung in Afrin solidarisieren!!
Die Türkei, NATO-Mitglied und EU-Beitrittskandidat, führt seit dem 20. Januar einen völkerrechtswidrigen, blutigen und
zerstörerischen Belagerungs- und Besatzungskrieg gegen die kurdische Enklave Afrin in Nordsyrien.
Türkische Kampfjets bombardieren tagtäglich die kurdischen Siedlungen in und um Afrin. Artillerie und Leopard-Panzer
aus deutscher Produktion nehmen Dörfer unter Beschuss, türkische Todesschwadronen und mit dem türkischen Regime
verbündete Islamisten morden die Zivilbevölkerung, verwüsten Siedlungen und vernichten die Lebensgrundlagen der
dort lebenden Menschen. Bis Mitte März wurden Hunderte getötet und über 60.000 Menschen mussten ihre an der
Grenze liegenden Dörfer verlassen und wurden so zu Binnenflüchtlingen im eigenen Land.
Für diesen Invasionskrieg der türkischen Regierung gibt es weder ein Mandat oder eine Resolution der UN noch gibt es
eine Erlaubnis durch die syrische Regierung. Somit ist der Krieg gegen Afrin, das seit Jahren über 300.000 arabische
Kriegsflüchtlinge aus Aleppo, Jarablus und Idlib beherbergt, schlicht und ergreifend ein Völkerrechtsbruch, ein illegaler
und illegitimer Aggressionsakt.
Trotzdem aber herrscht auf internationaler Ebene Schweigen gegenüber den Verbrechen des türkischen Militärs. Weder
von der Bundesregierung und der EU noch von der Völkergemeinschaft der NATO gibt es Versuche und Initiativen,
diese Gräueltaten zu beenden. Der völkerrechtswidrige Krieg wird stillschweigend geduldet.
Die türkische Regierung behauptet, dass der vom Sicherheitsrat ausgerufene Waffenstillstand das Gebiet um Afrin nicht
betreffe, und sie werde ihren Einmarsch fortsetzen, bis alle „Terroristen“ vernichtet sind. Mit „Terroristen“ meint sie die
kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die zur Zerschlagung des IS (Islamischer Staat) entscheidend
beigetragen haben und mit den USA koalieren.
Diese Doppelmoral der Völkergemeinschaft ist beschämend. Dieser Doppelstandard öffnet weiteren Gräueltaten Tür und
Tor und ermutigt die türkische Regierung, ihren Besatzungskrieg gegen die Zivilbevölkerung in Afrin fortzusetzen und
auszuweiten.
Die Kriegsverbrechen in Afrin sind der Bundesregierung genauso bekannt wie die fortgesetzten Menschenrechts-
verstöße in der Türkei. Doch die Bundesregierung schweigt im „Interesse einer Normalisierung des Verhältnisses zur
Türkei“ – und macht sich so mitschuldig an den Verbrechen !
Wir Kölnerinnen und Kölner sagen „Nein zum Krieg des türkischen Regimes!“ Dieser Krieg wird auch mit aus
Deutschland gelieferten Waffen geführt. Die Leopard-Panzer und Haubitzen töten Zivilist*innen in Afrin und zerstören die
Lebensgrundlagen der Bevölkerung.

  • Die Bundesregierung muss sich ohne „Wenn und Aber“ für einen sofortigen Stopp des türkischen Angriffs in
    Afrin/Nordsyrien einsetzen.
  •  Alle deutschen Rüstungsexporte in die Türkei müssen umgehend gestoppt werden, eine Modernisierung der
    Leopard-2-Panzer durch Rheinmetall darf nicht stattfinden.
  •  Deutschland und die EU sind aufgefordert, sich konsequent gegen eine weitere Gewalteskalation und für
    Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte sowie die Ahndung und Aufarbeitung von Straftaten gegen das
    Völkerrecht in der Region einzusetzen.
    Veranstalter: Plenum “Frieden und Freiheit für die Türkei und Kurdistan”, das aus Friedens-, Menschenrechtsgruppen und
    Einzelpersonen besteht

„Identitäre“ und andere rechtsextreme Aktivitäten in Köln Nord

16. März 2018

Dienstag  20.März 2018, 19 Uhr in den Vereinsräumen „Hennamond“,

Wilhelm Sollmann Strasse 103, Köln Longerich,

direkt an der Haltestelle Herforder Str, KVB Linie 15 

In Longerich und in Niehl im  Kölner Nordens tauchen in letzter Zeit Postwurfsendungen der „Identitären Bewegung“  auf  oder werden Aufkleber verklebt. Hinter dieser „Bewegung“ versteckt sich eine (neu-)rechte Gruppierung, die versucht im Dunstkreis zwischen Konservatismus und Neonazismus junge Menschen anzuziehen. Ihre vermeintlich harmlos klingenden Parolen kaschieren nur ihren rechtsextremen Kern. So behaupten sie beispielweise, Migrationsströme seien gezielt gelenkt, um die einheimische Bevölkerung zu verdrängen. Auch wenn die „Identitäre Bewegung“  eher ein überschaubares Grüppchen ist, sind sie bestens im neurechten Milieu vernetzt, etwa mit der Jugendorganisation der AfD.  Am Tatort des rassistischen Überfalls auf den jungen Mann an der Kreuzung Escher Strasse/Äussere Kanalstrasse  und auf Stromkästen im Blücherpark taucht ein mit Schablone gespraytes Symbol der „Identitären“ auf, übrigens haben die Sprayer die Schablone dummerweise spiegelverkehrt gehalten.

Auf der Veranstaltung wollen wir über die „Identitäre Bewegung“ aufklären und besonders ihre Aktivitäten in Köln, auf der Hohenzollernbrücke, am Ebertplatz und um die Fachhochschulen Südstadt  und Deutz unter die Lupe nehmen. Auch weitere rechtsextreme Aktivitäten im Kölner Norden werden  Thema sein.

Wir freuen uns für den Abend einen Referenten der  „Informations- und Bildungsstätte gegen Rechtsextremismus der Stadt Köln „ gewonnen zu haben.

In der stadtweiten Initiative „Kein Veedel  für Rassismus“  versuchen wir überall dort mitzumischen, wo Rechtsextreme aktiv werden.  Alle sind eingeladen mit uns die Augen offenzuhalten und jedem Versuch entgegenzutreten, gesellschaftliche Probleme für rechtsextreme Hetze zu missbrauchen.

Eine Veranstaltung des „Bündnis Köln Nord gegen Rechts“ im Rahmen von „Kein Veedel für Rassismus“

Kontakt: kvfr-koeln.nord@posteo.de

Gegen rechtsextreme , rassische, sexistische oder homophobe Äusserungen werden wir von unserem Hausrecht Gebrauch machen

viSdP Karl Ferrer, Neusser  Str 132, 50733 Köln

Erinnerung an NS-Massenverbrechen in der Kriegsendphase: Mahn- und Gedenkfahrt von Köln nach Lüdenscheid

16. März 2018

Eine Gedenkfahrt zu den Stätten der bisher fast vergessenen Massenverbrechen der Gestapo fand am Samstag, dem 3. März statt. Sie wurde veranstaltet von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / VVN-BdA NRW und unterstützt von der Kölner Gedenkstätte EL-DE-Haus sowie vom Bündnis Oberberg-ist-bunt-nicht-braun und der Friedensgruppe Lüdenscheid. Mitarbeiter der Gedenkstätte „Gestapozellen im Alten Lüdenscheider Rathaus“ hatten die Initiative ergriffen, um die Recherchen und Aktionen zur Erinnerung an fast vergessene NS-Massenverbrechen aus dem Rheinland und Südwestfalen im Frühjahr 1945 voran zu bringen. An Gedenkorten in Köln-Deutz, Lindlar und an der Klamer Brücke/Versetalsperre wurden Blumen niedergelegt. In Gedenkreden wurden die Toten geehrt und die Täter angeprangert. Dazu zählten die Sklavenhalter-Firmen wie Hochtief AG Essen und Vereinigte Stahlwerke Dortmund, die gemeinsam mit der Gestapo betriebliche KZs unterhielten.

Ulrich Sander, Bundessprecher der VVN-BdA, hielt an der Gedenktafel für ermordete Zwangsarbeiter an der St. Severin-Kirche in Lindlar folgende  Ansprache:

Jahr für Jahr sind Antifaschist/innen zu Ehren der Opfer der Kriegsendphase, der Todesmärsche unterwegs. Sie gehen in die Wenzelnbergschlucht bei Solingen und in die Bittermark bei Dortmund. Sie fahren mit dem Rad von Sachsenhausen nach Schwerin, und sie marschieren von Leipzig nach Wurzen; in Gardelegen ehren sie die in letzter Minute in einer Scheune vom der Nazipartei verbrannten eintausend Zwangsarbeiter von Quandt.

Heute geht es per Bus von Köln nach Hunswinkel bei Lüdenscheid. Ich begrüße besonders den Aufruf der Gedenkstätten in Köln und Lüdenscheid zu diesem unseren Aufklärungsunternehmen.

Wir erinnern an Todesmärsche und Massenmorde der Gestapo Köln und der Gestapo Dortmund kurz vor Kriegsende 1945.

Aus Berlin hatten diese wie andere Gestapostellen im Januar 1945 folgendes Telegramm erhalten:

An die Leiter der Staatspolizei(leit)stellen Düsseldorf, Münster, Dortmund und Köln.

Geheime Reichssache – persönlich.

Die gegenwärtige Gesamtlage wird Elemente unter den ausländischen Arbeitern und auch ehemalige deutsche Kommunisten veranlassen, sich umstürzlerisch zu betätigen. Größte Aufmerksamkeit ist daher geboten. Dass der Feind Vorbereitungen getroffen hat, geht aus einer Meldung des O.B.-West (Oberbefehlshaber der Wehrmacht-West, das war Generalfeldmarschall Walter Model – d. V.) hervor. Es ist in allen sich zeigenden Fällen sofort und brutal zuzuschlagen. Die Betreffenden sind zu vernichten, ohne im formellen Weg vorher beim RSHA Sonderbehandlung zu beantragen. Die Leiter der Kriminalpolizeistellen sind persönlich von Ihnen entsprechend zu informieren.

Dieser Befehl benannte Ausländer, Umstürzler und Kommunisten als Feinde, die „zu vernichten“ seien. Für ausländische Häftlinge gab es schon früher die „Sonderbehandlung“, wie die Massentötung genannt wurde. Um auch deutschen Staatsangehörigen „Sonderbehandlung“ zuteilwerden zu lassen, erging ein besonderer Befehl, mit dem für sämtliche Opfer jede juristische Verfahrensweise, jedes Einschalten von Gerichten und Beschwerdeinstanzen ausgeschlossen wurde. Dieser Befehl wurde vom Amtschef IV des Reichssicherheitshauptamtes, dem Gestapochef Heinrich Müller, und vom Inspekteur der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS, Dr. Albath, an die Leiter der Gestapo Düsseldorf, Münster, Köln und Dortmund am 25. Januar 1945 telegrafisch versendet; es wurde die Weisung erteilt, bei der Liquidierung – genannt „Sonderbehandlung“ – von Häftlingen aus eigener Machtvollkommenheit zu entscheiden.

Wir erinnern: Kurz vor der Befreiung im Frühjahr 1945, 8. Mai, wurden noch Tausende Antifaschistinnen und Antifaschisten von den Nazis ermordet. Auch im Westen hat die Gestapo-Leitstelle Köln eine fast vergessene Blutspur hinterlassen. Von Köln aus wurden mindestens 1.000 Gefangene aus den Benelux-Ländern und dem Rheinland durch das Bergische Land in das sogenannte „Arbeitserziehungslager“ Lüdenscheid-Hunswinkel im Versetal (heute unter den Fluten der Versetalsperre) und dem Exekutionsort Hühnersiepen (heute eine Kriegsgräberstätte) getrieben. Circa 300 wurden dort hingerichtet, viele kamen auf dem Todesmarsch ums Leben. In Köln selbst ermordeten die Faschisten kurz vor der Befreiung 1.800 in- und ausländische Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Juden.

Während die Kriegsendverbrechen in der Dortmunder Bittermark/Rombergpark und der Solinger Wenzelnbergschlucht seit Jahrzehnten erforscht sind und dort jedes Jahr würdige Gedenkveranstaltungen stattfinden, wollen wir heute eine solche Tradition auch in Köln und Lüdenscheid begründen. Die Initiative hierzu ergriff Matthias Wagner, Leiter der Gedenkstätte „Gestapozellen im Alten Lüdenscheider Rathaus“ mit seinen Recherchen und Aktionen.

Wir sind ihm zu besonderem Dank verpflichtet.

Wir gedenken der Opfer und warnen vor den Tätern, deren Untaten nicht gesühnt worden sind. So hat der Essener Baukonzern Hochtief AG durch die Sklavenarbeit des sogenannten „Arbeitserziehungslagers“ in den Kalksteinbrüchen beim Bau der Versetalsperre profitiert. Die Einbindung des Konzerns in die Strukturen und Verbrechen des Nazi-Regimes war durch den Vorstandsvorsitzenden Eugen Vögler, zugleich Führer der Wirtschaftsgruppe Bau, vorangetrieben worden. Gegen die Auszahlung der Zwangsarbeiterentschädigung hatte sich der Konzern wie andere auch 2001 zunächst gesperrt. Später wurden geringe Summen gezahlt, aber nicht an alle Zwangsarbeiter, so nicht an die sowjetischen Kriegsgefangenen.

Mahn- und Gedenkfahrt von Köln nach Lüdenscheid (Foto: jochen vogler - r-mediabase.eu)Wir Antifaschist/innen erinnern an das Zusammenspiel der Gestapo von Köln und Dortmund bei der Ermordung von in- und ausländischen Zwangsarbeiter/innen und politischen Gefangenen – aber auch an das Zusammenspiel von Hochtief AG Essen und den Vereinigten Stahlwerken mit den Nazis – also an die Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945. Das Zusammenspiel von Industrie und Polizei äußerte sich besonders in der Schaffung sogenannter Arbeitserziehungslager, betrieben von Gestapo und Industrie gemeinsam.

Bei der Ehrung der Opfer geht es uns Antifaschist/innen ja nicht nur um die Verlegung von Stolpersteinen, sondern auch um die Aufklärung über das Zusammenwirken von Nazis und ökonomischen Eliten. So ist kaum bekannt, dass 200 KZs als „Arbeitserziehungslager“ gemeinsam von Industrie und Gestapo unterhalten wurden. Die schon genannte Essener Hochtief AG vernichtete hunderte Sklavenarbeiter im Wall der Versetalsperre im Sauerland, wo sie sie bestattete. Dorthin zieht also dieses Jahr erstmals unser Gedenkmarsch.

Wir ehren damit die Opfer einer Verbrechenskategorie der Nazis und der Industriellen und der Militärs in den letzten Wochen vor dem 8. Mai 1945: die Opfer der Kriegsendphasenverbrechen, die 700.000 Toten der Todesmärsche, der Hinrichtung von Deserteuren, politischen Gefängnisinsassen und Zwangsarbeiter/innen.

Während seit Herbst 1944 zahlreiche geheime Bemühungen von Nazioberen um eine Wende des Weltanschauungskrieges – eine Wende zu einer Einigung mit dem Westen zur Fortsetzung des Krieges gegen den Osten, die Sowjetunion – unternommen wurden, ist gleichzeitig ein Mordfeldzug gegen deutsche und ausländische Zwangsarbeiter/innen und Antifaschist/innen und gegen deutsche Soldaten, die dem Wahnsinn ein Ende bereiten wollten, in Gang gesetzt worden. Die Nazis verhandelten heimlich in der Schweiz mit US-Geheimdienstchef Dulles, sie ermordeten unter Aufsicht der Briten die jungen Matrosen in Jütland, die nicht mehr nach Osten in den Krieg gegen die Russen ziehen wollten. In Straßburg fand ein Treffen der SS mit Konzernen statt, um die Nachkriegsordnung zu regeln.

Die Nazis befürchteten, widerständige deutsche und ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter könnten sich die Früchte des bevorstehenden Sieges über den Faschismus durch gemeinsames Handeln sichern wollen. So sollte ihr Mitgestalten an einer Zukunft ohne Nazis und Militaristen verhindert werden.

Die Massenmorde wie auch die Massaker in den Konzentrationslagern und auf den Todesmärschen von den KZ nach Westen entsprachen dem Nachkriegs- und Überlebenskonzept des deutschen Faschismus. Gestapochef Müller hatte versichert: “Wir werden nicht den gleichen Fehler machen, der 1918 begangen wurde; wir werden unsere innerdeutschen Feinde nicht am Leben lassen.“

Mahn- und Gedenkfahrt von Köln nach Lüdenscheid (Foto: jochen vogler - r-mediabase.eu)Viel zu wenig ist bekannt, dass der Kölner Widerstand ein ungewöhnliches quantitatives und qualitatives Niveau angenommen hat. Einen Widerstandeskämpfer möchte ich besonders nennen, es ist der jüngste der Ermordeten: Bartholomäus Schink, der nur 16 Jahre alt wurde. Obwohl er der Hitler-Jugend angehörte, traf er sich als Sechzehnjähriger mehrfach mit Kölner Jugendlichen, die sich zu den Edelweißpiraten rechneten. Im Spätsommer 1944 stieß Schink mit seinem jüngeren Freund Günter Schwarz zu einer illegalen Gruppe um den geflohenen KZ-Häftling Hans Steinbrink. Die Mitglieder der Gruppe verübten in der zerstörten Stadt zunächst Diebstähle, um sich und Illegale durchzubringen, später horteten sie auch Waffen und Sprengstoff, um sich, wie sie hoffen, als Partisanen in den „Endkampf“ einschalten zu können. Bei Auseinandersetzungen mit der Gestapo schossen sie schließlich auf örtliche NS-Führer und Polizisten. Köln ist die einzige Stadt, in der der Gestapochef von Widerstandskämpfern erschossen wurde. Schink und Schwarz wurden mit anderen nach ihrer Verhaftung und schweren Misshandlungen ohne Gerichtsverfahren am 10. November 1944 in Köln-Ehrenfeld öffentlich gehängt.

Neben den Edelweißpiraten entwickelt sich das Nationalkomitee Freies Deutschland aus Köln zu einer einmaligen regionalen Kampforganisation. Es stellte sich auf die Grundlagen des Nationalkomitees wie es Emigranten und Kriegsgefangene mit Kommunistinnen und Kommunisten in Russland gebildet hatten. Das Komitee in Köln erweiterte seinen Einfluss bis in durchaus bürgerliche, ja kapitalistische Kreise hinein. Kommunisten und Sozialdemokraten arbeiteten zusammen. Sie versteckten jüdische Familien, riefen zur Sabotage der Kriegsproduktion auf, beherbergten desertierte Soldaten, verteilten Flugblätter, klebte antifaschistische Plakate und rief in Wandlosungen zum Sturz Hitlers und zum sofortigen Friedensschluss auf.

Mit drakonischem Terror unternahmen die Nazis vor der Befreiung Kölns am 4. März 1945 durch die Alliierten noch einen letzten Rachefeldzug, dem die führenden Mitglieder des Kölner Nationalkomitees, antifaschistische Jugendliche, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zum Opfer fielen.

Zu diesem Terror gehörte der Todesmarsch von Köln nach Lüdenscheid.

Seine Opfer und der Mut wie auch das gemeinsame Handeln der Widerstandskämpfer/innen sind uns bleibende Mahnungen: Handeln wir gemeinsam gegen neue Rechtsentwicklungen, gegen Krieg, für Demokratie.

Aus der Gedenkrede von Matthias Wagner

Und was hat das mit uns heute zu tun? Diese Frage mit dazu gehörendem Fazit stand am Ende einer weiteren Gedenkrede. Sie wurde von Matthias Wagner, Friedensgruppe Lüdenscheid und Leiter der Gedenkstätte der Stadt, am Mahnmal an der Versetalsperre gehalten. (Der gesamte Wortlauf siehe http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0138_deportationen_hunswinkel.htm)

  • Mörderische Menschenrechtsverletzungen gibt es seit 1945 in großer Zahl.
  • So wurden z.B. hunderttausende von Patronen für die US-Truppen von den Westfälischen Kupfer- und Messingwerken an der Altenaer Str. in Lüdenscheid während des Koreakrieges in der Adenauerzeit hergestellt. Die gleichen Menschen und Maschinen hatten im Zweiten Weltkrieg Patronen für die Deutsche Wehrmacht hier produziert.
    Und die steigenden Waffenexporte Deutschlands (2017 für mehr als 7 Mrd. €) produzieren jährlich tausendfachen Tod in der Welt.
  • In den Gefängnissen der Welt sitzen mehr als 100 kritische Redakteure, nur weil sie die Wahrheit sagen wollten. 65 wurden im letzten Jahr ermordet, vereinzelt sogar in Europa (Malta u.a.).
  • In Deutschland wurden im letzten Jahr 1.906 Flüchtlinge attackiert, wovon auch 313 Flüchtlingsheime betroffen waren.
  • Auch die Angriffe auf jüdische Deutsche und ihre Einrichtungen nahmen in den letzten vier Jahren zu. Es waren jährlich mehrere hundert.
  • Die rechte Partei AfD  wurde in der Bundestagswahl 2017 in Sachsen zur stärksten Partei. Führende Mitglieder wollen die Erinnerung an NS-Unrecht abschaffen.
  • Das Leid und die Willkür von Millionen Menschen in Syrien oder im Süd-Sudan zeigen uns, dass sinnlose Kriege noch immer aus Machtgier geführt werden.
  • Und in der Mehrzahl aller Staaten der Erde werden die Menschenrechte und die Freiheit nicht geschützt, sondern von den Herrschern nach ihrem Willen unterdrückt.
  • Deshalb sollten wir heute im Gedenken an die Opfer der mörderischen Gestapo-Gewalt vor 73 Jahren uns gemeinsam ermutigen, unser Wissen von den nationalsozialistischen Unmenschlichkeiten nicht zu vergessen, sondern als Auftrag für eine menschenwürdige Gegenwart und Zukunft zu verstehen.

Matthias Wagner, Friedensgruppe Lüdenscheid

 

Gedenkfahrt zur Erinnerung an fast vergessene Kriegsendverbrechen: Eine Welt ohne Nazismus, Rassismus und Militarismus fordert die VVN-BdA
Eine Gedenkfahrt von Köln über Lindlar und die Versetalsperre nach Lüdenscheid führte die nordrhein-westfälische VVN-BdA mit Unterstützung örtlicher Aktiver am Samstag, 3. März 2018 durch. Sie erinnert an Kriegsendverbrechen im Frühjahr 1945, als die Nazis noch kurz vor der Befreiung eine fast vergessene Blutspur im Land hinterließen. Die Fahrt diente zugleich der Unterstützung der örtlichen Initiativen, denn viele Einzelheiten sind auch über 70 Jahre nach Kriegsende noch nicht erforscht.
https://antifaschistischesgelsenkirchen.wordpress.com/2018/03/04/gedenkfahrt-zur-erinnerung-an-fast-vergessene-kriegsendverbrechen/

Deportationen der Gestapo Köln aus den BeNeLux-Staaten und dem Rheinland ins AEL Hunswinkel/Lüdenscheid – März 1945
Informationen für die Gedenkfahrt der VVN-BdA NRW am 03.03.2018
http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0138_deportationen_hunswinkel.htm

Schatten der Vergangenheit
Hochtief AG Essen: Die Sklavenhalter vom Sauerland
http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0137_schatten.htm

Umfassende Widerstandsaktionen in Köln – und brutale Racheakte der Gestapo – Der Todesmarsch Köln – Siegburg – Lüdenscheid 1945
Am 4. März 1945 besetzten die Alliierten die Stadt Köln. Dort kämpfte eine unvergleichlich rege Widerstandsbewegung gegen die Nazis. Vor der Besetzung Kölns gingen die Nazis mit großer Brutalität gegen den Widerstand vor, ermordete viele Häftlinge und entsandte weitere auf einen Todesmarsch nach Osten. Es folgen Informationen aus Köln und aus dem Sauerland am Ende des Krieges
http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0136_widerstandsaktionen_todesmarsch.htm

Keine Ehrung der lettischen Waffen-SS!

3. März 2018

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Protestkundgebung am 16. März 2018, 12.00 Uhr vor dem Honorar-Konsulat Lettlands in Düsseldorf

Seit 1991 ist der 16. März der Anlass für das Treffen der Veteranen der lettischen Legion der Waffen-SS – gegründet am 16. März 1943 – als „Tag der Legionäre“ zu einem Gedenk- und Ehrenmarsch zum sog. Freiheits-Denkmal in Riga. Die Mordaktionen an der jüdischen Bevölkerung und der aus dem deutschen Reich ins Ghetto Riga verschleppten jüdischen Menschen gehörte zu ihren „Aufgaben“. Insgesamt rd. 70.000 Menschen der jüdischen Bevölkerung wurden in Lettland ermordet. Die VVN-BdA NRW ruft zur Protestkundgebung gegen die jährliche Ehrung der lettischen Waffen-SS in Riga auf. Kommt am 16. März um 12.00 Uhr zur Kundgebung am Konsulat Lettlands in Düsseldorf!

Lettland gehört mit Estland, Litauen, der Ukraine und Bulgarien zu den osteuropäischen Staaten in denen Einheiten der Waffen-SS und andere mit den Nazis kollaborierende antisemitische Todesschwadronen als nationale Idole gefeiert werden. Dies geschieht mit staatlicher Duldung und teilweise offener Unterstützung durch Behörden.

Protest in Riga gegen diese alljährliche Provokation ist nur schwer möglich.

In Lettland werden antifaschistische Demonstrant*innen erheblichen Repressalien (strafrechtliche Verfolgung, Telefonüberwachung, Reisebeschränkungen, Behördenschikanen, Polizeiwillkür, staatliche Einflussnahme auf Hotels und Veranstaltungsunternehmen) ausgesetzt. Dies erfährt insbesondere immer wieder die Organisation „Lettland ohne Nazis“.

Die Veteranen der Waffen-SS erhalten dagegen aus Deutschland eine Rente.

Deswegen finden in europäischen und deutschen Städten Protestaktionen vor den Botschaften und Konsulaten Lettlands am 16. März statt, so in Rom, Brüssel, Budapest und Athen, Berlin, Bremen, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf.

Wir fordern:

  • Schluss mit der Ehrung von NS-Kollaborateuren und Mördern!
  • Die Leugnung der Untaten baltischer SS-Verbände an der Seite deutscher   Faschisten muss ebenso aufhören wie ihre Finanzierung durch deutsche Rentenzahlungen!
  • Freiheit für „Lettland ohne Nazismus“!
  • Wir rufen für den 16. März auf zu Protestkundgebungen vor der lettischen Botschaft und lettischen Konsulaten!
Kommt zur Protestkundgebung
am 16. März 2018 um 12.00 Uhrin Düsseldorf, Vogelsanger Weg 6
(Haltestelle Tram 701 Düsseldorf Haeseler Str.)
vor dem Honorarkonsulat Lettlands

Vergessene Massenverbrechen in der Kriegsendphase: Mahn- und Gedenkfahrt Köln-Lüdenscheid

11. Februar 2018

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Mitarbeiter der Gedenkstätte „Gestapozellen im Alten Lüdenscheider Rathaus“, haben die Initiative ergriffen, um die Recherchen und Aktionen zur Erinnerung an fast vergessene NS-Massenverbrechen aus dem Rheinland und Südwestfalen im Frühjahr 1945 voranzubringen. Eine Gedenkfahrt ist für den 3. März 2018 geplant. Dazu ergeht dieser Aufruf der VVN-BdA NRW:

Vergessene Massenverbrechen in der Kriegsendphase: Mahn- und Gedenkfahrt Köln-LüdenscheidKurz vor der Befreiung von Krieg und Faschismus wurden im Frühjahr 1945 Tausende Antifaschistinnen und Antifaschisten von den Nazis „ausgeschaltet“ und ermordet. Während seit Herbst 1944 zahlreiche geheime Bemühungen von Nazioberen um eine Wende des Weltanschauungskrieges – eine Wende zu einer Einigung mit dem Westen zur Fortsetzung des Krieges gegen den Osten, die Sowjetunion – unternommen wurden, ist gleichzeitig ein Mordfeldzug gegen deutsche und ausländische Zwangsarbeiter/innen und Antifaschist/innen und gegen deutsche Soldaten, die dem Wahnsinn ein Ende bereiten wollten, in Gang gesetzt worden. Die Nazis befürchteten, widerständige deutsche und ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter könnten sich die Früchte des bevorstehenden Sieges über den Faschismus durch gemeinsames Handeln sichern wollen. So sollte ihr Mitgestalten an einer Zukunft  ohne Nazis und Militaristen verhindert werden.

Diese Massenmorde wie auch die Massaker in den Konzentrationslagern und auf den Todesmärschen von den KZ nach Westen entsprachen dem Nachkriegs- und Überlebenskonzept des deutschen Faschismus. Gestapochef Müller hatte versichert: “Wir werden nicht den gleichen Fehler machen, der 1918 begangen wurde; wir werden unsere innerdeutschen Feinde nicht am Leben lassen.“ Die „innerdeutschen Freunde“ des Faschismus, die großen Konzerne, hatten hingegen freie Hand, um sich auf die Zeit nach Kriegsende einzustellen. Dazu sei an ein Treffen vom August 1944 erinnert.

Das bedeutete: Schutz für die Konzerne und Sklavenhalter, hingegen Mord an ihren Opfern, an Zwangsarbeitern und ihren deutschen Kollegen.

Dabei hat die Gestapo auch hier im Westen (Gestapo-Leitstelle Köln) eine (fast vergessene) Blutspur hinterlassen. Von Köln aus wurden mindestens 1.000 Gefangene aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und dem Rheinland vor den heranrückenden Westmächten durch das Bergische Land, z.B. Wipperfürth und Lindlar-Berghausen/Kaiserau in das älteste AEL/Arbeitserziehungslager Lüdenscheid-Hunswinkel und zu dem ca. 2 km entfernten Exekutionsort Hühnersiepen getrieben, wo im März und frühen April 1945 ca. 300 hingerichtet wurden. Viele kamen auf dem Todesmarsch ums Leben. Heute ist der entlegene Fleck Hühnersiepen eine kleine Kriegsgräberstätte.

Vor der Vertreibung der Gefangenen Richtung Osten verübte die Kölner Gestapo grausame Verbrechen. Vom 30. Januar bis 4. März 1945 (dem Tag des Einmarsches der Alliierten in Köln) wird von der Verhaftung von 500 Personen, darunter 220 Deutsche, berichtet. Von Januar bis März 1945 wurden in Köln 1.800 in- und ausländische Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Juden von den Faschisten ermordet. Genauere Angaben harren noch der Recherche.

Während die Kriegsendphasenverbrechen in Dortmund-Bittermark/Rombergpark sowie in der Wenzelnbergschlucht bei Solingen seit Jahrzehnten erforscht sind und würdige Gedenkveranstaltungen dazu stattfinden, muss eine solche Tradition auf der Strecke Köln-Lüdenscheid erst noch begründet werden. Wir gedenken der Opfer, aber wir mahnen auch, und wir warnen vor den Tätern. Ihre Untaten wurden nicht gesühnt. Entschädigungen, z.B. für die Zwangsarbeiter/innen blieben weitestgehend aus (siehe Kasten Hochtief). Rüstungsbetriebe von damals sind wieder ganz groß im Geschäft.

Deshalb rufen wir dazu auf: Für die Fortsetzung einer demokratischen Erinnerungsarbeit, für die Offenlegung aller Akten über die Verbrechen und die Verbrecher, gegen Rüstung und neue Kriege.

 

Gedenkfahrt am Samstag, den 3. März 2018

Im März 1945 fanden die Zwangs- und Todesmärsche der Gestapo Köln (aus Brauweiler, Müngersdorf Fremdarbeiterlager, Müngersdorf Judenlager, Klingelpütz, Gefängnis Siegburg u.a.) über Lindlar- Kaiserau/Berghausen, Wipperfürth nach Lüdenscheid/Hunswinkel und Wuppertal statt.

Am 3. März wollen wir dem gedenken:

10.30 Treffen am Eingang zum Tiefbahnhof Köln-Deutz, dann geht es zu den Bodeneinlassungen für die Deportationen aus Köln.

Informationen, Gedenken, politische Bedeutung für heute – Niederlegen von Blumen an der Gedenktafel für die Opfer der Deportationen der Gestapo Köln im Februar und März 1945.

11.00 Fahrt mit Bus nach Lindlar.
12.00 in Lindlar, Eintreffen zum Mittagsgeläut auf dem Kirchplatz bei St. Severin.

Dort zum Mittaggeläut Gedenken auf dem Marktplatz. Aufstellung einer symbolischen Gedenktafel für die vielen Gefangenen und Zwangsarbeiter in Kaiserau/Berghausen. Danach: Imbiss und Informationsaustausch.

14.00 Fahrt zur Klamer Brücke an der Versetalsperre.
15.00 Informationen und Gedenken nahe dem Arbeitserziehungslager Hunswinkel  in Sichtweite der Hinrichtungsstelle Hühnersiepen.

In Kooperation mit der Friedensgruppe Lüdenscheid.

16.00 Rückfahrt nach Köln. Ankunft und Ende in Köln-Deutz.

Teilnahme gegen Spende.

Anmeldung zur Busfahrt unter: nrw[at]vvn-bda[dot]de.

Vier Jahre NSU-Prozess: Keinen Schlussstrich ziehen

17. Januar 2018

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Öffentliche Aktion zum 17. Jahrestag des Anschlages in der Kölner Probsteigasse

 

Am Freitag, den 19. Januar will die „Initiative Keupstrasse ist überall“ von 15 bis 16:30 Uhr eine Mahnwache auf dem Wallrafplatz halten. Auf den Tag genau vor 17 Jahren explodierte in einem Lebensmittelgeschäft in Köln eine Sprengfalle, die dem NSU zugeschrieben wird.

 

Nach rund 4½ Jahren rückt das Urteil im NSU-Prozess vor dem OLG München immer näher. Am 13. November 2017 begann Nebenklage-Anwältin Edith Lunnebach mit ihrem Plädoyer. Sie vertritt Masliya M., die bei dem rassistischen Bombenanschlag in der Kölner Probsteigasse vom 19. Januar 2001 schwerste Verletzungen erlitt.

 

Wer hat den Anschlag vorbereitet?

Nach wie vor warten alle Betroffenen der NSU-Anschläge und -Morde auf vollständige Aufklärung, die im Münchner Prozess aufgrund der eng geführten Anklage gegen lediglich fünf Beschuldigte nicht geleistet wird. RA Lunnebach geht davon aus, dass „der Anschlag in der Probsteigasse nicht alleine von den angeblich nur drei Mitgliedern der NSU-Zelle und dem Angeklagten Eminger begangen worden ist“.. Der Netzwerk-Charakter mit Unterstützer*innen an allen Tatorten lasse sich beim Anschlag in der Probsteigasse deutlich nachzeichnen: „Wie, wenn nicht mit Hilfe von in die tödliche Gedankenwelt des NSU eingeweihten Mittätern aus dem Kölner Raum, soll denn die Tatortauswahl Probsteigasse stattgefunden haben?“ – „Ein in den Tatplan eingeweihter und mit Ortskenntnissen in Köln versehener unerkannter Mittäter aus den Reihen des NSU muss den Anschlagsort ausgesucht haben und die Sprengfalle deponiert haben.“

 

Wie viel Staat steckt im NSU?

Rechtsextreme rassistische Netzwerke in vielen Teilen Deutschlands haben die Terrorakte des NSU unterstützt und ermöglicht. Diese Netzwerke wurden direkt oder indirekt gefördert und finanziert durch staatliche Institutionen wie den Verfassungsschutz, der damit ihren Aufbau massiv unterstützt hat. Rassistische Einstellungen in Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden und das aktive Verwischen von Spuren erschweren bis heute die rückhaltlose Aufklärung der Taten und die strafrechtliche Verfolgung aller beteiligten Täter*innen.

Diese Unterwanderung des demokratischen Rechtsstaates und die Duldung gewalttätiger, rechtsextremer Strukturen stellen eine Bedrohung für uns alle dar.

 

Daher erinnern wir am Freitag, den 19. Januar 2018 von 15-16:30 Uhr auf dem Wallrafplatz an den perfiden Bombenschlag in der Probsteigasse. Die Aufmerksamkeit aller sollte auf die NSU-Überlebenden, ihre Angehörigen und auf die Plädoyers der Nebenklage gerichtet sein, die ihre Anliegen vertritt. Denen, die durch die Anschläge und Morde geschädigt wurden, sollte unsere Solidarität gelten.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

www.nsu-watch.de

www.nsuprozess.net

«Wir haben gedacht, wir kommen zurück, aber wir kamen nicht zurück»

14. Januar 2018

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Unten folgt die Einladung des Begegnungszentrums Porz der jüdischen Gemeinde zu der Veranstaltung mit Frau Kanter und Herrn Fish. Sie berichten am Anfang des Films über ihr Leben in Oświęcim, der Stadt, die die Nazis Auschwitz nannten.
Die Familie floh am 3. September 1939 in die Sowjetunion.
Herr Fish wurde Soldat der Roten Armee, von Stalingrad bis Berlin bekämpfte er den deutschen Faschismus. Die Familie Fish arbeitete bis 1945 unter harten Bedingungen in der Produktion. Danach lebten sie in der Ukraine, Herr Fish war als Spediteur beschäftigt, Frau Kanter wurde Lehrerin. Sie leben heute beide in Köln-Porz.

Der Film wurde in dem Filmhaus Köln 2015 gezeigt. Herr Fish hatte im Jahr 2011 am Jahrestag des Überfalls der Nazi-Wehrmacht auf die Sowjetunion als Zeitzeuge, auch im Filmhaus, zu uns gesprochen. Er trug auf der Veranstaltung im NS- Dokumentationszentrum mit Frau Filip über die jüdische Gemeindein der Stadt Oświęcim drei Lieder vor.

 

 

Das Begegnungszentrum Porz der Synagogen- Gemeinde Köln lädt Sie am 22.01.18 (Mo) um 16:00 Uhr zur Vorführung des Films «Wir haben gedacht, wir kommen zurück, aber wir kamen nicht zurück» ein.

Die Überlebenden Elya Kanter & Leonid Fisch – Film und Gespräch
Der Film (ca. 75 Min.), Ergebnis eines über zwei Tage sich erstreckenden Interviews mit dem Geschwisterpaar Kanter/Fisch, beschreibt die Stationen ihrer Lebensreise bis hin zu ihrer Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion im Jahre 2000 und ihr heutiges Leben in Köln-Porz.
Von der Fähigkeit, sich zu erinnern und der großen Kraft, in der Erinnerung die Lebenden und die Toten zusammen und beieinander zu halten, gibt das filmische Dokument ein lange nachhallendes Zeugnis.

Begegnungszentrum Porz der Synagogen-Gemeinde Köln
Theodor-Heuss-Straße 43-45, 51149 Köln

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